Schlechte Zähne bei Kindern: Anzeichen und Vorsorge

Verfärbungen an Kinderzähnen führen bei Eltern zu Verunsicherung. Nicht immer liegt es an Karies. Erfahren Sie, was sich hinter weißen, grauen, braunen oder durchsichtigen Zähnen verbirgt.

Sowohl körperlich als auch psychisch verändert sich Ihr Nachwuchs im Grundschulalter. Das erkennen Sie am Zahnwechsel und dem Wunsch nach anspruchsvollen Aktivitäten wie Fahrradfahren lernen oder schwimmen.

Das Kind freut sich auf die neue Herausforderung, doch was sehen Sie am Tag der Einschulung?  Eine braune Backenzahnspitze im Mund Ihres Nachwuchses. Beim genauen Hinsehen fällt auf, dass der erste, bleibende Zahn bröselig und verfärbt ist. 

Das ist ein Indiz für die Zahnerkrankung Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), deren Ursache noch unzureichend erforscht ist. Hierbei entwickelt sich die Zahnhartsubstanz nicht richtig und Folgeschäden können auftreten.

Wir erklären Ihnen, wie Ihr Nachwuchs mit dieser Diagnose gut leben kann und worauf Zahnverfärbungen noch hindeuten:

Poröse Zähne: Kreidezähne kommen oft vor

Strahlend weiße Milchzähne und beim Durchbruch der ersten bleibenden Zähne folgt die böse Überraschung: poröse und kaputte Zähne. Damit sind Sie und Ihr Kind nicht allein.

Zahnmediziner sprechen bei diesem Phänomen von Kreidezähnen, der Oberbegriff für die Mineralisationsstörung des Zahnschmelzes als Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Es liegt ein mindermineralisierter Zahnschmelz vor, sodass die Zähne das Zahnfleisch bröselig durchdringen.

Die Ursache von Kreidezähnen ist nicht geklärt. Machen Sie sich daher keine Vorwürfe, wenn Sie bei Ihrem Grundschulkind Anzeichen auf MIH finden. Letztlich kann nur in der Zahnarztpraxis die Diagnose gestellt werden. In den meisten Fällen sind es nur harmlose Verfärbungen der Zähne. Nur bei schweren Formen bedarf es einer Therapie. Von hoher Bedeutung ist in jedem Fall die regelmäßige Mundhygiene.

MIH wird weiterhin erforscht, um die Ursachen zu ermitteln.  Derzeit werden genetische Faktoren, frühkindliche Infektionserkrankungen, Antibiotikaeinsatz als auch Umwelteinflüsse diskutiert.

Lediglich um 5 Prozent der Fälle von MIH gehen mit Substanzverlust und Schmerzen einher, sodass hier eine weitgehende Therapie oder gegebenenfalls sogar die Extraktion nötig ist.

Prof. Dr. Christian H. Splieth Präventive Zahnmedizin und Kinderzahnheilkunde, Universität Greifswald

Weitere Informationen auch hier: MIH - Wenn Kinderzähne bröckeln

Zahnpflegetipps für Kinder

Durch den weichen Zahnschmelz bei einer Mineralisationsstörung haben Karies-Bakterien leichteres Spiel. Putzen sollte Ihr Nachwuchs nach dem Frühstück und Abendessen. Bis zum zweiten Schuljahr sollten Sie bei Ihren Kindern nachputzen. Dafür eignet sich eine altersgerecht dosierte Fluorid-Zahnpasta und Creme.

Gleiches gilt auch bei Kindern mit gesunden Zähnen. Die Kosten für die Kontrolluntersuchung alle sechs Monate sowie die zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen zwischen der Geburt und dem 6. Lebensjahr übernimmt die Krankenkasse.

Schlechte Zähne als Folge von ungeputzten Kinderzähnen

Was für die Eltern zur täglichen Routine gehört, müssen die Kleinsten erst mal lernen.

Von der Feinmotorik her putzen sich Kinder erst im Grundschulalter eigenständig ihre Zähne. Bis dahin sind die Erwachsenen für die Zahnpflege ihres Nachwuchses zuständig. Dies gilt ab dem Durchbruch des ersten Zahnes.

Entgegen der Annahme, dass Karies bei Milchzähnen unproblematisch ist, besteht ein hohes Risiko für schwere Erkrankungen. Karies ist eine der häufigsten Erkrankungen des Kleinkindes. Auch das Risiko für Karies an bleibenden Zähnen steigt deutlich. Viele Mütter verzichten zunächst auf die Zahnpflege, weil sie ihr Neugeborenes erst mal stillen. Die Muttermilch enthält allerdings auch Kohlenhydrate. Mit der Besiedelung der Mundhöhle des Kleinkindes durch Bakterien, können diese Zucker in Säure umwandeln.

Bleiben die Kinderzähne ungeputzt, haften die Krankheitserreger an der Zahnoberfläche und es bildet sich Zahnbelag (Plaque). Bei mangelnder Mundhygiene greift die von den Bakterien produzierte Säure den Zahnschmelz an und die Zähne werden brüchig. Später können daraus Löcher entstehen, die der Zahnarzt behandeln muss.

Erkrankungen der Zähne haben viele Gesichter. Gelb, braun, grau oder schwarz: Was bedeuten diese Zahnverfärbungen bei Ihrem Kind?

Verfärbungen bei Kinderzähnen - eine Übersicht

  • Gelbe Zähne deuten bei Kindern auf eine Störung im Zahnwachstum hin. In wenigen Fällen kann eine Einnahme von sogenannten Tetrazyklinen schuld daran sein. Dabei nehmen die Zähne vor dem Durchbruch eine gelbliche Färbung an.
  • Braune Zähne weisen auf Karies hin. 
  • Eine graue Verfärbung kann sich nach einem Zahnunfall bilden. Aus den Blutgefäßen im Inneren des Zahns gelangen Blutfarbstoffe in den Zahnschmelz. Sofern keine weiteren Symptome auftreten, ist eine Behandlung nicht nötig.
  • Schwarze Verfärbungen auf den Kinderzähnen sind meist nicht krankhaft. Vereinzelt bekommen Kinder durch spezielle Bakterien, die Stoffwechselprodukte nutzen, schwarze Ränder an den Zähnen. Diese Verfärbungen lassen sich leicht entfernen.

Karies bei Kindern – sogar unter Dreijährige können erkranken

Wenn Ihr Kleinkind weint, kann das auch an einer Karies-Erkrankung liegen. Daran erkranken viele Babys und Kleinkinder. Ursächlich ist mangelnde Mundhygiene und die Zufuhr von übermäßig vielen Kohlehydraten.

Nach einer Untersuchung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) leiden 10 - 15 Prozent der unter Dreijährigen an Milchzahnkaries. In sozialen Brennpunkten seien es bis zu 40 Prozent.

Karies sollten Sie bei Ihrem Kind nicht ignorieren, da ein gesundes Milchgebiss die Basis für eine gesunde Kindsentwicklung darstellt. Bemerken Sie eine braune Verfärbung am Zahn Ihres Kindes, sollten Sie Ihren Zahnarzt aufsuchen.

Eine frühzeitige Behandlung verringert das Risiko für Karies und weitere Komplikationen. Denn: Erkrankte Milchzähne beeinflussen das Essen, Sprechen lernen und die psychische Entwicklung der Kinder.

Zahnbelag bei Kindern trotz putzen

Die vollständige Entfernung des Zahnbelags beim Zähneputzen ist entscheidend.

Auch Erwachsene machen Fehler bei der Zahnpflege, sodass der Zahnbelag nicht vollständig entfernt wird. Kinder können sich diese Fehler abschauen. Zu Beginn gleicht das Zähneputzen für Kind und Eltern einer Geduldsprobe. Mehrere Minuten geduldig die Zähne zu pflegen, ist oftmals nicht so spannend wie ein Ballspiel.

Mit der richtigen Motivation funktioniert es deutlich besser: Verwandeln Sie das Zähneputzen in ein kleines Abenteuer, auf das sich Ihr Nachwuchs freut. Es gibt etliche Lieder und Geschichten, mit denen die Mundhygiene allen Beteiligten viel Freude bereitet.

Lassen Sie sich gerne von Ihrem Zahnarzt unterstützen, damit Ihr Nachwuchs direkt die richtige Putztechnik erlernt.

Wie Sie beim Zähneputzen richtig handeln, haben wir Ihnen einmal hier zusammengefasst: https://www.prodente.de/zaehne/prophylaxe/zaehneputzen.html

Warum habe ich durchsichtige Zähne?

Durchsichtige Zähne treten selten auf und können genetisch oder durch Krankheiten wie einer Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) bedingt sein.

Daran können Sie zunächst nichts ändern. Abhängig von den ästhetischen Veränderungen ist mit zunehmendem Lebensalter über Maßnahmen wie Füllungen, Veneers oder Kronen zu entscheiden.

Sieht schlimmer aus, als es ist: Dunkle Kinderzähne

Der Anblick von Verfärbungen auf den Kinderzähnen kann eine Mutter schon mal in Panik versetzen. Dafür gibt es nicht immer einen Grund, schreibt der Bundesverband Kinder- und Jugendärzte e. V. auf seiner Webseite. In jedem Fall sollten sie von einem Zahnarzt oder einer Zahnärztin kontrolliert werden. Möglicherweise können sie leicht entfernt werden.

Kariöse Zähne als Ergebnis unzureichender Zahnpflege bei Kindern

Auch kleine Patienten bleiben nicht von kariösen Zähnen verschont, wenn die Eltern erste Warnzeichen einer Zahnerkrankung ihrer Kinder vernachlässigen.

Schlechte Zähne sind für Ihren Nachwuchs nicht nur äußerst schmerzhaft, sondern können auch eine sehr aufwendige Behandlung zur Folge haben. Bei unzureichender Mundhygiene vermehren sich die Bakterien ungehindert in der Mundhöhle und könne am Ende zum Zahnverlust führen.

Bevor sich eine ernsthafte Zahnerkrankung bei Ihrem Kind entwickelt, nehmen Sie bitte jährlich die Zahnprophylaxe wahr.

Schiefe Zähne bei Kindern: Kieferorthopädische Frühbehandlung nutzen

Wächst ein Zahn zunächst schief, kann sich das im Laufe des Kieferwachstums noch ändern.

Wenn Zähne keinen Platz mehr finden, deutlich schief stehen oder Unter- und Oberkiefer nicht gut aufeinanderbeißen, sollten Sie mit Ihrem Nachwuchs einen Zahnarzt aufsuchen. Dieser entscheidet über eine Überweisung zum Kieferorthopäden. Dort untersucht das zahnmedizinische Fachpersonal, ob eine behandlungsbedürftige Zahnfehlstellung oder eine ungewöhnlich Kieferstellung vorliegt. Eltern können schiefen Zähnen vorbeugen, indem sie ihr Kind nicht zu lang einen Schnuller geben.

Beim Saugen am Schnuller oder auch am Daumen wird ein übermäßiger Druck auf den Gaumen oder die Zähne ausgeübt. Das verändert den Gaumen und beeinflusst die Zahnentwicklung. Nicht selten ist ab einem Alter von sechs Jahren eine kieferorthopädische Frühbehandlung sinnvoll.

Beugen Sie schlechten Zähnen bei Ihren Kindern lieber vor, indem Sie auf eine zahnfreundliche Ernährung und gute Zahnpflege achten.

Sollten Sie weitere Fragen zur Zahngesundheit Ihres Kindes haben, fragen Sie Ihren Zahnarzt oder informieren sich weiterhin auf prodente.de.

Autor
Dirk Kropp

Chefredakteur

Dirk Kropp ist seit 2002 Autor der proDente-Redaktion. Er studierte an der Ruhr-Universität Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaften.

Kontakt