Karies ist ungleich verteilt

Karies ist ungleich verteilt

  • Die Mehrheit der Zwölfjährigen ist kariesfrei
  • DMS • 6 rückt die jüngste Risikogruppe in den Fokus
  • 40 % der 8 – 9-Jährigen tragen eine hohe Krankheitslast

Mehr als die Hälfte der Acht- und Neunjährigen bleibt heute kariesfrei. Auch bei Zwölfjährigen ist Karies zur Ausnahme geworden. Doch die Erkrankung verteilt sich ungleich. Gerade im sozialen Spannungsfeld entscheidet sich früh, wie sich die orale Gesundheit entwickelt. Fachleute sprechen von einer Kariespolarisation.

Während die Mehrheit der Kinder keine Probleme hat, tragen 40 Prozent der Acht- und Neunjährigen die gesamte Krankheitslast ihrer Altersgruppe. Im Schnitt sind 3,5 Zähne von Karies betroffen. Bei den Zwölfjährigen zählen 20 Prozent zur Risikogruppe. Hier muss präventiv gezielt angesetzt werden.

Zähne im Ausnahmezustand

Trotz aller Präventionserfolge – Karies verschwindet nicht, sie konzentriert sich zunehmend auf Hochrisikogruppen. Studien zeigen, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien ein höheres Risiko für frühkindliche Karies und unbehandelte orale Erkrankungen aufweisen. Ursachen sind unter anderem Unterschiede in Gesundheitskompetenz, Ernährung, Inanspruchnahme präventiver Angebote sowie strukturelle Faktoren wie Bildungsniveau und Lebensumfeld. Laut der DMS • 6 muss Prävention genau dort ansetzen. „Die Mundgesundheit hat sich insgesamt enorm verbessert. Gleichzeitig gibt es Kinder, die schon früh eine hohe Karieslast entwickeln. Diese Gruppe dürfen wir nicht aus den Augen verlieren“, betont Dr. Reinhard Schilke, Oberarzt der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventivzahnmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Prävention muss früh beginnen

„Prävention muss im Kleinkindalter ansetzen. Wenn wir Kinder früh erreichen, können wir Schmerzen und Folgeschäden verhindern. Leider gibt es Kinder, die weder ausreichend für Mundhygiene sensibilisiert noch entsprechend begleitet werden. Genau hier müssen wir eingreifen. Denn Karies beginnt oft an den Milchzähnen – und die sind keine bloßen Platzhalter. Sie sind entscheidend für die gesunde Entwicklung der Kiefer, die Nahrungsaufnahme und die Sprachentwicklung. Werden Milchzähne geschädigt, kann das auch die bleibenden Zähne beeinträchtigen“, erklärt Dr. Schilke.

Berlin zeigt, wie es geht

Wie gezielte Prävention aussehen kann, macht Berlin vor. Seit Ende 2025 gehört das tägliche Zähneputzen in Kitas zum gesetzlichen Auftrag. Gleichzeitig wurden zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen gestärkt. Eltern müssen einer Untersuchung nicht mehr aktiv zustimmen, sondern ausdrücklich widersprechen. Die Idee dahinter ist klar: Prävention soll alle Kinder erreichen – unabhängig von Herkunft, Bildungsstand oder familiärer Situation. Für manche Kinder ist das gemeinsame Zähneputzen in der Kita die einzige Zahnpflege des Tages. Deshalb gilt die Berliner Regelung als wichtiger Schritt zu mehr gesundheitlicher Chancengleichheit.

Früh schützen, langfristig profitieren

„Die Kita ist einer der wenigen Orte, an denen wir fast alle Kinder erreichen“, sagt Dr. Schilke. Berlin gilt als Vorbild für Prävention. Regelmäßiges Zähneputzen mit Fluorid zuhause, in Kitas, Schulen oder sozialen Einrichtungen, feste Essenszeiten, wenig und vor allem selten Zucker sowie frühe Kontrolltermine in der Zahnarztpraxis bilden die Basis für gesunde Kinderzähne.