Dentale Zeitreise

Dentale Zeitreise

Bereits in frühester Zeit gab es Versuche, ausgefallene oder gezogene Zähne zu ersetzen. Materialien dafür waren beispielsweise Elfenbein, Holz und Zähne von Tieren oder Verstorbenen. Diese wurden mit Drähten an den gesunden Zähnen befestigt – sie konnten die Kaufunktion allerdings nicht ersetzen. Davon abgesehen lösten diese künstlichen Zähne, die bereits zu Zeiten der Etrusker bekannt waren, oft schmerzhafte Entzündungen aus.

Im pakistanischen Balutschistan fanden Archäologen Schädel von Menschen aus dem Neolithikum (vor 7500 bis 9000 Jahren), deren Zähne eindeutige Spuren von Bohrungen aufwiesen. Dies ist somit der älteste Hinweis auf zahnmedizinische Behandlungen.

Antike

Schon in der Antike wurde Zahnpflege betrieben. Dies ist inzwischen durch zahlreiche Hinweise belegt. Meist wurden dafür die Finger, Pflanzenextrakte und Kauhölzer zu Hilfe genommen. Wer allerdings in frühesten Zeiten Karies hatte, der hatte es nicht leicht. Es gab nur die folgenden zwei Möglichkeiten: Entweder er hielt es standhaft aus und damit auch die quälenden Schmerzen oder er trat den Gang zum sogenannten Zahnbrecher an, um Teile des schmerzenden Zahns nicht gerade sanft herausbrechen zu lassen.

Bimsstein im alten Rom

Die Mundhygiene unterschied sich von Land zu Land. So brachten Römer ihre Zähne mit pulverisiertem Bimsstein und Marmorstaub zum Glänzen, die Griechen reinigten ihre Zähne mit einem rauen Leintuch und in Mesopotamien mischte man Minze, Alaun und Baumrinde zu einem Zahnputzmittel.

Mittelalter

Im 9. Jahrhundert gab es in der arabischen Medizin bereits erste Schritte von Zahnbehandlungen, wie beispielsweise die Kauterisation des Zahnnervs mit heißem Öl oder glühenden Nadeln. Im Mittelalter wurden hierfür in Europa heiße Eisenhäkchen verwendet. Dadurch wurde der Nerv des gezogenen Zahns abgetötet – dies setzte immerhin dem Zahnschmerz ein Ende, auch wenn das Loch weiterhin vorhanden war. Als Verursacher für die schwarzen Löcher in den Zähnen wurde lange ein Zahnwurm angenommen. Dieser und die Schmerzen sollten durch die Inhalation von verbrannten Bilsenkrautsamen, die halluzinogen und betäubend wirken, vertrieben werden.

Zähne ziehen – ein Job für jedermann

Im Mittelalter gab es noch keine richtigen Zahnärzte – es fühlten sich aber viele befugt, Zahnschmerzen zu behandeln: von dem Barbier, dem Gliedereinrenker, dem Apotheker über den Hufschmied bis hin zu den „weisen alten Frauen“.

18. Jahrhundert

Erst im 18. Jahrhundert wurde in Europa ein Vorläufer der heutigen Zahnbürste entwickelt – hierzu wurden Schweine- oder Pferdeborsten gekocht und schließlich an einen Stiel geklebt. Allerdings waren diese Zahnbürsten nur in den oberen Gesellschaftsschichten bezahlbar. Ab Ende des 18. Jahrhunderts gab es auch erste Meldungen über künstliche Porzellangebisse, aber erst im 19. Jahrhundert konnte man mit Kautschuk auch funktionierenden Zahnersatz für die breite Masse herstellen.

Zahnpflege reine Frauensache

Bis zum 19. Jahrhundert war Zahnpflege reine Frauensache. Männer, die sich die Zähne putzten, wurden als dekadent bezeichnet. Erst dann begann die Zahnpflege allmählich, für alle ein fester Bestandteil der Körperpflege zu werden.

20. Jahrhundert

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es möglich, Zahnbürsten mit Kunststoffborsten und Zahnpasta herzustellen. Die maschinelle Fertigung machte die Produkte billiger und für mehr Menschen erschwinglich. Die Kariesverbreitung konnte deutlich eingedämmt werden.

Im Bereich Zahnersatz wurde mit Materialien wie Gold, Silber, Platin, Kautschuk und Keramik experimentiert. Schließlich wurde 1940 Titan als mögliche Alternative für gewisse Formen des Zahnersatzes entdeckt. Weiterentwicklungen in der Zahnmedizin gab es Ende des 20. Jahrhundert als neue Betäubungsmittel, die Bohrmaschine und Röntgenstrahlen eingesetzt werden konnten.