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Hightech - Zahnersatz 4.0

Digitale Technologien wie die CAD/CAM-Fertigung haben auch bei der Herstellung von Zahnersatz wie Kronen und Brücken Einzug gehalten. Sie ersetzen jedoch nicht die handwerklichen Fähigkeiten, das Wissen und die Erfahrungen des Zahnarztes und des Zahntechnikers.

Helga K. muss sich die Zähne machen lassen. Ein Zahn soll mit einer Krone versorgt werden. Sie entscheidet sich für Zahnersatz aus Vollkeramik. Der Zahnarzt bereitet den Zahn für die Versorgung vor. Um den beschliffenen Zahn und das Gebiss genau nachzubilden, registriert der Zahnarzt die Lage der Kiefer zueinander und nimmt mit Abformmasse sowie Metalllöffel Abdrücke von beiden Kiefern. Die Abdrücke und den Auftrag für die Versorgung gemäß Befund schickt die Zahnarztpraxis in ein Dentallabor.

Ausblick: Eine Alternative zur klassischen Abformung bilden sogenannte Intraoralscanner. Sie nehmen einen digitalen Abdruck. Der Computer errechnet hieraus ein 3D-Modell, das der Zahnarzt über ein Netzwerk elektronisch an das zahntechnische Labor senden kann.

Fräsroboter im Dentallabor

Mit den herkömmlichen, aus Abformmasse angefertigten Abdrücken stellt der Zahntechniker zunächst ein Arbeitsmodell aus Gips oder Kunststoff her. Dieses scannt er anschließend und bearbeitet das digitale 3D-Modell am Computer. Klick für Klick konstruiert der Zahntechniker in einer speziellen Software an einem leistungsstarken Rechner den Zahnersatz (CAD, Computer Aided Design). Die digitalen Konstruktionsdaten sendet er dann an eine Fräseinheit. Denn für die Vollkeramik-Krone verwendet der Zahntechniker hochfeste Keramiken. Sie haben einen großen Kristallanteil und sind besonders stabil und belastbar. Da hochfeste Keramiken wie das Zirkonoxid nicht auf dem herkömmlichen Weg verarbeitet werden können, haben Hightech-Verfahren Einzug in das zahntechnische Labor erhalten: Der computergesteuerte Fräsroboter schleift anhand des digitalen Datensatzes die Krone aus einem industriell gefertigten Keramikblock (CAM, Computer Aided Manufacturing). Mit dem CAD/CAM-Verfahren kann der Zahntechniker den Zahnersatz wie beispielsweise Kronen und Brücken oder die Gerüste als Ausgangsbasis für die endgültige Arbeit herstellen.

Computer ersetzt Handwerk nicht

In einem letzten aber entscheidenden Arbeitsschritt stellt der Zahntechniker dann den computergefertigten Zahnersatz mit handwerklicher Feinarbeit fertig. Mit einem Pinsel trägt er zwecks Individualisierung einzelne Keramik- oder Farbschichten auf. So fügt sich die Krone perfekt in die natürlichen Zähne von Helga K. ein. „Moderne Software und Herstellungsmethoden sind aus der heutigen Zahntechnik nicht mehr wegzudenken und unterstützen den Zahntechniker bei seiner täglichen Arbeit. Jedoch gehört sehr viel zahntechnisches Wissen und handwerkliche Erfahrung dazu, um auch mit diesen neuen Werkzeugen richtig umzugehen“, verdeutlicht Zahntechnikermeister Thomas Lüttke, Berlin. „Zudem ist und bleibt Zahnersatz individuell und auf jeden einzelnen Patienten abgestimmt. Die Handarbeit des Zahntechnikers ist es, die den Zahnersatz zu einem passgenauen Unikat macht.“