Zahnzusatzversicherung oder Zahnersatzversicherung - die Fakten

Zahnzusatzversicherung oder Zahnersatzversicherung - die Fakten

Private Krankenversicherungen bieten – teils in Kooperation mit gesetzlichen Krankenkassen – vielfältige Zahnversicherungen an. Grundsätzlich zu unterscheiden ist zwischen reinen Zahnersatzversicherungen und weitergehenden Zahnzusatzversicherungen. Diese Angebote richten sich in erster Linie an gesetzlich Versicherte. Für privat Krankenversicherte gibt es spezielle Versicherungen für Zähne.

Ob sich eine private Versicherung der Zähne lohnt, hängt stark davon ab, ob Sie in Zukunft hohe Kosten für Zahnersatz haben werden. Denn nur dann rechnen sich die verhältnismäßig teuren Beiträge“, erläutert Julia Rieder, Expertin für Versicherungen bei der gemeinnützigen Verbraucherinformation Finanztip. „Die entscheidende Frage ist, wie Sie die Gesundheit Ihrer Zähne einschätzen.“ Fazit: Zähne kann man zusätzlich versichern, muss es aber nicht. Als Alternative, um Zahnersatz zu finanzieren, kann auch ein kleiner Sparvertrag zweckmäßig sein. Wer sich für eine private Versicherung der Zähne entscheidet, sollte sich jedoch gut informieren. Was erstattet die Versicherung genau? Wie hoch sind die monatlichen Kosten? Testergebnisse der Tarife zeigen: Wer die für ihn passende Versicherung wählt, ist gut abgesichert, wenn Zahnersatz notwendig wird.

Zahnersatzversicherung

Zahnersatzversicherungen haben einen vergleichsweise geringen Monatsbeitrag. Sie mindern jedoch lediglich die Kosten des Eigenanteils auf Basis einer Regelversorgung mit Zahnersatz.  Im Schadensfall bieten sie somit weniger Leistungen als eine Zahnzusatzversicherung. Dies bedeutet konkret: Wird Zahnersatz notwendig, tragen die gesetzlichen Krankenkassen 60% der Kosten (Festzuschuss) einer medizinisch ausreichenden Versorgung (Regelversorgung). Hat der Patient zudem ein Bonusheft mit lückenlosen Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt über einen bestimmten Zeitraum, erhöht sich der Zuschuss der Krankenkassen auf maximal 75% (Stand 1.10.2020). Die verbleibenden Kosten muss der Patient als Eigenanteil selber tragen. An dieser Stelle greift die Zahnersatzversicherung. Sie erstattet einen bestimmten Betrag des Eigenanteils. Für den Patienten verringern sich somit die Kosten des Eigenanteils.

Zahnzusatzversicherung

Wer sich im Fall der Fälle über die medizinisch ausreichende Versorgung (Regelversorgung) hinaus höherwertigen Zahnersatz leisten möchte, für den kann sich eine Zahnzusatzversicherung rechnen. Sie erstattet einen Teil der gesamten Zahnarztrechnung. Zudem bieten viele Zahnzusatzversicherungen zusätzliche Leistungen, die von den gesetzlichen Krankenkassen nicht getragen werden. Dies können z.B. Inlays, Implantate, Prophylaxe und Kieferorthopädie sein. Der im Vergleich zur Zahnersatzversicherung höheren Leistung steht jedoch auch ein deutlich höherer Monatsbeitrag gegenüber.

Tarife vergleichen

Vergleichen Sie die Angebote inklusive einzelner Tarifbedingungen sorgfältig und informieren Sie sich gut, z.B. bei Verbraucherzentralen, Finanztip oder Stiftung Warentest. Prüfen Sie: Worauf bezieht sich der Zuschuss? Unterscheiden Sie zwischen Zahnersatz- und Zahnzusatzversicherungen. Eine Zahnersatzversicherung mindert nur den Eigenanteil bei der Versorgung mit Zahnersatz. Zahnzusatzversicherungen versichern auch Leistungen, die die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht erstatten (z.B. Implantate). So können 60 Prozent Erstattung in der einen Versicherung mehr wert sein als 100 Prozent in der anderen.

Vor dem 40. Lebensjahr abschließen

Empfehlenswert ist ein Vertragsabschluss vor dem 40. Lebensjahr. Ältere zahlen hohe Beiträge, können sich nicht mehr versichern oder erhalten nur eingeschränkte Leistungen. Jüngere haben niedrigere Beiträge, zahlen aber über die Jahre unter Umständen mehr Beiträge als sie an Erstattung erhalten.

Tarifbedingungen genau lesen

Vor Vertragsabschluss lassen die meisten Versicherer den Zustand der Zähne kontrollieren. Für bereits angeratene, geplante oder begonnene Behandlungen zahlt die Versicherung in der Regel nicht. Dies gilt auch für Verträge, bei denen vorab keine Gesundheitsprüfung stattfindet. Nur einzelne Anbieter ermöglichen Leistungen bei schon angeratener oder begonnener Behandlung. Hier wird jedoch nur der Festzuschuss der gesetzlichen Krankenkassen verdoppelt. Und: Bei der Gesundheitsprüfung ehrlich antworten. Im schlimmsten Fall ist der Versicherungsschutz ansonsten verloren.

Achtung Wartezeit

Meist können Sie Leistungen erst nach einer Wartezeit – häufig acht Monate – in Anspruch nehmen. Bei Wechsel des Vertrags beim selben Anbieter werden Wartezeiten oftmals angerechnet und eine Ablehnung aufgrund schlechter Zähne ist nicht möglich.

Gibt es Höchstgrenzen?

Viele Versicherer haben für die ersten Jahre bestimmte Beträge festgelegt, die maximal übernommen werden. Auch dauerhafte jährliche Obergrenzen für Erstattungsbeträge sind möglich.

Besonderheit Gruppenverträge

Gesetzliche Krankenversicherungen bieten für ihre Mitglieder Zusatzversicherungen als Gruppenverträge mit privaten Krankenkassen an. Ein Preis-Leistungsvergleich lohnt dennoch. Und Achtung: Bei Wechsel der Krankenversicherung erlischt in der Regel der Rabatt für den Gruppenvertrag.

Sind Inlays und Implantate enthalten?

Einige Tarife schließen Inlays oder Implantate komplett aus. Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen diese jedoch nur in Höhe der Regelleistung – bei Füllungen im Seitenzahnbereich in Höhe der Amalgamfüllung. Wem diese Versorgungen wichtig sind, sollte Tarif ohne Höchstgrenze bei Erstattung von Inlays oder Implantaten wählen sowie keine Begrenzung der Anzahl von Implantaten. Auch ein möglicher Knochenaufbau sollte im Leistungsumfang enthalten sein sowie der Aufbau von Zahnersatz auf Implantate (Suprakonstruktionen).

Welcher Gebührensatz wird erstattet?

Eine gute Zahnzusatzversicherung bietet auch die Erstattung über dem 2,3-fachen durchschnittlichen Gebührensatz der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) an.

Kombi-Produkte wirklich notwendig?

Genau abwägen bei Kombi-Produkten: Sie versichern zusätzliche Leistungen wie z.B. Brille, Heilpraktiker oder Akkupunktur. Entscheiden Sie selber, welche Leistungen Sie wirklich benötigen.

Zahnarzt berät nur über Gesundheitsrisiko

Ihr Zahnarzt ist Spezialist für gesunde und schöne Zähne. Aber er ist kein Versicherungsmakler. Er kann Ihre Mundgesundheit beurteilen und welches Erkrankungsrisiko vorliegt. Er kann Ihnen aber keine bestimmte Versicherung empfehlen. Zudem hat er bei Auskunftsersuchen der Versicherungen stets die Schweigepflicht und den Datenschutz zu beachten.