Künstliche Titanwurzel seit 50 Jahren

Künstliche Titanwurzel seit 50 Jahren

Künstliche Zahnwurzeln – die sogenannten Implantate – bestehen fast ausschließlich aus hochreinem Titan. Der Grund: Titan ist vor allem besonders gewebefreundlich und allergiearm. Titan wurde Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt. Reines Titan konnte man allerdings erst 1910 erzeugen. Bis zum Einsatz in der Zahnmedizin verging aber noch über ein halbes Jahrhundert.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts verwendete man Titan in Form von chemischen Verbindungen und Zusatzstoffen für Legierungen. Zu Beginn der 1950er-Jahre wurde die Industrieproduktion von geschmiedetem Titan aufgebaut. Sowohl in der Luftfahrtechnik und als auch im Bereich der Kernkrafttechnik kam der neue Konstruktionswerkstoff zum Einsatz. Zu dieser Zeit entdeckte man, dass Titan auch für den Einsatz im Knochen verwendet werden kann, da sich Titan biologisch neutral verhält und keine allergischen Reaktionen auslöst.

Premiere in Schweden

Der Orthopäde Per-Ingvar Branemark beobachtete in den 50er-Jahren in Cambridge, dass sich in Kaninchen eingebrachtes Titan so eng mit dem Knochen verband, dass es nicht mehr zu entfernen war. Die Ergebnisse dieser Versuche inspirierten ihn, über den Einsatz von Titan bei der Entwicklung künstlicher Hüft- und Kniegelenke nachzudenken. Branemark begriff aber schnell, dass der Kieferknochen für weitere Experimente und deren Dokumentation leichter zugänglich war.

So änderte er seine Forschungsrichtung und konzentrierte sich auf die zahnärztliche Implantologie. 1965 implantierte Branemark, damals Anatomieprofessor an der Universität Göteborg, einem Patienten namens Gösta Larsson das erste Schraubenimplantat aus Titan.