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Filigran: Die Wurzelkanalbehandlung

Bei einer Wurzelkanalbehandlung ist Millimeterarbeit gefragt. Heutzutage stehen der Zahnmedizin hocheffiziente Techniken und Hilfsmittel zur Verfügung.

„Die Wurzelkanalsysteme im Inneren des Zahns sind komplexe Strukturen. Bei einer Entzündung sind die feinen Verästelungen und Seitenkanälchen der Zahnwurzel nicht einfach zu reinigen“, erklärt Privatdozent Dr. Thomas Schwarze, Hannover. „Für eine erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung gilt es, alle Bakterien zu beseitigen und das Kanalsystem dauerhaft zu verschließen. Nur so lässt sich eine erneute Infektion mit Bakterien vermeiden.“ Für die einzelnen Arbeitsschritte der Wurzelbehandlung können optische  Vergrößerungshilfen zum Einsatz kommen. Sie helfen dem Zahnarzt, die feinen und weit verzweigten Kanäle zu erkennen und zu behandeln.

Lupe und Mikroskop vergrößern Wurzelkanäle

Mit bloßem Auge sind die winzigen, dunklen Wurzelkanäle nicht immer ausreichend zu erkennen. Die Vergrößerung mit einer Lupenbrille hilft dem Zahnarzt, die kleinen Strukturen besser zu überblicken. Spezialisten für Endodontie, also Zahnärzte, die sich auf die Wurzelbehandlung spezialisiert haben, arbeiten teilweise mit dem Operationsmikroskop. Dieses macht selbst kleinste Strukturen sehr gut sichtbar. So kann der Zahnarzt das Zahninnere bei einer Zahnwurzelentzündung sorgfältig nach verzweigten Kanälen und Hohlräumen absuchen. Übrigens kommen Lupe und Mikroskop auch bei der filigranen Arbeit des Zahntechnikers im Dentallabor zum Einsatz.

Haarfeine, flexible Instrumente säubern den Kanal

Der Zahnarzt entfernt bei einer Wurzelbehandlung das von Bakterien befallene Gewebe mit sehr dünnen, hochflexiblen Instrumenten aus einer Nickel-Titan-Legierung oder Edelstahl. Häufig werden maschinelle Verfahren zur Aufbereitung des Wurzelkanals mit diesen feinen Instrumenten eingesetzt. Die kleinsten haben an ihrer Spitze einen Durchmesser von gerade einem zehntel Millimeter. Sie passen sich den oft stark gekrümmten Kanälen perfekt an und können sie optimal aufbereiten. Elektronische Wurzelkanallängenbestimmungen sind bei der Aufbereitung sehr hilfreich. Zusätzlich desinfiziert er den Kanal mit antibakteriellen Spülungen. Ultraschall verbessert die Wirksamkeit der Spülungen im Kanalsystem. Auch Laser können bei der Wurzelkanalbehandlung zum Einsatz kommen.

Röntgen überprüft den Erfolg

Unerlässlich für die Wurzelbehandlung – von der Diagnose über die Behandlung bis hin zur Kontrolle des Behandlungserfolgs – sind Röntgenuntersuchungen. Ohne sie könnten Zahnärzte Wurzelbehandlungen nicht durchführen. Die Strahlenbelastung ist dabei sehr gering und wird bei Einsatz von digitaler Röntgentechnik reduziert.

Welche Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenkasse?

Damit die gesetzliche Krankenkasse die Kosten übernimmt, muss die Wurzelbehandlung erfolgversprechend sein. Davon ist auszugehen, wenn der Zahnarzt die Wurzelkanäle bis bzw. bis nah an die Wurzelspitze behandeln und sie auch so weit dicht abfüllen kann. Zudem muss der Zahn erhaltungswürdig sein. Bei hinteren Backenzähnen gelten folgende Bedingungen für die Übernahme der Behandlungskosten:

- der Zahn steht in einer geschlossenen Zahnreihe

- die Behandlung verhindert, dass die Zahnreihe einseitig verkürzt wird

- durch die Behandlung kann vorhandener Zahnersatz erhalten werden.

Kosten für spezielle Behandlungstechniken, wie z.B. die elektrometrische Wurzelkanallängenbestimmung, die Ultraschall- oder Laseranwendung oder das Operationsmikroskop, zahlen die gesetzlichen Krankenkassen nicht. Diese Leistungen werden privat abgerechnet.