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Bei Zahnbehandlungsangst kann Psychotherapie helfen

Um eine Phobie, die krankhafte Angst, vor dem Zahnarztbesuch zu überwinden, ist eine psychotherapeutische Behandlung erfolgversprechend. Dabei ist eine Zusammenarbeit mit Psychologen oder Psychotherapeuten und Zahnärzten notwendig.

Verschiedene Maßnahmen wie z.B. Akupunktur zur Schmerzausschaltung bei Spritzenphobie, Behandlung unter Vollnarkose, Beruhigungsmittel oder Hypnose können die Angst für den Moment ausschalten. Der Nachteil aber ist: Diese Methoden helfen nicht dabei, die Angst zu überwinden. Sie bleibt bestehen.

Die Angst überwinden

Möchten Betroffene ihre Angst langfristig bewältigen, sollten sie sich ihr stellen. Die Psychotherapie bietet verschiedene Möglichkeiten, mit der Angst umzugehen. „Studien zeigen, dass bereits drei Termine einer verhaltenstherapeutischen Maßnahme zum Erfolg führen können“, erläutert Prof. Dr. Hans-Peter Jöhren, Leiter der Zahnklinik Bochum.<ins> </ins>

 „70 Prozent der Zahnbehandlungsphobiker nahmen danach alle notwendigen Behandlungstermine wahr.“ Dieses Ergebnis entspricht dem Therapieerfolg von anderen Phobien wie zum Beispiel der Behandlung von Spinnenphobien.

Verhaltenstherapie häufig erfolgreich

Die Verhaltenstherapie ist die wirksamste und am häufigsten angewandte Form der Behandlung von spezifischen Phobien. Sie kann nicht vom Zahnarzt, sondern nur in enger Zusammenarbeit mit einem speziell geschulten Psychologen oder Psychotherapeuten durchgeführt werden. Um in angstauslösenden Situationen mit ihr umgehen zu können, lernen die Betroffenen, sich ihrer Angst bewusst zu werden und Entspannungstechniken einzusetzen (z.B. Muskelentspannung nach Jakobsen). Schritt für Schritt erlernen sie so Praktiken durch Auseinandersetzung mit den jeweiligen angstauslösenden Situationen.

Schritt für Schritt angstfrei

Praktisch kann dies so aussehen: In einem ausführlichen Gespräch geht der Therapeut den Gründen für die Zahnbehandlungsphobie nach und stellt die Diagnose. In einer zweiten Sitzung bringt er dem Phobiker Entspannungstechniken bei. Dieser erlernt nun, die Techniken in angstauslösenden Situationen anzuwenden. Erst, wenn die Angst in den Simulationen der Zahnbehandlung durch Videos oder Bilder und Geräusche nicht mehr so stark ist, betritt der Angstpatient wieder die Praxis. Möglicherweise setzt er sich erst beim zweiten Besuch auf den Behandlungsstuhl. Ziel des schrittweisen Vorgehens ist es, dass der Zahnarzt eine Untersuchung und dann schließlich eine Behandlung durchführen kann. Ist die Verhaltenstherapie nicht erfolgreich, bietet die Psychotherapie auch tiefenpsychologische Ansätze an.

Welche Kosten übernehmen die Krankenkassen?

Stellt bzw. bestätigt ein Psychotherapeut oder Psychologe/ Verhaltenstherapeut die Diagnose „Zahnbehandlungsphobie“, ist die anstehende Verhaltenstherapie eine von den gesetzlichen Krankenkassen und von den privaten Versicherern übernommene Leistung. Eine durch den Zahnarzt erbrachte Hypnose, die bei einer manifesten Angsterkrankung eingesetzt werden kann, ist jedoch keine Kassenleistung. Eine Behandlung unter Vollnarkose sollte nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Nur bei einer attestierten Phobie übernehmen die Krankenkassen die Behandlungskosten dafür.