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Keramik aus dem Dentallabor: Zwischen Pinsel und Scanner

Keramik aus dem Dentallabor: Zwischen Pinsel und Scanner

Die Universalkeramik für jeden Fall gibt es nicht. Es steht eine Vielzahl keramischer Werkstoffe zur Verfügung. Für den Zahntechniker bedeutet dies: immer mit künstlerischem Auge präzise Handarbeit zu leisten und dabei zunehmend mit hochmodernen Technologien zu arbeiten.

„Gilt es, Zahnersatz in punkto Farbe und Lichtdurchlässigkeit exakt den natürlichen Zähnen anzupassen, ist immer die Handarbeit des Zahntechnikers gefragt“, erklärt Zahntechnikermeister Thomas Lüttke aus Berlin, Vorstandsmitglied im Verband Deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI).

Schicht für Schicht zur perfekten Optik

Wenn das Gerüst eines Zahnersatzes zahnfarben verblendet werden soll, kommen sogenannte Verblendkeramiken zum Einsatz. So passen sich Krone oder Brücke an die verbliebenen Zähne an. Verblendkeramiken besitzen einen hohen Glasanteil. Dieser verleiht der Keramik einen schimmernden Glanz ähnlich dem natürlicher Zähne. Der Zahntechniker trägt zunächst verschiedene dünne Schichten als Haft- und Farbgrundlage auf das aus Metall oder Keramik bestehende Gerüst des Zahnersatzes auf. Anschließend verarbeitet er Schicht für Schicht mehrere Keramikmassen unterschiedlicher Farben. Durch diese Mischung erreicht der Zahntechniker den Farbton der Zähne des Patienten.

Hightech für hochfeste Keramiken

Die Gruppe der hochfesten Keramiken hat im Vergleich zu den Verblendkeramiken einen erhöhten Kristallanteil. Je höher dieser ist, desto stabiler und belastbarer wird die Keramik. Aus hochfesten Keramiken stellt der Zahntechniker komplette Kronen, Brücken oder die Gerüste dafür her.

Um hochfeste Keramiken verarbeiten zu können, haben Fräsmaschinen, Scanner und Konstruktionssoftware Einzug in die zahntechnischen Labore gehalten. Aus dem industriell gefertigten Keramikblock schleift die Fräsmaschine anhand von Computerdaten beispielsweise eine Krone, eine Brücke oder das jeweilige Gerüst. Das Verfahren heißt CAD/CAM („Computer aided Design“ und „Computer aided Manufacturing“). Mit der Software kann die unvermeidliche Schrumpfung der hochfesten Keramiken bei der Herstellung vorausberechnet und durch die CAD/CAM-Fertigung ausgeglichen werden. „Die moderne Software ist eine gute Hilfestellung für den Zahntechniker. Er muss aber dennoch gute Arbeitsgrundlagen und Informationen aus der Zahnarztpraxis sowie eine hohe Expertise besitzen, um der notwendigen Individualität des Zahnersatzes gerecht zu werden“, unterstreicht Lüttke. „Nur aus seiner handwerklichen Erfahrung heraus weiß er, worauf er im Umgang mit der Software achten muss. Denn im Gegensatz zur industriellen Fertigung ist und bleibt jeder Zahnersatz ein Unikat.“