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Kombinationszahnersatz

Zahnersatz sitzt entweder fest im Mund oder kann herausgenommen werden. Doch neben Brücken, Implantaten oder mit Klammern befestigte Prothesen gibt es eine hochwertige weitere Lösung: der Kombinationszahnersatz.

Hier wird ein fest – auf vorhanden Zähnen – verankerter Teil mit herausnehmbarem Zahnersatz kombiniert. Zahnärzte empfehlen Kombinationszahnersatz, wenn größere Lücken im Gebiss vorhanden sind, die mit Hilfe einer Brücke nicht mehr zu schließen sind. Die Patienten können dann zwischen Lösungen wie die Teleskop-Kronen, Geschiebe- oder Stegprothesen wählen.

Teleskop- oder Doppelkronen-Prothese

Bei der Teleskop- oder Doppelkronen-Prothese wird der Zahnersatz an einem oder mehreren Pfeilern befestigt. Der Pfeiler kann ein natürlicher Zahn oder auch ein Implantat sein. Je nach Größe des Zahnersatzes können auch mehrere Pfeiler nötig sein. Die Pfeiler – ob auf einem präparierten Zahn oder einem Implantat befestigt – funktionieren wie die Noppen der Legosteine. Dieser Noppen wird von Fachleuten als Kronenkäppchen oder Innenteleskop bezeichnet. Der Zahntechniker fertigt beim herausnehmbaren Zahnersatz dazu exakte Gegenstücke. Diese Außenteleskope verbinden den Zahnersatz mit dem Kiefer wie bei einem Legostein. Der feste Sitz wird durch die Reibungshaftung – auch Friktion genannt – befördert.

Der Kombinationszahnersatz sitzt nicht nur fest, er sieht auch gut aus. Die abnehmbaren Teile lassen sich zudem gut reinigen und reparieren. Falls nötig kann der Zahnersatz auch erweitert werden. Darunter liegende mögliche Entzündungen können schneller entdeckt und behandelt werden. Diedrichs: „Selbst bei Patienten, die nur noch wenige eigene Zähne besitzen, können diese Verbindungselemente sehr gut eingesetzt werden“.
Derart gefertigter Kombinationszahnersatz kann manchmal etwas dicker als der natürlichen Zahn erscheinen. Einige Patienten stören sich auch daran, dass bei einigen Lösungen der Gaumen teilweise bedeckt ist.

Welches Material wird eingesetzt

Das Innenteleskop wird aus Edelmetall, aus einer edelmetallfreien Legierung oder aus Zirkonkeramik hergestellt. Hier hält ein dünner Speichelfilm die Innen- und Außenkrone zuverlässig zusammen, was auch bei langer Tragedauer keinen Haftverlust zur Folge hat. Aus dem Alltag kennt man das Prinzip, wenn Wasser zwischen zwei ineinander gesteckte Gläser gerät. „Aber nicht alles, was technisch machbar ist, ist in allen Situationen vorteilhaft für den Patienten“ – so die Einschätzung von Uwe Diedrichs. 

Das Geschiebe

Der herausnehmbare Teil des Zahnersatzes kann auch mit einem Geschiebe fest im Mund verankert werden. Man kennt dieses Prinzip im Alltag als Verschluss bei Hosen oder Röcken. Ein Geschiebe besteht aus einer Patrize und einer Matrize. Dabei werden die Matrize an einem Pfeilerzahn und die Patrize an der herausnehmbaren Prothese befestigt. Werden beide Teile ineinander geschoben, sitzt der kombinierte Zahnersatz fest und sichert eine gute Kaufunktion. Auch weil sich der so gefertigte Zahnersatz gut reinigen lässt und lange hält, sind viele Patienten sehr zufrieden. „Werden sichtbare Zähne als Pfeiler genutzt, kann oft ein Zahnersatz mit Geschiebe eine optisch elegantere Lösung als die Teleskop-Prothese sein“, weiß Uwe Diedrichs aus langjähriger Erfahrung als behandelnder Zahnarzt.

Aber: Die Kronen-Geschiebe-Prothese ist oft nur schwer oder gar nicht erweiterbar. Manchmal kann ein kleiner Teil des Gaumens bedeckt sein.

Noch mehr Halt: Stege, Druckknopfanker und Riegel

Zähne sind beim Kauen hohen Zug-, Druck- und Schubkräften ausgesetzt. Auch Zahnersatz muss solche Kräfte aushalten. Besitzen Patienten nur noch wenige eigene Zähne können Stege den Zahnersatz stabilisieren. Die starren Metallstäbe verbinden die Pfeiler miteinander und „verblocken“ diese. Auch Druckknöpfe, Kugelköpfe, Magnete oder Riegel kommen zum Einsatz. Manchmal werden zusätzlich federnde Elemente eingearbeitet, damit die Pfeilerzähne beim Einsetzen und Herausnehmen des Zahnersatzes nicht belastet werden.

Präzision von Zahnarzt und Zahntechniker ist gefragt

Zahnarzt und Zahntechniker müssen sehr präzise arbeiten, um die Elemente anzupassen, die beide Teile des Kombinationszahnersatzes miteinander verbinden. Das bedeutet: Der Aufwand ist in der Regel größer und zeitintensiver ist als zum Beispiel eine Brücke herzustellen und einzusetzen.

Für die Patienten bedeutet das:

  • Die vorhandenen Zähne werden präpariert und präzise abgeformt.
  • Der Zahnarzt führt funktionsanalytische Messungen durch, die dem Zahntechniker präzise Werte über den Kiefer und das Gebiss liefern, so dass der Zahnersatz funktionsoptimiert hergestellt wird.
  • Außerdem wird die genaue Zahnfarbe des Patienten bestimmt, damit der fertige Zahnersatz auch farblich zu den vorhandenen Zähnen passt.
  • Die im zahntechnischen Labor angefertigten Gerüste werden in der Zahnarztpraxis anprobiert. Dort erfolgt die Überabformung über Gerüst und festsitzendem Zahnersatz.
  • Hat der Zahntechniker den Kombinationszahnersatz im zahntechnischen Labor fertig gestellt, kann der Zahnarzt die Arbeit in den Mund des Patienten eingliedern.

Der fertige Kombinationszahnersatz kann eventuell eine Zeitlang „ausprobiert“ werden. In der Zeit wird er kontrolliert und möglicherweise weiter angepasst, bevor die Kronen oder Teleskope fest verankert werden und die Teilprothese endgültig eingebracht wird.

Wichtig ist außerdem, dass Patienten zunächst unter Anleitung des Zahnarztes lernen, den Zahnersatz selbständig zu lösen. Denn: Zu fest sitzen darf er nämlich nicht. Auch die Nachsorge ist ein wichtiges Thema: Der eingegliederte Kombinationszahnersatz und das angrenzende Gewebe sollten regelmäßig kontrolliert werden.