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Knochenaufbau macht Implantate möglich

Wenn es um den Ersatz von einzelnen oder mehreren Zähnen geht, sind heute in vielen Fällen Implantate eine sehr gute Lösung. Die künstlichen Zahnwurzeln dienen als Anker für Kronen, Brücken und Prothesen. Eine Voraussetzung für das erfolgreiche Einsetzen eines Implantats ist jedoch ein gesunder und starker Kieferknochen. Patienten, die über Jahrzehnte hinweg klassische Brücken und Prothesen getragen haben, verfügen meist über zu wenig Knochen rund um das Implantat. Hier kann die moderne Implantologie mit einem Kieferknochenaufbau Abhilfe schaffen.

Entscheidend für den Erfolg eines Zahnimplantats ist ein bestimmtes Knochenvolumen. Je mehr Knochen vorhanden und je dichter ein Kieferknochen ist, umso besser. Ein Implantat sollte mindestens von 1 mm, besser von 2 mm Knochensubstanz umgeben sein. Auch in der Höhe muss genügend Knochensubstanz vorhanden sein, sodass eine ausreichende Implantatlänge möglich ist. Neun bis zehn Millimeter sollten hierbei nur in Ausnahmefällen unterschritten werden.

Kieferknochen einfach verstärken

Mangelt es an genügend Knochensubstanz „augmentieren“ die Spezialisten in leichteren Fällen. „Der Arzt entnimmt zum Beispiel in einem ambulanten Eingriff am Kinn oder im Mund im Bereich des hinteren Ober- und Unterkiefers Knochensplitter und fügt sie dort ein, wo das Implantat gesetzt werden soll“, erklärt Dr. Silke Liebrecht, Oberärztin im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Köln und ProDente-Expertin. Der Zweiteingriff am Kinn oder im Kiefer ist in der Regel gefahrlos. Es kann in Einzelfällen aber durchaus zu postoperativen Schmerzen und Schwellungen kommen.

Werden nur geringe Mengen Knochensplitter benötigt, können diese während der Implantation gewonnen werden, indem Knochenspäne beim Bohrvorgang mit speziellen Filtern aufgefangen werden. Eine weitere Möglichkeit bietet künstlicher Knochenersatz. Er wird meist aus Beta-Tricalciumphosphat oder aus Meeresalgen im Labor synthetisch hergestellt. „Leider ist der künstliche Knochenersatz nicht ausreichend – es muss 50 Prozent Eigenknochen dazugemischt werden“, so Dr. Liebrecht.

Der „Sinuslift“ für die komplizierten Fälle

In komplizierten Fällen wenden Implantologen den sogenannten „Sinuslift“, eine Operation im Oberkiefer, an. Bei den betroffenen Patienten ist die Knochensubstanz im Oberkiefer so gering, dass ein Implantat keinen stabilen Halt hat. Beim Sinuslift verstärkt der Implantologe die entsprechende Stelle mit Knochenmaterial, indem der Boden der Kiefernhöhle angehoben wird. Je nach Fall erfolgt die Implantation gleichzeitig mit dem Knochenaufbau oder erst nachdem der eingelagerte Knochen sicher eingeheilt ist. Je nach Ausmaß des Eingriffes muss man in diesen Fällen zwischen drei und neun Monaten warten, da der menschliche Knochen langsam wächst.

Modernste Zahnmedizin züchtet Knochen

Seit zwei Jahren werden bei Sinuslift-Operationen zunehmend gezüchtete Kieferknochentransplantate eingesetzt. Dr. Liebrecht: „Dafür wird dem Patienten ein ca. ein Zentimeter großes Stück Knochenhaut des Kiefers entnommen. Anschließend werden daraus unter sterilen Laborbedingungen autologe Kambiumzellen isoliert.“ Diese haben die Fähigkeit, Knochengewebe zu produzieren. Die isolierten Zellen werden vermehrt und bilden schließlich Knochenchips von einem Zentimeter Durchmesser und drei Millimetern Dicke. Je größer der Defekt im Kiefer, umso mehr gezüchtete Knochenchips kommen zum Einsatz. „Bislang sind nach der Transplantation von gezüchteten Kieferknochen keine Abstoßungsreaktionen aufgetreten“, berichtet Dr. Liebrecht. In der Regel verwächst das Transplantat in drei bis vier Monaten mit dem Knochen.