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Interview „Mit Sorgfalt zum Erfolg“

Mit Zahnimplantaten erhalten viele Menschen ihr Lächeln zurück, können wieder fest zubeißen und gut kauen. Wichtig dabei ist eine gründliche Vorbereitung, weiß Dr. Silke Liebrecht, Oberärztin im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Köln. Im Interview mit proDente schildert sie ihre Erfahrungen mit dem Einsatz moderner Zahnimplantate.

Für welche Patienten ist die Zahnimplantation das geeignete Verfahren?

Grundsätzlich kann jeder fehlende Zahn durch ein Implantat ersetzt werden. Diese künstliche Zahnwurzel empfiehlt sich besonders, wenn die Nachbarzähne noch völlig gesund sind und man so deren Abschleifen vermeiden kann. Implantate sind auch sehr hilfreich bei großen Lücken, die mit einer Brücke nur schwer geschlossen werden können. Auch bei einem Gebiss mit lückig stehenden Frontzähnen sieht ein einzelner implantierter Zahn ästhetisch besser aus als eine Brücke aus fest verbundenen Zähnen. Und wer gar keine Zähne hat, dem können Implantate als eine feste Verankerung der Prothese oder einer umfangreichen Brücke dienen.

In welchen Fällen raten Sie Patienten zu einem alternativen Zahnersatz?

Grundsätzlich sprechen Krankheiten wie Blutgerinnungs-, Stoffwechsel- und Knochenerkrankungen sowie die Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken, gegen ein Implantat. Darüber hinaus achte ich darauf, dass die Mundhygiene stimmt.

Wer darauf nicht viel Mühe verwenden will, dem rate ich ab. Ich bin auch vorsichtig, wenn die Patienten rauchen. Besonders während der Einheilung der künstlichen Zahnwurzel, aber auch später erhöht Rauchen die Gefahr des frühzeitigen Implantatverlustes erheblich.

Können Sie den Ablauf einer Behandlung exemplarisch schildern?

Zuerst befrage ich den Patienten über den Zahnverlust und seine Wünsche bezüglich des Ersatzes: Will er einen festsitzenden Zahnersatz oder etwas Herausnehmbares? Dabei sprechen wir auch über Vorerkrankungen und die Einnahme von Medikamenten. Dann untersuche ich den Patienten, mache eine Röntgenaufnahme und Abformungen der Kiefer. Auf den entsprechenden Gipsmodellen und mithilfe der Röntgenbilder kann ich jetzt den späteren Zahnersatz planen.

Bei Bedarf wird nun zunächst eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt und erkrankte Zähne und Zahnfleisch werden behandelt. Sollte im  Implantationsgebiet zu wenig Knochen vorhanden sein, muss der vor der Implantation noch aufgebaut werden. Erst nach diesen „Vorarbeiten“ setze ich die künstliche Zahnwurzel ein. Ihre Position wird durch die Planungsschablone vorgegeben. Die Einheilung dauert dann zwischen drei und acht Monaten und wird regelmäßig kontrolliert. In dieser Zeit darf die Stelle natürlich nicht belastet werden.

Abschließend kann ich dann den Implantatspfosten und die darauf angefertigte Krone einsetzen. Insgesamt dauert es also eine ganze Weile, bis der Patient endlich seine Zähne hat. Aber es lohnt sich!

Wie müssen implantierte Zähne gepflegt werden?

Sehr, sehr gründlich. Denn eine Entzündung führt immer zum Abbau des Knochens – und dann kann die künstliche Zahnwurzel nicht mehr halten und muss herausgenommen werden.

Leider zieht Titan, das meistgenutzte Material für Implantate, Zahnbelag besonders an. Deshalb ist eine sorgfältige Reinigung so wichtig. Dabei sollten die Patienten neben der Zahnbürste auch spezielle Reinigungsmittel wie zum Beispiel Zahnzwischenraumbürsten verwenden.

Welche Lebensdauer haben Implantate?

Bei guter Pflege halten sie sehr lange. Als Faustregel sagt man, dass nach zehn bis fünfzehn Jahren noch bis zu 90 Prozent der Implantate fest im Kiefer sitzen.

Welche Weiterentwicklungen sind in den kommenden Jahren in der Implantationsmedizin zu erwarten?
Immer häufiger werden Verfahren angewendet, bei denen die spätere Zahnkrone direkt bei der Implantation eingesetzt wird. Dann haben die Patienten gleich ein vollständiges Gebiss. Allerdings ist dadurch das Risiko höher, dass das Implantat nicht anwächst. Große Fortschritte werden auch beim Knochenaufbau gemacht. Verschiedene Materialien und Verfahren beschleunigen zum Beispiel das Wachstum. Hier wird es sicher noch einige Neuerungen geben, mit denen die Patienten in Zukunft noch besser versorgt werden können.