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Kurioses im Mund

In der Regel brechen nach 6 bis 8 Monaten die unteren Scheidezähne durch.

Nachdem die Milchzähne ausgefallen sind, brechen normalerweise die bleibenden Zähne durch. Leider ist dieser Ablauf nicht immer gegeben. Manche Milchzähne wollen nicht ausfallen. Manche bleibenden Zähne sind gar nicht vorhanden, haben schon beim Durchbruch Defekte oder eine ungewöhnliche Form. Zapfenzahn, Zwillingszahn, Hyperdontie? Was steckt hinter diesen Bezeichnungen?

Ungewöhnliche Zahnformen, doppelte oder fehlende Zahnanlagen oder angeborene Strukturdefizite treten oft beim Zahnwechsel zutage. Die moderne Zahnmedizin bietet Behandlungsmöglichkeiten auch bei ungewöhnlichen Fällen.

Einer fehlt

Wenn bestimmte Milchzähne lange nicht ausfallen wollen, ja noch nicht einmal lockerer werden, kann das daran liegen, dass der entsprechende bleibende Zahn gar nicht existiert. Überdurchschnittlich häufig betrifft dieses Phänomen die seitlichen oberen Schneidezähne und die hinteren der beiden kleinen Backenzähne (Prämolaren) im Unterkiefer. Diese isolierten Nichtanlagen treten zu ein bis fünf Prozent auf. Im Unterkiefer verbleibt oft einfach der Milchbackenzahn in der Mundhöhle und kann über Jahrzehnte seinen Dienst tun, solange er keine Karies bekommt oder locker wird. Falls der Milchzahn tiefer als die übrige Kauebene steht, kann er mit einer Teilkrone wieder auf die richtige Höhe gebracht werden.

Sind die bleibenden seitlichen Schneidezähne nicht angelegt, halten die entsprechenden Milchzähne oft nicht so lange durch. Bei den Betroffenen klaffen dann zwischen den mittleren Schneide- und den Eckzähnen Lücken. Oft wandern die Eckzähne etwas in Richtung Mitte, ein lückenhaftes Lächeln entsteht. Durch eine kieferorthopädische Therapie besteht abhängig von der individuellen Zahnstellungs- und Bisslagesituation die Möglichkeit, die Lücken aktiv zu schließen oder sie für eine spätere implantologische Versorgung im Erwachsenenalter offen zu halten. So lange trägt der Jugendliche herausnehmbare Provisorien oder solche, die an den Nachbarzähnen mittels substanzschonender Klebung befestigt werden.

Einer ist zu viel

Der umgekehrte Fall ist ebenfalls möglich: Ein bestimmter bleibender Zahn ist doppelt vorhanden. Kann sich dieser überzählige Zahn gut in die Zahnreihe einstellen, spricht nichts dagegen, ihn zu belassen. Häufig entstehen allerdings unschöne Verschiebungen, die den Zusammenbiss beeinträchtigen. In diesem Fall entfernt der Zahnarzt in der Regel den doppelt angelegten Zahn, eventuell muss der Zahnbogen im Anschluss vom Kieferorthopäden ausgerichtet werden. Sind Weisheitszähne doppelt angelegt, haben Betroffene besonderes Pech. Die als dritte Molaren bezeichneten Weisheitszähne passen häufig schon nicht in die Zahnreihe, ein vierter Molar muss daher eigentlich immer entfernt werden.

Ungewöhnliche Zahnformen

Ungewöhnliche Zahnformen treten zwar selten auf, kommen aber immer wieder vor. Der sogenannte Zapfenzahn sieht – wie der Name schon sagt – wie ein Zapfen aus. Diese verkümmerte Zahnform kommt bei oberen seitlichen Schneidezähnen vor, oft in Kombination mit Nichtanlagen. Dabei kann der eine seitliche Schneidezahn vollständig fehlen, der andere eine Zapfenform aufweisen. Die Gründe für diese ungewöhnliche Zahnform sind genetisch bedingt. Zahnmediziner können Patienten auch in solchen Fällen zu einem ästhetischen Lächeln verhelfen. Ein solcher Zahn kann zum Beispiel mittels Komposit zu einem „normalen“ Schneidezahn mit Schneidekante verbreitert werden. Ebenso kommen Veneers (dünne Keramikschalen) in Betracht. Die Nachteile solcher Zapfenzähne, gerade in Kombination mit Nichtanlagen, sind nicht nur ästhetischer Natur. Kommt es zu einseitigen Verschiebungen, sind die Gleitbewegungen des Unterkiefers zum Oberkiefer nicht mehr richtig gegeben und es kann zu Kiefergelenksproblemen und Verspannungen der Kaumuskulatur kommen.

Bei einem Zwillingszahn ist ein bestimmter bleibender Zahn doppelt angelegt und beide Zahnanlagen sind in ihrer Entwicklung ganz oder teilweise miteinander verschmolzen. Ein solcher Zahn bricht als ein besonders breiter Zahn durch, sofern die Vereinigung im Bereich der Zahnkrone stattgefunden hat.

Der sogenannte Dens invaginatus (Zahn im Zahn) kommt bei oberen seitlichen Schneidezähnen vor. Bei diesen Zähnen ist der Schmelz weit in eine Vertiefung auf der Gaumenseite des Zahnes eingestülpt. Je nach Ausprägung der Einstülpung kann über eine Versiegelung dieses Bereiches mit einem dünnfließenden Komposit verhindert werden, dass Bakterien in die Vertiefung eindringen.