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Der Elefant im Zahnlabor

Da sitzen sie: acht junge Erwachsene. Vor ihnen ein Knubbel Knetmasse. Die Aufgabe: einen Elefant gestalten. „Ist ein bisschen, wie in der Waldorfschule“, grummelt Saskia. Die Abiturientin nimmt an einem Eignungstest in einem großen Zahntechniklabor teil. Sie will Zahntechnikerin werden.

Was zunächst ein wenig wie eine Bastelstunde anmutet, macht durchaus Sinn. Der Beruf der Zahntechnikerin oder des Zahntechnikers erfordert sehr spezifische Voraussetzungen, die bei Jugendlichen teilweise ein wenig „aus der Mode“ gekommen sind: handwerkliches Geschick, Geduld, Ausdauer. Das Modellieren eines Elefanten verrät aber auch, ob Saskia ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen hat. Das ist ebenfalls erforderlich, um später einmal Zahnformen und Zahnstellungen korrekt nachbilden zu können.

Anspruchsvoller Weg

Der Weg zum Hochpräzisionshandwerker ist anspruchsvoll: Neben Talent macht Übung den Gesellen. Präzises Fräsen, sauberes Schleifen, gekonntes Modellieren gehören ebenso zu den Aufgaben wie die Anwendung unterschiedlichster technischer Verfahren. Kenntnisse in Anatomie und Werkstoffkunde sind gefragt. Zudem lernen die Auszubildenden viel über physikalische und chemische Prozesse und schulen ihr Auge für die Abstufung feiner Farbnuancen, sollen doch die falschen Zähne später exakt zu den echten passen. Das Zahntechniker-Handwerk ist ein vielseitiger Beruf. Er erfordert selbstständiges, gut geplantes Arbeiten.

Mindestens drei Jahre

Die duale Ausbildung bieten in Deutschland rund 8.000 Fachbetriebe an: In den Dentallabors, Zahnkliniken oder Betrieben der zahntechnischen Industrie sind rund 64.500 Menschen beschäftigt. Die Berufsschulbank müssen die Auszubildenden mindestens drei, in der Regel 3,5 Jahre lang drücken. Die Abschlussprüfung zieht sich über eine Arbeitswoche hin: Im praktischen Teil müssen die angehenden Zahntechnikerinnen und Zahntechniker Prüfungsstücke – Prothesen, Kronen, Brücken – fertigen. Die theoretische Prüfung setzt Schwerpunkte auf Technologie, Fertigungsplanung und -kontrolle sowie wirtschaftliche Kenntnisse. Die Lehrjahre in der Zahntechnik werden durchschnittlich mit 350 Euro im ersten Lehrjahr bis zu 500 Euro im vierten Lehrjahr vergütet. Ebenso wie die Einstiegsgehälter (zwischen 1.300 und 1.700 Euro brutto) differiert dies von Betrieb zu Betrieb, da es für das Zahntechniker-Handwerk keinen Tarifvertrag gibt.

Aufstieg möglich

Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung zur Zahntechnikerin oder zum Zahntechniker eröffnen sich den Absolventen verschiedene Aufstiegschancen: Wer die Selbstständigkeit mit einem eigenen Zahnlabor oder eine Führungsposition in einem größeren Betrieb anstrebt, kann einen Meisterkurs bei einer Handwerkskammer oder einer anderen anerkannten Bildungsorganisation absolvieren. Die einjährige Vollzeitausbildung oder der zweijährige Teilzeitkursus ist allerdings nicht billig: Rund 10.000 Euro kosten die Lehrgangsgebühren inklusive Skripten und Grundmaterialien. Hier kann ein Meister-Bafög die finanzielle Belastung abfedern.

Betriebswirtschaft

Beliebt sind auch Fortbildungen zum Fach- oder Betriebswirt (HWK). Diese Zusatzqualifikation schlägt die Brücke zwischen den technischem Abläufen des Handwerksberufs und dem kaufmännischen Management eines Zahntechnikbetriebs. Gerade in größeren Betrieben sind Spezialisten mit betriebswirtschaftlichen Zusatzkenntnissen gefragt. Immer größere Bedeutung gewinnen außerdem CAD/CAM-Kenntnisse in der Zahntechnik. Wer auch am Computer Zahnersatz designen und Herstellungsprozesse programmieren kann, der ist für die Zukunft gerüstet.

Studium nicht ausgeschlossen

Nicht zuletzt ist die Ausbildung zur Zahntechnikerin oder zum Zahntechniker auch eine sehr gute Voraussetzung für das Studium der Zahnmedizin. Einige Fertigkeiten und Techniken, die eine solche Ausbildung vermittelt, sind auch Bestandteil des Studiums.

Außerdem ist es möglich, ein Studium der Dentaltechnologie an der Hochschule Osnabrück anzuschließen. Das Ziel des Masterstudienganges "Angewandte Werkstoffwissenschaften", Fachrichtung Dentaltechnologie ist es, Werkstoff-Expertinnen und -Experten auszubilden. Dabei enthalten sind die wesentlichen Bestandteile des Ingenieursstudiums sowie praktische Inhalte für die Zahntechnik, beispielsweise über IT-gesteuerte Herstellung von Zahntechnik (CAD/CAM). Der Abschluss des Masters berechtigt zur Promotion, welche die höchste Abschlussstufe in der Zahntechnik darstellt. Zudem haben die Absolventen das Recht, sich im Zahntechniker-Handwerk selbstständig zu machen.