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Interview "Professionelle Zahnreinigung"

Professor Dr. Thomas Attin, Direktor der Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Zürich, berichtet im Interview mit proDente über versteckte Beläge und die professionelle Zahnreinigung als wichtiger Teil der Vorsorge.

Warum sind einige Beläge auf den Zähnen nicht sichtbar?

Beläge in Form von farbigen Zahnauflagerungen, die z.B. bei häufigem Konsum von Tabak, Tee, Kaffee oder Rotwein entstehen, werden vom Patienten meist selbst wahrgenommen. Bakterielle Beläge sind jedoch erst ab einer bestimmten Dicke mit bloßem Auge sichtbar. Ist diese Schicht noch sehr dünn, helfen Anfärbelösungen, sogenannte Revelatoren, den Belag sichtbar zu machen. Die bakteriellen Zahnbeläge können aber auch auf den Wurzeloberflächen vorliegen, wenn infolge einer Zahnfleischerkrankung (Gingivitis oder Parodontitis) ein Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch entstanden ist. Diese Beläge kann der Patient nicht erkennen.

Bakterien sammeln sich gerne in Schlupfwinkeln. Wo befinden sich solche Stellen in meinem Mund?

Es gibt typische schwer zugängliche Stellen für bakterielle Zahnbeläge, die bei jedem Patienten vorliegen. Dazu zählen die Grübchen auf den Kauflächen der Zähne (Fissuren), der Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch (Zahnhals) sowie die Zahnzwischenräume. Darüber hinaus finden sich oftmals Schlupfwinkel für Bakterien an den Rändern von Füllungen und künstlichen Kronen, unter Brückenzwischengliedern oder an festsitzenden kieferorthopädischen Apparaturen wie Zahnspangen. Zudem bieten vorhandene Zahnfleischtaschen Nischen, die von Bakterien leicht besiedelt werden können. Insbesondere die Gabelung der Wurzeln der Seitenzähne stellt dann einen Schlupfwinkel dar, der vom Patienten oftmals nur schwierig zu reinigen ist.

Wie schnell siedeln sich Bakterien im Mund an?

Unmittelbar nach der Reinigung der Zahnoberflächen kommt es zur Wiederbesiedelung mit Bakterien. Zunächst lagert sich ein dünner, fest haftender Speichelfilm auf der Zahnoberfläche ab. Hier können sich die Bakterien aus dem Speichel über bestimmte Bindungsstellen ansiedeln. Von dem Moment an kommt es zu einem kontinuierlichen Wachstum des Bakterienrasens. Bisher ist jedoch nicht genau geklärt, ab welcher Dicke dieser Bakterienfilm im Hinblick auf eine Kariesentstehung kritisch ist. Je nach Patient kann die Zusammensetzung des bakteriellen Belags sehr unterschiedlich sein, sodass im Einzelfall schon geringe Bakterienansammlungen Probleme bereiten können. Dies gilt besonders für bestimmte Formen von Zahnfleischerkrankungen, bei denen Stoffwechselprodukte bestimmter Bakterien oftmals eine Entzündung auslösen.

Wann wird ein Ultraschallgerät eingesetzt und wann kommt ein Pulverstrahlgerät (Air Flow) zum Einsatz?

Mit einem Ultraschallgerät können Zahnstein und Bakterienbelag entfernt werden. Um einer Hitzeentwicklung an der Zahnoberfläche entgegenzuwirken, ist dabei immer eine ausreichende Kühlung mit einer Flüssigkeit erforderlich. Bestimmte Ultraschallgeräte erlauben auch den Einsatz unterhalb des Zahnfleisches zur Reinigung der Wurzeloberflächen. Pulverstrahlgeräte können zur Entfernung von schwer zu beseitigenden farbigen Zahnauflagerungen (Tee, Kaffee, Nikotin usw.) verwendet werden. Diese Beläge lassen sich aber auch mit einer rotierenden Bürste oder einem Gummikelch unter Zuhilfenahme von speziellen Pasten beseitigen. Aufgrund der Härte der Pulverstrahlpartikel sollten die üblichen Pulver (Natrium-Bikarbonat) nicht direkt auf das Zahnfleisch auftreffen, da es sonst zu Verletzungen kommen kann. Auch kann der unsachgemäße Gebrauch dieser Geräte zu einem Abtrag von Zahnhartsubstanz führen. Spezielle Pulver aus weichen Glyzinpartikeln erlauben die Anwendung unterhalb des Zahnfleisches zur Entfernung des weichen Bakterienbelags (Plaque) auf den Wurzeloberflächen.

Welche Pasten werden bei einer professionellen Zahnreinigung verwendet und zu welchem Zweck?

Prophylaxepasten werden eingesetzt, um nach den ersten Schritten einer Zahnreinigung die verbliebenen Zahnbeläge zu entfernen, eventuell vorhandene Verfärbungen der Zähne zu beseitigen und die bearbeiteten Oberflächen abschließend zu polieren. Eine optimale Prophylaxepaste sollte daher eine hohe Reinigungs- und Polierwirkung bei einer möglichst geringen Abrasivität haben. Abravisität bezeichnet hierbei die abtragende Wirkung der Putzkörper. Die Schleifwirkung der zur Entfernung von Verfärbungen eingesetzten Pasten ist meist deutlich höher als die von herkömmlichen Zahnpasten. Daher sollten diese Pasten nur gezielt bei vorliegenden Verfärbungen zum Einsatz kommen, um das Risiko eines übermäßigen Abtrags an den Zahnoberflächen zu minimieren.

Was macht der Fluoridlack?

Maßnahmen zur Fluoridierung verfolgen in erster Linie zwei Ziele: Sie fördern das Einlagern von Mineralien (Kalzium und Phosphat) aus dem Speichel in die durch Karies oder Säureeinwirkung angegriffene Zahnoberfläche. Darüber hinaus erhöhen sie die Säureresistenz der Zähne durch den Einbau von Fluorid in das Zahnmineral und die Ausbildung einer Kalzium-Fluorid-Deckschicht auf den Zahnoberflächen. Aus dieser Deckschicht wird über einen längeren Zeitraum Fluorid zur Verfügung gestellt, das einen sofortigen Wiedereinbau von Zahnmineral bei einem Säureangriff unterstützt. Fluoridlacke weisen dafür eine bis zu 50-fach höhere Fluoridkonzentration als Zahnpasten auf.

Wer führt die PZR durch?

In Deutschland dürfen folgende Berufsgruppen PZRs durchführen: Zahnärzte und Zahnärztinnen, Dentalhygieniker/-innen (DH), Zahnnmedizinische Prophylaxeassistent(inn)en (ZMP) oder Zahnmedizinische Fachassistent(inn)en (ZMF).

Gibt es dafür eine entsprechende Ausbildung?

Für diese Berufsgruppen gibt es entsprechende Fortbildungsordnungen. So kann eine Zahnmedizinische Fachangestellte (frühere Bezeichnung: Zahnarzthelferin) nach Erfüllung bestimmter Voraussetzungen die Ausbildung zur ZMF oder ZMP absolvieren. Darauf aufbauend ist die Fortbildung zur Dentalhygienikerin möglich.

Was kostet eine PZR und wie erklären sich die Preisunterschiede?

Die Kosten für den Patienten liegen zwischen 50 und 150 €. Diese Preisspanne lässt sich mit einem unterschiedlichen Aufwand bei der Behandlung begründen. So ist z.B. in einem intakten Gebiss von einem höheren Aufwand auszugehen als bei einem Gebiss, das durch einen herausnehmbaren Zahnersatz ergänzt wurde. Eine Preisdifferenzierung hängt darüber hinaus auch vom Schweregrad der vorliegenden Erkrankung und dem damit verbundenen höheren zeitlichen Aufwand der professionellen Zahnreinigung ab.

Wie häufig sollte ich eine PZR durchführen lassen?

Studien haben eindrucksvoll belegt, dass regelmäßig durchgeführte PZRs das Risiko erheblich reduzieren, an Karies oder einer Parodontitis zu erkranken. Daher sollten auch gesunde Patienten oder Patienten mit einem niedrigen Risiko für Karies- oder Parodontalerkrankungen 1–2-mal pro Jahr eine PZR durchführen lassen. Für Patienten mit einem hohen Erkrankungsrisiko oder bei Vorliegen tiefer, schwer zu reinigender Zahnfleischtaschen kann eine PZR durchaus bis zu 4- oder 6-mal pro Jahr sinnvoll sein. Professionelle Zahnreinigungen sind auch Bestandteil einer Einstiegstherapie bei der Behandlung einer Parodontalerkankung, an die sich weiterführende Behandlungsmaßnahmen anschließen können. Nach erfolgreicher Parodontalbehandlung ist die PZR ein wesentliches Element der unterstützenden Nachsorge. Auch ist eine PZR am Anfang einer zahnärztlichen Untersuchung bzw. Behandlung empfehlenswert, um eine optimale Diagnostik und Therapie zu ermöglichen.