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Interview „Ausgeschlagene Zähne sind keine Seltenheit"

Viele Spitzensportler tragen heutzutage einen Mundschutz  – so auch beim Eishockey. Wie Schuhe oder Schläger gehört er ganz selbstverständlich zur Sportausrüstung dazu. Die Initiative proDente sprach mit Dr. Alexander Langenbach über seine Erfahrungen mit dem Sportmundschutz. Zusammen mit seinem Vater Dr. Klaus Langenbach war er offizieller Zahnarzt der kürzlich in Köln ausgetragenen Eishockey-Weltmeisterschaft. Seit einigen Jahren sorgen sie in ihrer Zahnarztpraxis (www.praxis-langenbach.de) für die zahnmedizinische Betreuung der Kölner Haie.

Welche Verletzungen an Zähnen und Mund sehen Sie beim Eishockey am häufigsten?

Dr. Alexander Langenbach: Am häufigsten kommt es zu abgebrochenen oder komplett ausgeschlagenen Frontzähnen im Ober- oder Unterkiefer. Zahnmediziner sprechen von einem Frontzahntrauma. Die Schneidezähne sind deutlich häufiger betroffen als die Eckzähne. Zudem sehen wir häufig Zahnstauchungen. Die Zähne sind verschoben oder nach innen gestoßen. Wenn die Zähne noch intakt sind, können wir sie in ihre ursprüngliche Position zurück bringen. Auch Brüche von Kiefer und Alveolarknochen sind keine Seltenheit.

Was zeigt Ihre Erfahrung: Kann ein Sportmundschutz diesen Verletzungen vorbeugen?

Dr. Alexander Langenbach: Diese Frage ist zu hundert Prozent mit Ja zu beantworten. Ein Mundschutz hilft immer. Der Mundschutz verhindert zwar nicht, dass möglicherweise danach trotzdem behandelt werden muss. Aber das Trauma ist um ein erhebliches Maß reduziert. Durch den Mundschutz können wir den beschädigten Zahn meistens mit geringerem Aufwand retten. Unter anderem schützt der Mundschutz auch vor Gehirnerschütterungen und  Zungenverletzungen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zahnverletzung ist ohne Mundschutz sechzig Mal höher als mit Mundschutz. Auch im Training sollte er getragen werden. Hier entstehen mehr als ein Viertel der Sportunfälle.

Tragen alle Spieler Mundschutz?

Dr. Alexander Langenbach: Leider Nein. Es ist den Spielern in den Profiligen selber überlassen. Im Jugendbereich besteht ein Gitterschutz vor dem Gesicht. So sind die Zähne auch geschützt. Aber im Profibereich geht es härter zu. Eishockey ist ein extrem harter Sport, in dem auch körperliche Härte und häufiger Kollisionskontakt zu Tage kommt. Eine Zahnlücke der Spieler strahlt auch „Kampf, Stärke und Härte“ aus. Grundsätzlich schätze ich, dass fünfzig Prozent der Spieler in den Profiligen einen Mundschutz tragen.

Würden Sie auch Freizeitsportlern einen Mundschutz empfehlen?

Dr. Alexander Langenbach: Definitiv. In jeder Sportart mit der Gefahr von Zahntraumen sollten Sportler einen Mundschutz tragen. Der Mundschutz kann in unterschiedlichen Dicken, abhängig zum jeweiligen Sport hergestellt werden. Heutzutage tragen sogar Fußballer zum Teil dünne Schienen. Denn auch beim Kopfball kann man mal zusammenstoßen. Ich selber spiele Feldhockey im Rot Weiß Köln und trage auch einen.

Worauf sollten bei der Wahl des Mundschutzes geachtet werden?

Dr. Alexander Langenbach: Es sollte ein individuell vom Zahnarzt bzw. Zahntechniker hergestellter Sportmundschutz sein. Denn der individuelle Sportmundschutz passt exakt auf die Zahnreihen und schützt somit nicht nur die Zähne, sondern auch Zahnfleisch, Zunge und Kieferknochen. Der individuelle Sportmundschutz bewegt sich zudem nicht und erlaubt somit besseres Atmen und Sprechen während des Tragens. Man kann den Sportmundschutz in den gewünschten Farben herstellen und auch den Namen einarbeiten.

Herr Dr. Langenbach, wir danken Ihnen für das Gespräch!