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Siegel für Zahnfissuren

Die Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (November 2006) gibt Anlass zur Freude: In den vergangenen zehn Jahren ist ein deutlicher Rückgang der Karies um fast 60 % von 1,7 betroffenen Zähnen auf 0,7 bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Einer der wesentlichen Gründe für die positive Entwicklung sind regelmäßige Kontrollbesuche beim Zahnarzt und die Zunahme der vorsorglichen Versiegelung der Kauflächen von Backenzähnen.

Selbst wenn die Kinder gründlich putzen – und das ist bekanntlich nicht selbstverständlich –, haben sie kaum eine Chance, die tiefen Einbuchtungen (Fissuren) in den hinteren Mahlzähnen (Molaren) wirklich sauber zu bürsten. Denn die Fissuren sind viel zu fein. Schlechte Ernährungsgewohnheiten wie zu viel zucker- und säurehaltige Lebensmittel sind ebenfalls ein Risiko. „Deshalb tritt die Karies noch immer gehäuft an den Fissuren und Grübchen der bleibenden Backenzähne auf“, so Dr. Dietmar Oesterreich, ProDente-Experte und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer. Eine gute Lösung dieses Problems ist die Fissurenversiegelung. Hierbei werden durch den Auftrag eines Kunststoffmaterials die Eintrittspforten für die Karies an den Kauflächen der Zähne verschlossen.

Schnell und schmerzfrei

Der Versiegelungsprozess umfasst mehrere Schritte: Zunächst reinigt der Zahnarzt oder die Prophylaxeassistentin den Zahn mit einem Bürstchen oder Pulverstrahlgerät, denn nur auf einer wirklich sauberen Oberfläche hält die Versiegelung gut. Es folgt das sogenannte Anätzen. Hierbei wird der Zahnschmelz in und um die Fissur mit Phosphorsäure aufgeraut, damit die Versiegelung genügend Halt bekommt. Die Säure muss sechzig Sekunden wirken. Anschließend wird das Ätzgel mit einem Wasserspray entfernt und die Oberfläche getrocknet, bevor der Zahnarzt den Versiegelungskunststoff aufträgt. Mit einem Speziallicht härtet er die Versiegelung – dieser Prozess dauert zwischen 20 und 40 Sekunden. Anschließend wird überprüft, ob die Kauflächen gut ineinandergreifen. Nach Politur der Versieglung ist der letzte Schritt schließlich das Auftragen von Fluorid, um den Schmelz noch einmal zu härten. „Die gesamte Behandlung dauert in der Regel nur wenige Minuten“, so Dr. Oesterreich. Es liegt in der Beurteilung des Zahnarztes, wann bei einem Kind der beste Zeitpunkt für die Versiegelung ist, und auch, ob er nur gefährdete Zähne mit besonders tiefen Fissuren behandelt oder alle Backenzähne.

Bei manchen Kindern weisen Verfärbungen in den Fissuren bereits vor der Versiegelung auf beginnende Karies hin. In diesem Fall kann der Zahnarzt die Karies ganz fein herauspräparieren und eine minimal invasive Füllung bei gleichzeitiger Versiegelung der nicht kariösen Fissurenbereiche vornehmen. Diese sogenannte erweiterte Fissurenversiegelung ist etwas aufwendiger. Ist die Karies bereits durch den Zahnschmelz bis hin zum Zahnbein (Dentin) vorgedrungen, reicht eine Versiegelung nicht mehr aus – eine normale Füllung ist nötig.

Regelmäßige Kontrolle nötig

In der Regel hält eine Versiegelung mehrere Jahre. Damit kann die Behandlung deutlich zum anhaltenden Schutz der Kauflächen beitragen und Kosten für spätere Zahnbehandlungen sparen helfen. Trotz sorgfältiger Verarbeitung kann es vorkommen, dass Teile einer Versiegelung verloren gehen. Daher sind regelmäßige Kontrollen und gegebenenfalls eine Reparatur der Versiegelung sehr wichtig.

Kosten werden von der Kasse übernommen

Über die Kosten brauchen sich die Patienten bzw. ihre Eltern keine Sorgen zu machen, denn in Deutschland wird die Versiegelung der großen bleibenden Backenzähne (Molaren) für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren im Rahmen der Individualprophylaxe von der Krankenkasse übernommen. Bei sehr hohem Kariesrisiko ist es auch sinnvoll gefährdete Fissuren und Grübchen an anderen Zähnen zu versiegeln. Diese Kosten müssen allerdings die Eltern tragen.