Einzelansicht

Reparatur für den Milchzahn

Mit sechs Monaten bricht bei den meisten Babys das erste Zähnchen durch, spätestens mit zweieinhalb Jahren sind alle zwanzig Milchzähne sichtbar. Milchzähne sind wichtig – sie ermöglichen das Kauen von fester Nahrung, fördern die richtige Sprachbildung, halten den Platz für die bleibenden Zähne frei und sind wichtig für die psychische Entwicklung des Kindes. Laut der jüngsten Deutschen Mundgesundheitsstudie ist die Zahl der kariesbefallenen bleibenden Zähne bei Kindern in den vergangenen Jahren dank verbesserter Prophylaxemaßnahmen wie die Fissurenversiegelung deutlich gesunken. Es kommt aber immer noch vor, dass eine unzureichende Pflege der Milchzähne oder der häufige Einsatz von kariesauslösenden Getränken in Saugerflaschen das Milchgebiss angreifen und zerstören.

Sind einzelne Zähne oder das Milchgebiss erst einmal kariös, ist unbedingt eine schnelle Sanierung notwendig. „Damit wird die Karies an der Ausbreitung gehindert“, erklärt Dr. Dietmar Oesterreich, ProDente-Experte und Zahnarzt. „Außerdem werden mögliche unangenehme Folgeerscheinungen ausgeschlossen und das Kariesrisiko für das bleibende Gebiss gemindert“, so Dr. Oesterreich weiter.

Stark zerstörte Milchzähne bedürfen eines hohen technischen Aufwandes. Eltern sollten bedenken, dass Kinder zu solch umfangreichen Behandlungen nicht immer bereit sind. Außerdem sind weitere diagnostische Maßnahmen wie beispielsweise Röntgenaufnahmen von Kinderzähnen nicht immer einfach durchzuführen.

Füllung oder Krone?

Die Möglichkeit der Sanierung hängt vom Zerstörungsgrad des Milchzahnes ab. „Sind die Schäden klein bis mittelgroß werden in der Regel plastische Füllungen eingesetzt“, berichtet Dr. Oesterreich aus seiner Praxiserfahrung. Die zuverlässige Füllungstechnik erfordert jedoch einige Zeit und bedarf der guten Mitarbeit und Geduld des kleinen Patienten.

Ist der Zahn stark zerstört, hilft in vielen Fällen nur noch eine konfektionierte Stahlkrone, die unter lokaler Betäubung hergestellt wird. Sie kommt primär bei den Milchbackenzähnen zum Einsatz.

Ran an die Wurzel

Bei tief zerstörten Zähnen ist oftmals eine endodontische Behandlung im Milchgebiss notwendig. Sie ist ratsam, wenn der Nerv des Zahnes angegriffen ist und der Zahn noch nicht in absehbarer Zeit dem physiologischen Zahnwechsel unterliegt. Dabei wird unter örtlicher Betäubung ein Teil oder auch der Nerv vollständig aus dem Zahn entfernt und durch eine Füllung ersetzt. Solch umfangreiche Behandlungen werden nur durchgeführt, wenn gewährleistet ist, dass der Keim des bleibenden Zahnes nicht beschädigt wird.

Letztes Mittel: das Ziehen des Zahnes

Erst wenn der Zahnarzt nach genauer Diagnosestellung und Befundaufnahme davon überzeugt ist, dass eine Sanierung nicht sinnvoll ist, wird er den Eltern des Kindes zur vorzeitigen Extraktion des defekten Zahnes raten. „In manchen Fällen ist sogar eine vorzeitige Extraktion angezeigt, z.B. wenn der Milchzahn den Durchbruch des bleibenden Zahnes verhindert oder wenn eine kieferorthopädische Behandlung geplant ist“, weiß Dr. Oesterreich. Es kann aber auch sein, dass ein entsprechender Lückenhalter oder eine Kinderprothese für den notwendigen Platz der bleibenden Zähne sorgen muss.

Die moderne Zahnmedizin bietet also auch schon für die Kleinsten zahlreiche Möglichkeiten, die Mundgesundheit wiederherzustellen. Am besten ist es aber, diese kommen erst gar nicht zum Einsatz. Denn jeder Eingriff ist für die betroffenen Kinder mit belastenden Maßnahmen verbunden: Röntgenaufnahmen, lokale Betäubungen, evtl. sogar eine Vollnarkose. Deshalb sollten Eltern von Anfang an größten Wert auf die regelmäßige Pflege der Milchzähne und eine zahngesunde Ernährung legen.