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Kein Mut zur Lücke – Zahnverletzungen in der Wachstumsphase nach Möglichkeit vermeiden

Rennen, spielen, toben: Das tut Kindern gut – und richtige Rabauken nehmen dabei tapfer auch mal ein blutendes Knie in Kauf. Pflaster drauf, fertig. Nicht ganz so einfach ist es, wenn die Zähne betroffen sind und ein Stück oder sogar ein ganzer Zahn ausgeschlagen wurde. Das Milchgebiss ist zwar nicht fürs ganze Leben gedacht, hat aber eine wichtige Funktion. Deshalb muss auch bei Verletzungen an den ersten Zähnen immer der Zahnarzt entscheiden, ob eine Behandlung erforderlich ist.

Bei Sechs- bis Achtjährigen hat das Lächeln mit Zahnlücke echten Charme. Allerdings macht es einen großen Unterschied, ob die Milchzähne normal ausgefallen oder bei einem Unfall verloren gegangen sind. „Ein Milchzahn fällt aus, wenn es Zeit dafür ist: nämlich wenn der bleibende Zahn schon fast aus dem Zahnfleisch herausgewachsen ist“, erläutert Dr. Yango Pohl von der Initiative proDente. Vorher ist jeder gesunde Milchzahn ein wichtiger Platzhalter für sein bleibendes Pendant. Wird er vorzeitig ausgeschlagen, etwa durch einen Sturz, lässt sich ein Milchzahn oft nicht wieder einsetzen. So entsteht frühzeitig eine Lücke, in die der bleibende Zahn hineinwachsen kann. Allerdings besteht die Gefahr, dass sich in der Zwischenzeit die Nachbarzähne verschieben und mit einer Klammer wieder an die richtige Stelle gerückt werden müssen.

Werden Milchzähne verschoben oder in den Kiefer gedrückt, muss der Zahnarzt schnell handeln und sie wieder an ihren Platz setzen. Sonst besteht große Gefahr für die nächsten Zähne – auch wenn die noch gar nicht durchgebrochen sind und noch im Kiefer liegen.

Mundschutz zur Vorbeugung

Auch bei größeren Kindern und Jugendlichen sind Zahnverletzungen nicht selten: Bis zu 35 Prozent erleiden Zahnunfälle im bleibenden Gebiss. „Besonders ungünstig ist es, wenn Zähne im Wachstum verloren gehen“, so Dr. Pohl. Denn dabei wird die natürliche Ausbildung des Gebisses gestört. Außerdem ist bis zum Ende des Wachstums keine endgültige Versorgung der Zahnlücken möglich. Die Jugendlichen müssen also immer wieder zur Behandlung und erhalten Provisorien, die an die jeweilige Situation angepasst werden.

Doch was kann man tun, um diese Prozedur zu vermeiden? „Man kann einen Unfall nicht ganz ausschließen – aber zumindest lassen sich die Risiken minimieren“, weiß Dr. Pohl. So kann beispielsweise beim Freizeitsport ein Mundschutz die Zähne effektiv vor Schäden bewahren. Die Kunststoffschiene wird individuell angepasst und über die Zähne geschoben. „Die Eltern achten ja auch darauf, dass ihr Kind beim Radfahren einen Helm trägt“, sagt Dr. Pohl. Wäre der Mundschutz bereits ähnlich selbstverständlich, ließen sich wohl viele Verletzungen und aufwendige Behandlungen vermeiden. Deshalb wünscht sich der Zahnarzt, „dass mehr Kinder und Jugendliche mit gutem Beispiel vorangehen und so vielleicht einen echten Trend setzen.“