Den Zähnen die Kugel geben
Nanopartikel sollen helfen, empfindliches Dentin weniger sensibel zu machen
Winzige Kügelchen aus Hydroxylapatit könnten Schluss mit schmerzempfindlichen Zähnen machen: Die Nanoteilchen sollen die winzigen Löcher im Dentin Dentin
Zahnbein, knochenähnlicher Stoff, aus dem die Hauptmasse eines Zahnes besteht. Im Bereich der Zahnkrone ist das Dentin vom Zahnschmelz umgeben, im Bereich der Zahnwurzel von Wurzelzement. Dentin ist härter als Knochen, aber weicher als der Schmelz.
, dem sogenannten Zahnbein, verschließen und damit die Zähne unempfindlicher gegen Kälte, Hitze und verschiedene Chemikalien machen. Erste Versuche mit solchen Partikeln haben bereits gezeigt, dass die Kügelchen problemlos in die Höhlungen eindringen und die Löcher auffüllen können.
Überempfindliche Zähne entstehen immer dann, wenn das normalerweise vom Zahnschmelz Zahnschmelz
Durchscheinender Überzug des Dentins im Bereich der Zahnkrone; bestimmt die äußere Zahnform; härtestes Körpergewebe, ist kaum elastisch und zugfest. Besteht zu 98% aus anorganische Bestandteilen (unter anderem Hydroxylapatit).
bedeckte Zahnbein offen liegt. Es besteht aus winzigen, flüssigkeitsgefüllten Kanälchen, die vom Nervenende im Zentrum des Zahns nach außen führen. Kommen diese Kanäle mit Hitze, Kälte, Süßem oder auch Saurem in Kontakt, bewegt sich die Flüssigkeit und reizt dabei den Nerv. Die Folge ist ein scharfer, stechender Schmerz Schmerz
Die Schmerzempfindung wird durch Schmerzreize (Kälte, Hitze, Stress
) ausgelöst, von Schmerzrezeptoren aufgenommen und über sensible Nervenfasern dem Gehirn zugeleitet. Allen Schmerzreizen gemeinsam ist eine Gewebeirritation, bei der körpereigene Stoffe (Histamin, Wasserstoffionen, Serotonin usw.) freigesetzt werden, die die Erregung der Schmerzrezeptoren - welche auch bei häufigen Reizungen nicht abstumpfen - herbeiführen. Man unterscheidet den gut lokalisierbaren Oberflächenschmerz (z.B. Zahnschmerzen), den ungenau lokalisierbaren, dumpfen Tiefenschmerz (nach Prellungen o. Quetschungen, Kopfschmerz usw.) und den zu Krämpfen neigenden Eingeweideschmerz (Herz, Darm, Gallenblase) sowie akute und chronische Schmerzzustände. Eine Sonderform stellt der Phantomschmerz dar. Starke schmerzhafte Vorgänge sind mit vegetativen Begleiterscheinungen verbunden, die sich in Blässe, Schweißausbrüchen, Erweiterung der Pupillen, Blutdruckschwankungen bis hin zum Kollaps äußern können.
. Eine Möglichkeit, dieses unangenehme Leiden zu bekämpfen, ist die Verwendung von fluoridhaltiger Zahnpasta oder Mundspülungen, die den Wiederaufbau des Zahnschmelzes fördern.
Earl und seine Kollegen haben nun jedoch eine elegantere Lösung entdeckt: Sie stellten fest, dass Kügelchen im Nanomaßstab die Löcher weit besser und effektiver verstopfen können als die Fluoridbehandlung. Dadurch wird der Flüssigkeitsfluss in den Kanälen reduziert und die Schmerzen verschwinden. Bisher haben die Wissenschaftler zwar nur mit kommerziell erhältlichen Quarzpartikeln experimentiert, sie planen jedoch, für die endgültige Anwendung Kügelchen aus Hydroxylapatit zu verwenden. Dieses keramikähnliche Material ist der Hauptbestandteil sowohl des Dentins als auch des Zahnschmelzes und würde sich daher optimal in das natürliche Zahnmaterial einpassen.
Lediglich die Herstellung der Nanokügelchen muss noch optimiert werden, berichteten die Forscher. Durch eine Veränderung des pH-Wertes bei der Produktion gelang es ihnen bereits, statt der sonst entstehenden stäbchenförmigen Kristalle rundere, kleinere Partikel zu erhalten, die aber bislang noch zu groß für die Zahnbehandlung sind. In Zukunft sollen diese Nanokügelchen zusätzlich noch mit Fluorverbindungen ausgestattet werden, so dass sie nicht nur die Kanälchen verschließen, sondern gleichzeitig auch den Zahnschmelzaufbau fördern.
Jonathan Earl (Leeds University) et al.: Beitrag auf der EMAG NANO-Konferenz, Leeds
ddp/wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel
