Einzelansicht

Zahnfleischbluten - Ein oberflächliches Problem?

Hin und Wieder blutet das Zahnfleisch. Es tut nicht weh, manchmal ist das Zahnfleisch etwas gerötet und leicht angeschwollen. Kommt das mal vor oder muss man sich sorgen, ist die Frage. Oder anders: Ist es ein oberflächliches Problem oder steckt die Ursache in der Tiefe?

Schwer zugängliche Stellen in der Mundhöhle, zum Beispiel die hinteren Zahnzwischenräume oder Bereiche unter Brücken, erreichen wir nur schwer beim täglichen Zähneputzen. „Zahnbeläge, die an diesen Stellen nicht entfernt werden, verursachen lokal Zahnfleischentzündungen, wir Zahnärzte sprechen von einer Gingivitis. Sie ist eine normale Abwehrreaktion des Körpers“, weiß Zahnarzt Prof. Dr. Oesterreich von der Initiative proDente e.V. Die Endung „-itis“ weißt immer auf eine Entzündung hin, ausgelöst von Erregern und der Antwort des körpereigenen Immunsystems.

Zahnbelag entsteht schnell

Eine Zahnfleischentzündung entwickelt sich bereits nach wenigen Tagen an den ungeputzten Stellen. Schon Minuten nach dem Zähneputzen entsteht erneut ein sogenanntes Schmelzoberhäutchen auf der Zahnoberfläche, Fachbegriff Pellikel. Dies ist ein ganz natürlicher Vorgang. Das Schmelzoberhäutchen entsteht aus Eiweißen im Speichel. An dieses Schmelzoberhäutchen heften sich in der Folge Bakterien an. Über Stunden und Tage wird die Bakterienschicht immer dicker, bis schließlich mit bloßem Auge eine Belagschicht zu erkennen ist. Fachleute sprechen in diesem Stadium von reifer Plaque bzw. von einem Biofilm.

Zahnreinigung hilft gegen Entzündung

Die Bakterien zirkulieren in der Belagschicht, sie verbinden sich untereinander und tauschen Stoffwechselprodukte aus. Einige dieser Stoffwechselprodukte setzten die Körperabwehr in Gang. Die Antwort des Körpers heißt: Entzündung. Typischerweise ist das Zahnfleisch gerötet, geschwollen und es blutet leicht bei der geringsten Berührung. Schmerzhaft ist das eher nicht. Die gute Nachricht: Eine intensive Zahnreinigung mittels Bürste,  Zahnseide und Zwischenraumbürstchen lässt die Entzündung wieder verschwinden. Rötung und Schwellung klingen ab. Das Zahnfleisch sieht wieder rosa und gesund aus, ist fest und blutet nicht mehr.

Zerstörung lange unsichtbar

Bleibt eine Zahnfleischentzündung unbehandelt, kann sich daraus eine Parodontitis entwickeln. Nicht jede Zahnfleischentzündung mündet in eine Parodontitis, aber jeder Parodontitis geht eine unbehandelte Gingivitis voraus. Ist die Ursache des Zahnfleischblutens eine bereits entstandene Parodontitis, liegt das Problem tiefer, nämlich unterhalb des Zahnfleischrandes. In der  Plaqueschicht ändert sich im Laufe von Tagen und Wochen bei ausbleibender Reinigung die Bakterienzusammensetzung. Aggressive, krankheitsauslösende Keime gewinnen die Oberhand. Sie zerstören den Zahnhalteapparat, also Zahnfleisch, zahntragende Fasern und Knochen, und wandern entlang der Zahnwurzel immer weiter in die Tiefe. Oft  wird die Diagnose Parodontitis nicht vermutet, denn die gravierenden Auswirkungen wie Zahnlockerungen, Eiter oder freiliegende Zahnhälse treten erst spät sichtbar zu tage. Betroffene merken lange nichts, denn eine Parodontitis verläuft häufig schleichend und nicht schmerzhaft.

Warnung Zahnfleischbluten

Die Parodontitis konsequent behandeln zu lassen ist sehr wichtig, da die entzündeten Zahnfleischtaschen ein Reservoir für krankmachende Keime bilden. Die Erreger können in die Blutbahn gelangen. Viele Zusammenhänge zu Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, Arteriosklerose, Herzinfarkt, aber auch zu Frühgeburten konnten bisher in Studien belegt werden. Zahnfleischbluten ist also ein bedeutendes Warnsignal und keine Normalität.