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Parodontitis – messen, schauen, erkennen

Bis sich eine Parodontitis, eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates, ausbildet, sind dieser Erkrankung einige Vorstufen vorausgegangen. Oft ist es für Betroffene schwer möglich, die meist geringen Warnzeichen richtig zu deuten. Dem Fachmann fällt die Diagnose dagegen leicht. Eine unkomplizierte Untersuchung, Auffälligkeiten im Röntgenbild oder neuerdings genetische Laboruntersuchungen bringen Klarheit, bevor die tückische Erkrankung unbehandelt zu Zahnausfall führt.

In den meisten Fällen sind weder die der Parodontitis vorausgehende Zahnfleischentzündung (Gingivitis) noch die Zahnbetterkrankung selbst schmerzhaft. Nur ein Grund, warum eine Parodontitis so oft unbemerkt bleibt. Häufiges Zahnfleischbluten ist ein Hinweis auf eine Zahnfleischentzündung. Doch nicht immer tritt Zahnfleischbluten auf.

Zigarettenrauch kaschiert Zahnfleischentzündung

Das Warnzeichen Zahnfleischbluten ist bei Rauchern häufig unterdrückt, denn das Nikotin im Zigarettenrauch verengt die Blutgefäße der Mundschleimhaut. Die Folge: Zahnfleisch bei Rauchern blutet nicht so leicht. Es sieht auch kaum gerötet oder geschwollen aus, wie es bei entzündetem Zahnfleisch normalerweise der Fall wäre.

Messen bringt Klarheit

Der Zahnarzt untersucht routinemäßig das Zahnfleisch mithilfe einer Messsonde auf das Vorhandensein von Zahnfleischtaschen. Die Messsonde ist ein feiner, dünner Metallstab mit einer Millimeterskalierung und einer kleinen Kugel an der Spitze. Der Zahnarzt führt die Sonde bei der als Parodontales Screening (PSI) bezeichneten Untersuchung zwischen Zahn und Zahnfleisch ein. Natürlicherweise befindet sich dort nur ein kleiner Spalt, der maximal zwei bis drei Millimeter tief ist. Im Verlauf einer Parodontitis erweitert und vertieft sich dieser Spalt entlang der Zahnwurzel. Ist dieser Spalt nur bis zu 3,5 Millimeter tief und blutet lediglich das Zahnfleisch, handelt es sich um eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Sie klingt nach sorgfältiger Zahnpflege innerhalb von ein paar Tagen wieder ab. Misst der Zahnarzt dagegen vier oder mehr Millimeter Spalttiefe, sind bereits Zahnhaltefasern zerstört worden, und es muss eine Parodontitis vermutet werden. Je nach Schweregrad ist die Zerstörung der Fasern unumkehrbar. Die Messung der Zahnfleischtaschen tut nicht weh, sie ist höchstens etwas unangenehm. Sie wird von den gesetzlichen Krankenkassen alle zwei Jahre erstattet.

Röntgenbilder unterstreichen die Diagnose

Hat der Zahnarzt nach der Messung Hinweise auf eine Parodontitis gewonnen, bringen Röntgenbilder weiteren Aufschluss. Auf Röntgenbildern des gesamten Gebisses lässt sich der Knochenverlauf um die Zähne nachvollziehen. Das gibt dem Zahnarzt erste Hinweise für die Prognose der Erkrankung. Von der moderaten Form sind etwa 80 Prozent aller Parodontitispatienten betroffen. Sie verläuft sehr langsam. Aktive Schübe mit fortschreitender Zerstörung des Zahnhalteapparates wechseln mit längeren Ruhephasen – auch über mehrere Jahre – ab. Im Röntgenbild zeigt sich meist ein gleichmäßiger Knochenabbau über den gesamten Kiefer. Zehn bis 20 Prozent der Bevölkerung entwickeln eine schwere Parodontitisform. Im Röntgenbild fällt hier neben einem allgemeinen Knochenabbau an einzelnen Zähnen ein besonderer keilförmiger Knochenverlust auf, der noch weiter in die Tiefe reicht. Schwere Verläufe kommen bei Männern häufiger vor als bei Frauen.

Prognose nach Keimanalyse

Ob sich eine Parodontitis eher in eine chronische oder eine aggressiv fortschreitende Verlaufsform entwickelt, spiegelt sich insbesondere in der Zusammensetzung der Bakterien wider. Gerade die weichen Beläge in den Zahntaschen unterhalb des Zahnfleisches sind sehr aussagekräftig. Mit einem Papierstäbchen kann der Zahnarzt etwas von der bakterienhaltigen Flüssigkeit in der Zahntasche aufsaugen. Im Labor lässt sich die bakterielle Zusammensetzung über Kulturen oder mit genetischen Methoden nachweisen. Insgesamt kennt die Wissenschaft heute sechs sogenannte parodontale Leitkeime, die, je häufiger sie jeweils vorhanden sind, den Verlauf der Erkrankung in Richtung einer moderaten oder schweren Form begünstigen.