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Hilfe – meine Zunge brennt!

Zahnschmerzen hat fast jeder mal im Laufe seines Lebens. Treten sie auf, steht ein Besuch beim Zahnarzt an. Was ist aber zu tun, wenn die Zunge unaufhörlich brennt, kribbelt oder juckt?

Zwei bis fünf Prozent der deutschen Erwachsenen leiden unter dem Phänomen „Zungenbrennen“, auch Glossodynie genannt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Oft sind die Beschwerden abhängig von der Tageszeit. Im Laufe des Tages nehmen die Schmerzen zu, bis sie am Abend ihren Höhepunkt erreichen. Die Betroffenen berichten, dass die Missempfindungen beim Essen in den Hintergrund treten und daher nicht stören.

Die Ursachen von Zungenbrennen sind vielfältig und oftmals psychischer Natur. „Es ist schwierig und es gelingt nicht immer, trotz sorgfältiger Diagnostik, die Ursache eindeutig festzustellen“, so Joachim Hoffmann von der Initiative proDente. Als Auslöser naheliegend sind Mund- und Zahnprobleme. Deshalb ist es ratsam, beim Auftreten der Beschwerden einen Zahnarzt zu konsultieren. Traumatisierende Reizungen der Zunge durch defekte Zahnprothesen, scharfe Zahnkanten, ein Zungenpiercing, generelle Entzündungen der Mundschleimhaut oder Knirschen sowie Pressen mit den Zähnen können das permanente Brennen und Kribbeln auslösen. Stellt der Zahnarzt eine solche Reizung fest, wird er diese in seiner Behandlung beheben. In der Regel klingen die Symptome rasch ab.

Zahlreiche Ursachen kommen infrage

In manchen Fällen hält das Brennen und Jucken aber an. Nicht selten klagen die Patienten zudem über einen trockenen Mund. Scheiden Ursachen aus, die in den zahnmedizinischen Bereich fallen, gibt es dermatologische Krankheitsbilder, die Zungenbrennen auslösen können: Pilzbefall der Mundhöhle, Herpesinfektionen, Allergien oder die sogenannte Landkartenzunge.

Auffallend häufig fällt das Auftreten der Beschwerden mit dem Beginn der Wechseljahre zusammen, was auf einen hormonellen Einfluss schließen lässt. Auch können Schwangerschaft, Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes, Erkrankungen der Speicheldrüsen, Autoimmunerkrankungen wie das Sjörgen-Syndrom oder Probleme mit der Verdauung, darunter die Refluxkrankheit, zu Zungenbrennen führen. Als weiterer möglicher Auslöser kommen die Nebenwirkungen von Arzneimitteln wie ACE-Hemmer und Antidepressiva infrage. Außerdem können Alkohol und suchterzeugende Medikamente die unangenehmen Symptome auslösen. Die Praxis zeigt, dass oftmals auch ein Zusammenspiel mehrerer Krankheiten und Einflüsse zu einer Glossodynie führt.

Gezielt therapieren

Wird eine Erkrankung im zahnmedizinischen oder dermatologischen Bereich oder eine andere Grunderkrankung als Ursache festgestellt, kann diese gezielt vom jeweiligen Arzt behandelt werden. „Wird hier keine genaue Ursache gefunden, müssen psychische Ursachen und eine psychotherapeutische Behandlung in Betracht gezogen werden“, so Hoffmann. Seelische Faktoren wie Stress, Depressionen oder Beschwerden der Wechseljahre können das sogenannte Burning-Mouth-Syndrom auslösen. In besonders schweren Fällen ist der Aufenthalt in einer Klinik möglich, die sich auf die Behandlung von chronischen Schmerzen spezialisiert hat.

Hilfe für den Alltag

Um das Brennen und Kribbeln etwas zu lindern, ist eine sorgfältige Mundhygiene wichtig. Dazu gehört auch eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Alkohol und Nikotin sollten dagegen gemieden werden, da diese nicht nur lokal zusätzlich reizen, sondern auch die Speichelproduktion negativ beeinflussen. Ebenso stark gewürzte und saure Lebensmittel, die die Mundschleimhaut reizen könnten. Lokal angewendete Lösungen, die die Mundschleimhaut betäuben, können die Symptome teilweise lindern. Manchen Patienten helfen auch Mundspülungen mit kühlem Salbeitee oder Salzwasser.