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Kariesbehandlung vor 9000 Jahren?

Schon vor 8000 Jahren gab es Zahnärzte. Nach neuesten archäologischen Erkenntnissen wurden in Mehrgarh, einer Ausgrabungsstätte im heutigen Pakistan, defekte Zähne mittels Ausbohrens behandelt. Vom "Zahnwurm" war auch im 2. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien die Rede. Eine Tontafel mit babylonischer Keilschrift zeugt davon. Sie ist heute im British Museum in London aufbewahrt. Im Alten Testament ist die Formulierung "Auge um Auge, Zahn um Zahn" beredter Ausdruck der Bedeutung, die den Beißwerkzeugen zugemessen wurde. Es hätte ja auch Ohr um Ohr, Nase um Nase oder Arm um Arm heißen können

Zahnschmerzen kennt die Menschheit schon, solange der „Homo erectus“ auf Erden wandelt. Dass aber bereits vor neuntausend Jahren Zähne mit erstaunlicher Präzision behandelt wurden, haben Forscher jetzt bei Ausgrabungen in einem jungsteinzeitlichen Gräberfeld im heutigen Pakistan entdeckt.

In elf Zahnkronen fanden die Archäologen Bohrlöcher. Die Löcher in diesen Zahnkronen wurden mit Feuersteinspitzen behandelt und sind erstaunlich fein gearbeitet. Vier der untersuchten Zähne weisen sogar Anzeichen von Zahnkaries in der Gegend des Bohrlochs auf, was darauf hindeutet, dass der Eingriff „medizinischer“ Natur war. Einen ästhetischen Grund schließen die Forscher aus, da nur weit hinten im Kiefer sitzende Backenzähne behandelt wurden. Die Ausgrabungsstätte Mehrgarh in Pakistan gilt als erste bekannte Ackerbauer-Siedlung Südasiens. Archäologische Funde dokumentieren ein reiches kulturelles Leben mit bereits sehr fortschrittlichen Gebrauchsgegenständen. Die Wissenschaftler vermuten, dass für die steinzeitlichen Zahnbehandlungen ein Steinbohrer mit einer Feuersteinspitze verwendet wurde. Die Techniken, die ursprünglich von Kunsthandwerkern zur Perlenproduktion entwickelt worden waren, könnten also auch bei Zahnbehandlungen erfolgreich gewesen sein, erklären die Forscher ihren Fund.

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