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Neue Konzepte für ältere Menschen

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Schätzungen des Statistischen Bundesamtes zufolge stehen 2030 100 erwerbsfähigen Menschen 71 ältere Menschen gegenüber. Diese Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Zahnmedizin, in welcher die Alterszahnheilkunde künftig eine große Rolle spielt und neue Anforderungen an die Zahnärzte und Zahntechniker stellt.

In der modernen Zahnmedizin und Zahntechnik werden individuelle Behandlungskonzepte speziell für ältere Patienten entwickelt oder auf diese abgestimmt. „Generelles Ziel ist es heute, dass der Patient seine eigenen Zähne möglichst lange behält“, erklärt ProDente-Experte und Zahnarzt Dr. Dietmar Oesterreich. In einer von proDente in Auftrag gegebenen Studie gaben 27 Prozent der Befragten an, dass man im Alter auf jeden Fall seine Zähne verliert. Das muss nicht zwangsläufig sein. Eine gründliche häusliche Pflege der Zähne, regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt, eine zahngesunde Ernährung und die professionelle Zahnreinigung schützen auch im Alter vor Zahnverlust.

Zahnlücken schnell schließen

„Haben jedoch Karies, Parodontitis und Zahnunfälle im Laufe der Zeit Spuren hinterlassen, gilt es, die entstandenen Zahnlücken dauerhaft zu schließen, um Folgeschäden zu vermeiden“, weiß Dr. Oesterreich. Denn: Fehlende Zähne können bei älteren Menschen zu Fehl- oder Mangelernährungen führen. Ein Patient, der seine gewohnte Nahrung nicht mehr ausreichend zerkleinern kann, weicht gezwungenermaßen auf breiige, flüssige Speisen aus und ernährt sich damit oft nicht mehr ausgewogen und reichhaltig genug. Außerdem können Zahnlücken das komplette Gebiss aus dem Takt bringen. Die restlichen Zähne wandern oder kippen in die Lücken. Insbesondere Frontzahnlücken verursachen älteren Menschen erhebliche Sprechprobleme.

Um solche Fehlentwicklungen zu vermeiden, müssen Lücken geschlossen werden. Die umfangreiche prothetische Behandlung älterer Mensch ist meist zeitaufwendig. Schätzungen gehen davon aus, dass parallel zu der demografischen Entwicklung in Zukunft 30 bis 40 Prozent der alltäglichen Praxisarbeit auf die prothetische Versorgung entfallen wird. „Prothetische Maßnahmen haben schon in den vergangenen Jahren hinsichtlich des Aufwandes, aber auch der Qualität deutlich zugenommen“, so Dr. Oesterreich.

Vorhandene Zähne bleiben erhalten

War früher die Teil- oder Totalprothese beim Schließen von mehreren Lücken die Lösung schlechthin, setzt die moderne Zahnmedizin und Zahntechnik heute gerade bei Patienten mittleren Alters auf festsitzenden, insbesondere implantatgetragenen Zahnersatz. Dieser wird von den meisten Patienten nicht nur als sehr angenehm empfunden, er kann auch leicht gereinigt werden und weist eine hohe Haltbarkeit auf. Mit Implantaten können einzelne oder mehrere Lücken geschlossen oder eine komplette Prothese erstellt werden. Diese wird dann von einzeln gesetzten Implantaten getragen. „Damit ist die Zeit vorbei, in der die herausnehmbare Totalprothese die ultimative Lösung war“, so Dr. Oesterreich.

Voraussetzung für Implantate ist ein intakter Kieferknochen. Dessen Aufbau nimmt einen immer größeren Raum bei der Behandlung ein. Ist zu wenig Kieferknochen für Implantate vorhanden, muss durch aufbauende chirurgische Verfahren ein Implantatbett geschaffen werden.

Darüber hinaus werden die gesetzten Implantate mithilfe einer Doppelkronentechnik oder durch Stege mit dem herausnehmbar gestalteten Zahnersatz verbunden. Ob Implantate oder Teilprothese – das Ergebnis bedeutet für den Patienten ein Stück mehr Lebensqualität: ohne Probleme essen und sprechen. Dies sorgt auch im hohen Alter für körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden.

Die Pflege entscheidet über Haltbarkeit des Zahnersatzes

Sind die Zähne wieder komplett, ist der Einsatz des Patienten gefragt. Neben der sorgfältigen Pflege sind halbjährliche Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt notwendig. „Da ältere Menschen häufig unterschiedliche Gesundheitsprobleme haben, geht der Besuch beim Zahnarzt oftmals unter“, so. Dr. Oesterreich. „Dies kann für die Gesundheit des Patienten langfristig negative Folgen haben und sollte unbedingt vermieden werden, zumal Munderkrankungen mit Allgemeinerkrankungen in engem Zusammenhang stehen.