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Die seniorengerechte Zahnarztpraxis

Der Anteil der Senioren an der Gesamtbevölkerung Deutschlands wächst kontinuierlich. Ältere Menschen haben in allen Lebensbereichen spezifische Bedürfnisse – so auch in ihren Anforderungen an eine Zahnarztpraxis oder ein Dentallabor. Prof. Dr. Ina Nitschke, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Alterszahnmedizin, plädiert für seniorengerechte Zahnarztpraxen und  Zahntechnikermeister mit gerostomatologischem Wissen. Ein Blick auf die demografische Entwicklung zeigt, „dass die Erhaltung der Mundgesundheit auch im hohen Alter künftig eine der Schlüsselaufgaben der Zahnmedizin sein wird“, so Prof. Dr. Nitschke.

Ziel einer seniorengerechten Zahnarztpraxis ist es, Menschen in hohem Alter und Personen mit Behinderungen regelmäßige Zahnarztbesuche zu ermöglichen und damit deren Mund- und Zahngesundheit zu bewahren. Dafür sollte eine Zahnarztpraxis einige Grundvoraussetzungen erfüllen. Sie sollte gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sein und entweder ebenerdig liegen oder über einen Aufzug verfügen. Prof. Dr. Nitschke plädiert dafür, einen „gerostomatologischen Wohlfühlfaktor“ zu schaffen. Dazu zählt sie praktische Veränderungen wie das Abschaffen von Stolperschwellen in der Praxis, das Anbringen eines Klappsitzes im Lift oder seniorengerechte Sitzmöbel sowie den grundsätzlichen Umgang des Praxisteams mit den Senioren und den zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln.

Gehört und verstanden werden

Der sichere Umgang eines Praxisteams mit Menschen in hohem oder sehr hohem Alter erfordert zusätzliche Kompetenzen im Bereich der Kommunikation und wertvolles Wissen über das Älterwerden. „Die nachlassenden Sinneswahrnehmungen machen die Kommunikation oft mühsam“, erklärt Prof. Dr. Nitschke. Daher fördert die seniorengerechte Zahnarztpraxis die Konzentration der betagten Patienten. „Es gibt z.B. keine beruhigende Hintergrundmusik, wie sie in vielen Zahnarztpraxen üblich ist“, weiß Prof. Dr. Nitschke. Sie hält eine gelungene Kommunikation für ausschlaggebend für eine erfolgreiche Planung und Durchführung der Therapie.

4-mal pro Jahr Kontakt zur Zahnarztpraxis

Ältere Menschen sollten möglichst vierteljährlich Kontakt zur Zahnarztpraxis haben. Zweimal im Jahr sollte eine Kontrolle durch den Zahnarzt erfolgen und – unabhängig davon – mindestens zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung stattfinden. „Gerade wenn Patienten an mehreren chronischen Erkrankungen leiden, tritt für sie die zahnmedizinische Kontrolle oft in den Hintergrund“, berichtet Prof. Dr. Nitschke. Umso wichtiger ist es, diesen Menschen mit einer seniorengerechten Zahnarztpraxis den Zugang so leicht wie möglich zu machen.

Dentallabore – Service für Senioren

Neben den Praxisteams brauchen auch Laborteams seniorenzahnmedizinisches Wissen, um gemeinsam mit dem Zahnarzt zur erfolgreichen Behandlung der Patienten beizutragen. Naturgemäß ist die Behandlung älterer Patienten mit der Anfertigung und Eingliederung von Zahnersatz verbunden. Durchschnittlich fehlen den Senioren in Deutschland 14,2 Zähne, sodass sie ohne Zahnersatz wesentlich schlechter sprechen und kauen können.
Nach der richtigen Wahl des Zahnersatzes durch den Patienten und den Zahnarzt muss der Zahntechniker nach Rücksprache mit dem Zahnarzt den Zahnersatz fertigen. Dabei erstellt er für Menschen mit komplexen Behinderungen praktische Ausführungen der Prothesen, mit denen der Patient trotz Handicap gut umgehen kann. „Wer z.B. beide Hände oder einzelne Finger nicht mehr uneingeschränkt bewegen kann, benötigt eine andere Prothese als jemand, dessen Hände voll funktionsfähig sind“, so Prof. Dr. Nitschke.