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Interview „Es gibt keine Altersgrenze“

Fehlstellungen können auch bei Erwachsenen erfolgreich behandelt werden. Wir befragten zu diesem Thema den ProDente-Experten Dr. Falk Ifert, Kieferorthopäde.

Kann ich mich als Erwachsener kieferorthopädisch behandeln lassen?

Ja, auch als Erwachsener ist eine kieferorthopädische Behandlung möglich. Es gibt keine Altersgrenze, aber der Zahnhalteapparat sollte gesund und entzündungsfrei sein – es sollte also eine gute Mundhygiene vorliegen. Das Gebiss muss saniert sein.

Unterscheidet sich die kieferorthopädische Behandlung eines Erwachsenen von der eines Kindes?

Es wird in der Kieferorthopädie zwischen Zahn- und Kieferfehlstellungen unterschieden. Zahnfehlstellungen kann man bei Erwachsenen und Kindern behandeln. Kieferfehlstellungen können jedoch nur während des Wachstums, also bei Kindern, orthopädisch behandelt werden. Bei Erwachsenen ist eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung zur Korrektur von Kieferfehlstellungen möglich. Vor der Operation müssen die Zähne der beiden Kiefer kieferorthopädisch gerade gestellt werden.

Meine Zähne sind schon seit Jahrzehnten schief, warum soll ich sie behandeln lassen?

Bei extrem schief stehenden Zähnen ist die Pflege der Zähne erschwert und es kann leichter zu Zahnfleischentzündungen und Karies kommen. Durch eine kieferorthopädische Behandlung tritt eine Verbesserung der Kaufunktion ein. Außerdem können Nachbarzähne, die in eine länger bestehende Zahnlücke gekippt sind, wieder aufgerichtet werden, bevor man die Lücke prothetisch versorgt.

Und nicht zuletzt sind viele Erkrankungen, die scheinbar auf den ersten Blick nichts mit Zähnen zu tun haben, eng mit Zahn- und Kieferfehlstellungen verbunden. Hierzu zählen z.B. Spannungskopfschmerzen, Migräne, dauerhafte Ohrgeräusche und Schwindel.

Wie wird die kieferorthopädische Behandlung bezahlt?

Ab dem 18. Lebensjahr werden die Kosten nur noch in Kombination mit einem kieferchirurgischen Eingriff und dem Vorliegen einer erheblichen Kieferfehlstellung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Der Kieferorthopäde muss hierzu genau wie bei Kindern eine Einstufung in die  Kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) vornehmen. Von der privaten Krankenkasse werden die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung in aller Regel abhängig vom abgeschlossenen Tarif übernommen. Versicherte mit Beihilfeansprüchen werden seit letztem Jahr wie gesetzlich Krankenversicherte behandelt.