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Zahn-ÄRZTE

Viele allgemeine Erkrankungen fallen aufgrund von Veränderungen in der Mundhöhle dem Zahnarzt manchmal als erstem auf.

Schon im alten China war die Zungendiagnostik vor 2600 Jahren bekannt. Zahnmediziner heute untersuchen neben den Zähnen auch Zunge, Gaumen, Mundboden, Rachen und Wangenschleimhäute auf krankhafte Veränderungen. Bei Auffälligkeiten überweist der Zahnarzt an den jeweiligen Facharzt.

Verdächtige Himbeerzunge

Viele Viruserkrankungen von Kindern verursachen Veränderungen in der Mundhöhle. Oft sind andere Krankheitssymptome wie Fieber vordringlicher, so dass in erster Linie ein Kinderarzt aufgesucht wird. Ein Blick in den Mund ist jedoch mitunter aufschlussreich. Zum Beispiel weisen Kinder bei Scharlach eine sogenannte Himbeerzunge auf. Die Zunge ist hochrot, glatt und hat geschwollene Geschmackspapillen, so dass sie an eine Himbeere erinnert. Kommen geschwollene Gaumenmandeln, Fieber und Hautausschlag hinzu, erhärtet sich der Verdacht auf Scharlach.

AIDS im Mund?

Aufgrund der Fortschritte in der Behandlung der HIV-Infektion kommen die oftmals sehr unangenehmen Veränderungen in der Mundhöhle von Betroffenen heutzutage seltener vor. Jedoch auch der Zahnarzt kann Veränderungen bei einer HIV-Infektion erkennen. Typisch sind dicke weißliche Beläge, die sich nicht abwischen lassen, oft im Bereich der Zunge. Fachleute sprechen von einer Haarleukoplakie. Betroffene leiden auch häufiger an schweren Zahnfleisch- und Zahnbettentzündungen sogenannten nekrotisierenden Erkrankungen, die rasch den Zahnhalteapparat zerstören. Ebenso kann Pilzbefall in der Mundhöhle eine HIV-Infektion begleiten.

Eine weitere Virusinfektion, die dem Zahnarzt manchmal in der Mundhöhle begegnet, ist das Pfeiffersche Drüsenfieber. Eine himbeerrote, glatte, belagfreie Zunge, kann zusammen mit einer Mandelentzündung, Fieber und geschwollen Lymphknoten auf eine Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus hindeuten. Häufig kommen noch kleine stecknadelkopfgroße Einblutungen an Zunge oder Gaumen hinzu. Das Virus gehört zu Gruppe der Herpesviren und kann das sogenannte Pfeiffersche Drüsenfieber mit Leber- und Milzvergrößerung auslösen.

Spurensuche in der Mundhöhle

Viele weitere Allgemeinerkrankungen können sich mit einzelnen Symptomen in der Mundhöhle zeigen. Hier überschneiden sich die Arbeitsgebiete von Medizinern und Zahnmedizinern und führen zu engen Kooperationen.

Vitamin-B12-Mangel: Eine glatte, hochrote, teilweise brennende Zunge kann auf einen Vitamin-B12- oder Folsäuremangel oder auch auf eine Lebererkrankung hindeuten.

Morbus Crohn: Immer wieder auftretende schmerzhafte Geschwüre in der Mundhöhle, zusammen mit chronischen Durchfällen, Bauchschmerzen und Gewichtsabnahme lassen den Verdacht auf die chronisch entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn aufkommen. Oft kommen dabei zusätzlich unterbrochene Zahnfleischverdickungen, ähnlich einem Pflastersteinrelief, vor.

Pemphigus vulgaris: Die unbehandelt schwer verlaufende Autoimmunerkrankung äußert sich über Blasenbildung an Haut und Schleimhäuten. Nicht selten entdeckt sie ein Zahnarzt, denn in über 70 Prozent der Fälle beginnt die Erkrankung an den Mundschleimhäuten mit glänzenden, weißlich belegten Oberflächen.

Leukämie: Der Krebs des blutbildenden Systems zeigt sich in der Mundhöhle aufgrund von stecknadelkopf-großen Einblutungen in die Mundschleimhaut. Zahnfleischentzündungen, Pilzinfektionen und eine allgemein gestörte Wundheilung im Mund, zum Beispiel nach einer Zahnextraktion, machen den Zahnarzt aufmerksam. Eine Überweisung zur weiteren Abklärung und einer Blutuntersuchung bringt Klarheit.