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Name unbekannt

Wenn am Sonntagabend in deutschen Wohnzimmern der Tatort über die Bildschirme flimmert, jagt ein Ermittler-Team  für eineinhalb Stunden einen unbekannten Mörder, bis es diesen am Ende erfolgreich verhaftet. Im wahren Leben muss die Kripo in manchen Fällen nicht nur den Mörder finden, vielmehr gilt es zuerst die Herkunft und Identität eines unbekannten Toten festzustellen. Dann sind forensische Zahnmediziner gefragt.

Forensische Zahnmediziner leisten wichtige Beiträge bei Ermittlungen. So können sie das Alter von Toten bestimmen. Dies ist hilfreich, wenn Leichen in stark verwestem Zustand oder vom Wasser aufgedunsen gefunden werden. Sind die Zähne und der Kiefer noch gut erhalten, hat der Spezialist auch mit Hilfe eines Röntgenbildes die Möglichkeit, die Entwicklung und Abnutzung der Zähne zu beurteilen. Zieht er ergänzend den Reifegrad verschiedener Handknochen hinzu, kann er das Alter des Toten bestimmen.

Herkunftsland – eingrenzbar

Außerdem kann eine forensische zahnmedizinische Untersuchung Aufschluss über den Herkunfts- bzw. Wohnort des Toten geben. Mögliche Zahnfüllungen und vorhandener Zahnersatz  sind sehr aussagekräftig. Eine hochwertige Versorgung lässt nicht nur auf den sozialen bzw. finanziellen Status des Opfers schließen, sie weist auch darauf hin, dass der Tote in einem Land mit hohem zahnärztlichen Versorgungsstandard gelebt hat. Forensische Zahnmediziner gelingt es in vielen Fällen, die geografische Herkunft unbekannter Leichen einzugrenzen und deren Alter zu bestimmen. Die Ermittler können die Suche mit Hilfe der neu gewonnenen Informationen gezielter fortführen.

Alter – kein Geheimnis mehr

Forensische Zahnmediziner haben aber auch die Aufgabe, das Alter von Lebenden zu bestimmen. Steht ein Drogendealer ohne genaue Personalangaben vor Gericht, muss der Richter klären, ob er das Vergehen nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht ahndet. Daneben gibt es zudem Migranten aus Entwicklungsländern, die ohne Papiere aus Krisengebieten nach Europa geflohen sind, und ihr Geburtsdatum nicht kennen. 

Neben der Beurteilung der Zähne und des Reifegrades verschiedener Handknochen durch Röntgenbilder hat sich eine biochemische Methode etabliert, um das Alter eines lebenden Menschen möglichst genau zu bestimmen. Dabei spielt die L-Asparaginsäure, eine Aminosäure, eine Schlüsselrolle. Der Zahnmediziner benötigt für die Untersuchung einen gesunden Backenzahn. Hierfür kann ein Weisheitszahn genommen werden, welcher oftmals sowieso entfernt werden muss. Dem Zahn wird Wurzeldentin entnommen, das präpariert wird. Eine anschließende Messung im Gaschromatographen zeigt das Verhältnis von L- zu D-Asparaginsäure. Dadurch lässt sich das Alter mit einer Genauigkeit von plus minus zwei bis vier Jahren feststellen.