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Blick auf die Zunge – beim Zahnarzt und zu Hause

Schlecht geschlafen? Oder stehen Sie auch so häufiger mit dem linken Fuß auf? Dann machen Sie sich doch einen Spaß und strecken sich – vor dem Badezimmerspiegel stehend – einfach mal selbst die Zunge heraus. Vielleicht hilft Ihnen die Grimasse schon, den Tag ein wenig lockerer anzugehen. Ein nicht zu unterschätzender Nebeneffekt: Sie können Ihre Zunge beobachten und Ihre Gesundheit schützen, indem Sie mögliche Veränderungen wahrnehmen. Bei auffälligen Dingen sollten Sie stets das Gespräch mit dem Arzt suchen.

Die Zunge ist in der Regel glatt, samtartig, grau-rosa und hat eine gleichmäßige Oberfläche. Zudem ist sie insgesamt nicht vergrößert oder verkleinert. Weicht der Zustand der Zunge davon ab, könnte eine gesundheitliche Störung die Ursache sein.

Jeder Zahnarzt blickt täglich auf eine Vielzahl von Zungen und zieht daraus Rückschlüsse auf die Gesundheit seines Patienten. Da Patienten in der Regel nur ein- bis zweimal jährlich einen Zahnarzt aufsuchen, kann man zu Hause wesentlich häufiger einen Blick auf die Zunge werfen.

Die beste Zeit für das Anschauen ist nach dem Aufstehen. Denn Rauchen oder färbende Speisen verhindern, dass Sie einen Hinweis auf mögliche Krankheiten bekommen. Ein Tipp: Beobachten Sie Ihre Zunge bei Tageslicht. Badezimmer ohne Fenster sind ungeeignet.

Eine brennende oder entzündete Zunge deutet auf Vitaminmangel hin, könnte aber auch ein Zeichen für Blutarmut oder gar Diabetes sein. Sofern die Zunge nicht direkt schmerzt, sind bei der Beobachtung drei Dinge wichtig: die Farbe, die Form und der Belag.

Die folgenden Symptome dienen einer ersten Orientierung und sollten immer mit einem Arzt oder Zahnarzt besprochen werden.

Farbe

Zunächst die Farbe der Zunge betrachten. Ist sie gerötet oder blasser als normal? Sind die Zungenpapillen vergrößert und rötlich verfärbt, spricht man von einer Himbeer- oder Erdbeerzunge. Das deutet auf Infektionskrankheiten – wie z.B. Scharlach – hin.

Eine glatte, eher graue Zunge könnte auf einen Eisenmangel hindeuten, eine mögliche Blutarmut oder auch auf Störungen der Verdauung.

Ist der Zungenrücken – also die obere Seite – gelblich oder gelbbraun, ist eventuell eine erkranke Leber die Ursache. Eine Leberschwäche kann sich auch in Form von geröteten Zungenrändern äußern.

Form

Eine Zunge kann aufgequollen sein oder auch geschrumpft. Schauen Sie genau, wo sich die Form Ihrer Zunge verändert. Man unterscheidet die Ränder, das Zentrum oder die Spitze einer Zunge.

Eine Schwellung in Verbindung mit einer bräunlichen Verfärbung weist auf eine mögliche Nierenschwäche hin. Eine recht starke Schwellung in Kombination mit einem feuchten, weißen Belag deutet auf eine Erkrankung der Milz.

Ist die Zunge dünn und schmal, könnte eine Blutschwäche die Ursache sein.

Beläge

Der Belag kann weiß, gelb oder bräunlich, wässrig, klebrig oder trocken sein. Entdecken Sie einen dicken weißen bis gelben Belag, könnte das Zeichen für eine Magenentzündung oder Leberkrankheit sein.

Weißer Zungenbelag deute auf mögliche Magen- und Darmentzündungen hin. Beispielsweise eine Gastritis, Enteritis, Gastroenteritis oder Colitis.

Ist der Belag ungleichmäßig, spricht man von einer Landkartenzunge, die durch Störungen der Verdauung verursacht werden kann.

Selbst wenn die Beläge nicht ganzflächig auf der Zunge verteilt sind, könnte das auf bestimmte Fehlfunktionen des Körpers verweisen. So sprechen Beläge neben der Zungenmittelrinne für mögliche Störungen der Bauchspeicheldrüse.

Ist ein Belag nur einseitig, liegt eventuell eine Nervenerkrankung vor. Auch eine Mittelohrentzündung verursacht häufig einen derartigen Belag.