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Instrumente beim Zahnarzt

„Der Bohrer überlagert alles andere – leider!“, kommentiert Dirk Kropp, Geschäftsführer der Initiative proDente, das Wissen der Patienten über zahnärztliche Instrumente. Dabei sind auch andere Instrumente des Zahnarztes rund um eine Untersuchung oder Behandlung ausgesprochen interessant. Meist bleiben nur wenige Sekunden zwischen dem „Nehmen Sie bitte Platz“ der Assistentin und dem Moment, in dem der Zahnarzt den Behandlungsstuhl in die richtige Position bringt. Also nehmen wir die Instrumente doch jetzt mal ein wenig genauer unter die Lupe.

Bevor ein Zahnarzt Patienten untersucht, liegen viele Instrumente sterilisiert und geordnet bereit. Am Anfang stehen drei Instrumente, die das Grundbesteck für eine Untersuchung bilden: Mundspiegel, Sonde und Pinzette.

Mundspiegel: Verborgenes sehen und Kleines vergrößern

Verschiedene Mundspiegel ermöglichen dem Zahnarzt einen Blick auf die Bereiche der Mundhöhle, die mit bloßem Auge verborgen blieben. Spiegel gibt es in verschiedenen Ausführungen. Flache Spiegel zeigen ein normales Bild der Umgebung. Hohle Spiegel vergrößern das zu betrachtende Gebiet. Eine wärmespeichernde Einlage in den Spiegeln verhindert, dass die Oberfläche beschlägt. Oft wird mit einem Spiegel auch die Wange oder Zunge beiseitegeschoben, um eine bessere Sicht zu haben.

Sonde: Oberflächen untersuchen

Mit der Sonde wird die Zahnoberfläche vorsichtig untersucht. Die feine Spitze hilft dem Zahnarzt, Karies zu entdecken. Zudem können auch die Kanten von Füllungen daraufhin untersucht werden, ob sie glatt sind oder überstehen. Die klassische Sonde ist nahezu rechtwinklig gebogen. Spezielle Fälle untersucht der Zahnarzt mit Häkchensonden, Messsonden oder biegbaren Sonden. Mit Messsonden wird vor allem der Zahnhalteapparat untersucht.

Pinzette: verlängert die Hand des Zahnarztes

Mit einer Pinzette transportiert oder hält der Zahnarzt Watte in Form von Kugeln oder Rollen. Mit Watte- oder Schaumstoffpellets kann zum Beispiel die Oberfläche eines Zahnes abgewischt oder Speichel abgetupft werden. Zudem werden Fremdkörper, Füllungs- oder Zahnteile mit Pinzetten aus dem Mund entfernt und eingesetzt. Auch Zähne werden manchmal mit Pinzetten angefasst und geprüft, ob sie locker sind.

Gründlich untersucht und dann?

Jetzt wird der Zahnarzt seinen Patienten darüber aufklären, ob etwas behandelt werden muss. Fast jeder hat dann schon einmal einen Scaler oder eine Kürette im Einsatz erlebt.

Scharf gegen Zahnstein und Parodontitis

Die Spitzen einer Kürette sind stumpf, doch an der Seite befindet sich eine scharfe Kante. Sie ermöglicht, dass Zahnstein in den Zahnfleischtaschen von der Zahnwurzeloberfläche abgetragen werden kann. Im Gegensatz dazu hat ein Scaler auch eine scharfe Spitze. Zahnstein und andere Beläge sind im wahrsten Sinn des Wortes Härtefälle. Sie zu entfernen erfordert Kraft und Geschick und die richtige Technik.

Ultraschall

Ultraschallgeräte besitzen vibrierende Spitzen, wodurch Zahnstein vom Zahn entfernt wird. Die Schallfrequenz liegt über 20.000 Hertz. Die Spitze des Utraschallgeräts wird mit Wasser gekühlt, um den behandelten Zahn nicht zu erhitzen. Zähne werden mit Ultraschall im Rahmen der Zahnsteinentfernung bzw. einer professionellen Zahnreinigung behandelt.

Sandstrahler

Während einer professionellen Zahnreinigung wird oft zusätzlich noch mit Hochdruck gereinigt. Ein Mini-Sandstrahler spritzt mit Wasser vermischte Salzkristalle, die hartnäckige Verfärbungen von den Zähnen lösen.

Die Polierbürste

Gummiaufsätze oder Polierbürsten zumeist mit einer Polierpaste glätten die Oberfläche der Zähne wieder. So können sich Kariesbakterien schwerer an die polierten Zähne anheften. Auch vorhandene oder gelegte Füllungen werden mit einem Poliergummi geglättet.

Der Bohrer

Der Begriff Bohrer erfasst eigentlich kaum die vielen Funktionen dieses rotierenden Instruments. Mit der Turbine wird eher schleifend Zahnhartsubstanz abgetragen und sie kann sich bis zu 420.000 Mal pro Minute drehen. Dazu werden mit Diamanten besetzte Schleifer verwendet. Da durch die hohen Umdrehungen Hitze durch Reibung entsteht, werden diese Schleifer und die Zahnhartsubstanz zugleich mit Wasser gekühlt. Mit einer eingelassenen Lampe wird die betreffende Stelle angeleuchtet. Doch wenn Karies – also erweichte Zahnhartsubstanz – entfernt werden muss, wird mit Winkelstücken gearbeitet, die mit weitaus niedrigeren Umdrehungen arbeiten.

Wohin mit der Spucke?

Ob der Zahnarzt untersucht oder behandelt: Der Speichel – im normalen Leben wichtig für eine gesunde Mundhöhle – kann stören. Dafür steht dem Zahnarztteam der große Absauger und der kleinere „Schlürfi“ zur Verfügung. Ersterer saugt das durch die Turbine versprühte Wasser auf. Der Speichelzieher – in der Praxis häufig „Schlürfi“ genannt – „zieht“ Speichel und Wasser ab. Beide Instrumente halten die behandelte Region im Mund trocken und übersichtlich. Doch Trockenheit spielt auch bei vielen anderen Schritten eine große Rolle. Die Watterollen saugen den Speichel zum Beispiel beim Legen von Füllungen auf. Das ist wichtig, denn Nässe stört den Aushärtungsprozess z.B. des Kunststoffes, der mittels Licht in Gang gesetzt wird.

Nicht sauber, sondern rein

Die Instrumente des Zahnarztes werden nach jeder Behandlung desinfiziert und sterilisiert. Hat der Zahnarzt  Karies entfernt, desinfiziert er das Loch im Zahn, bevor die Füllung gelegt wird. Mit Alkohol werden beispielsweise Kronen gereinigt, bevor der Zahnarzt sie einsetzt. Der Patient kann während oder nach der Behandlung einen Becher Wasser nutzen, um Krümel auszuspülen.

Es werde Licht

Die kleine Lampe im Winkelstück des Bohrers ist natürlich nicht die einzige Beleuchtung im Behandlungszimmer. Eine OP-Leuchte leuchtet zielgerichtet in die Mundhöhle. Eine Blende verhindert, dass die Augen der Patienten zu stark vom Licht getroffen werden. Ein Lichtkasten dient dazu, konventionelle Röntgenbilder zu betrachten. Daneben können weitere Lichtquellen für spezielle Behandlungen eingesetzt werden. So kann der Zahnarzt mit dem blauen Licht der Polymerisationslampe Füllungen aus Kunststoff aushärten. Auch Kopflampen des Zahnarztes bieten sehr gute Sicht bei der Behandlung.

Manchmal bewaffnet

Bevor Pistolen zum Einsatz kommen, benötigt man eine Matrize und einen Matrizenspanner. Er zieht ein Stahlband um den Zahn, der eine Füllung erhalten soll. Das Stahlband konturiert die Füllung und verhindert, dass Füllungsmaterial in die Zahnzwischenräume gerät. Richtig gelesen – auch Pistolen gehören zum Instrumentarium des Zahnarztes. Mit einer Amalgampistole wird das Füllungsmaterial in den vorbereiteten Zahn eingebracht. Mit einer Silikonpistole mischt man zwei Silikonkomponenten und spritzt das entstandene Abformmaterial in einen Abdrucklöffel oder direkt auf den Zahn. Mit einer Applikationspistole füllt der Zahnarzt auch zahnfarbenen Kunststoff in das vorab präparierte Loch. Im Anschluss kann der Zahnarzt mit einem Heidemann-Spatel, einem Kugelstopfer oder anderen Instrumenten die Füllung modellieren. Abschließend beißt der Patient mit Ober- und Unterkiefer auf eine farbige Folie. Die Folie färbt die Bereiche der Zähne, die Kontakt miteinander haben. Der Zahnarzt überprüft so die korrekte Höhe der Füllung und kann gegebenenfalls störende Kontakte entfernen.

Tschüss Zahn

Man kann es nicht verschweigen. Es gibt den Fall der Fälle. Man muss sich von einem Zahn verabschieden. Es gibt verschiedene Extraktionszangen für die unterschiedlichen Zähne, zum Beispiel für die einwurzeligen Front- oder die mehrwurzeligen Seitenzähne. Dabei kommt auch der sogenannte Bein'sche Hebel zum Einsatz. Mit seinem hohlgeschliffenen Ende wird der Zahn oder ein abgebrochenes Wurzelstück erst gelockert und anschließend angehoben. Wie gut, dass Zahnärzte und Zahntechnikermeister für diesen Fall eine vielfältige Auswahl kaum erkennbaren Zahnersatzes herstellen und einfügen können.