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Interview „Komplikationen danach kann man beeinflussen“

Hat der Patient die Entfernung eines oder mehrerer Weisheitszähne gut überstanden,  ist das richtige Verhalten für eine gute Wundheilung entscheidend. Im Gespräch mit der Initiative proDente e.V. gibt Prof. Dr. Oesterreich Tipps, was man in den ersten Tagen nach dem Eingriff beachten sollte.

Wenn man an entfernte Weisheitszähne denkt, hat man sofort eine geschwollene Backe vor Augen. Wie vermeidet man diese?

Wichtig ist man kühlt die betroffene Stelle richtig. Richtig bedeutet, dass man am besten sofort nach dem Eingriff mit dem Kühlen beginnt. Entweder bekommt man von seinem Zahnarzt ein Kühlkissen oder man bringt sein eigenes von zuhause in einer Kühltasche zur Behandlung mit. Das Kühlkissen sollte in ein Tuch eingepackt werden, da bloßes Eis auf der Haut zu kalt ist. Zuhause sollte man  weiterkühlen, dabei aber immer Kühlpausen einlegen: 10 Minuten kühlen – 10 Minuten Kühlpause usw. Im Übrigen sollte man sich nach solchen Eingriffen immer nach Hause fahren lassen.

Treten nach einer Weisheitszahn-Operation bei jedem Schmerzen auf und was kann man dagegen tun?

Der Eingriff kann unterschiedlich kompliziert sein. Auch haben Patienten ein unterschiedliches Schmerzempfinden. Manche haben kaum Schmerzen, andere sehr starke. Wer nach dem Eingriff Schmerzen hat, sollte ein Schmerzmittel zu sich nehmen. In der Regel verschreibt der Zahnarzt oder Kieferchirurg ein geeignetes Präparat und erklärt die Anwendung. Medikamente mit Acetylsalicylsäure sind unbedingt zu vermeiden, da sie eine blutverdünnende Wirkung haben und Nachblutungen auslösen können.

In der Regel wird der Zahnarzt bereits am nächsten Tag den Heilungsverlauf und mögliche Schmerzen kontrollieren. Abhängig von der Situation sind Nachbehandlungen der Wunde mehrfach notwendig. Bei besonders komplizierten Eingriffen kann der behandelnde Zahnarzt ein Antibiotikum verschreiben.

Was tun, wenn die Wunde nachblutet?

Leichte Nachblutungen sind nach einer Zahnentfernung in der Regel ungefährlich und zunächst nicht beunruhigend. Meist treten diese mit dem Nachlassen der Betäubung auf. Unmittelbar nach dem Eingriff wird ein Tupfer für 15 Minuten zum festen Aufbeißen eingelegt. Um eine spätere Blutung zu stoppen kann, man für etwa eine halbe Stunde auf eine saubere Kompresse oder ein zusammengefaltetes Leinentuch beißen. Dabei sollte man den Kopf hoch lagern. Hören die Blutungen dennoch nicht auf, sollte unbedingt der Zahnarzt oder die diensthabende Notfallambulanz aufgesucht werden.

Um Nachblutungen zu vermeiden, sollte man in der ersten Tagen nach dem Eingriff auf sportliche Aktivitäten und anstrengende Arbeiten im Garten oder Haushalt verzichten. Der akut steigende Blutdruck kann Blutungen auslösen und verzögert die Wundheilung. Das Gleiche gilt für den Verzehr von koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee, Schwarztee und Energydrinks.

Wie kann man eine Entzündung der Wunde vermeiden?

Der Patient kann mit seinem Verhalten einiges dazu beitragen, dass die Wunde sich nicht entzündet oder große Komplikationen entstehen.  Der Wundbereich sollte bei der Kauaktivität gemieden werden. Die Speisen sollten nicht zu heiß oder belagbildend sein. Auch zu starkes Spülen sollte vermieden werden. Eine nach den Hauptmahlzeiten schonende aber konsequente Mundhygiene ist wichtig.  
Oftmals verschreibt der Zahnarzt ein antiseptisches Mundspülungen und erklärt, wie man es benutzen soll. In jedem Fall sollte auf das Rauchen verzichtet werden.

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