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Interview „Inlay, Onlay, Overlay …“

Wenn der Zahn durch Karies geschädigt ist, hilft nur noch ein Abtragen der kranken Zahnsubstanz und das Entfernen der Karies, um den Zahn zu retten. Das „Loch“ im Zahn wird durch eine Füllung geschlossen und der Zahn so möglichst naturgetreu „rekonstruiert“. Welche Methoden der Füllungstherapie heute möglich sind und wann man von einem Inlay, Onlay oder Overlay spricht, erläutert Dr. Dietmar Oesterreich in einem Interview mit der Initiative proDente e.V.

Welche Methoden werden heute zum Erhalt eines durch Kariesbakterien zerstörten Zahns eingesetzt?

Grundsätzlich ist es das Ziel beim Aufbau eines durch Karies zerstörten Zahns, die Form, Funktion und ästhetischen Belange wiederherzustellen. Für die Auswahl der verschiedenen Methoden sind der Umfang der Zerstörung, die individuelle Mundgesundheitssituation, aber auch die Erwartungshaltung des Patienten von zentraler Bedeutung. Die eingesetzte Methodik bestimmt daher auch den Umfang und die Auswahl der notwendigen Maßnahmen. Die präventionsorientierte Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde fordert ein minimalinvasives und substanzschonendes Vorgehen, das heißt, dass bei der Restauration des zerstörten Zahns so viel wie möglich eigene Zahnhartsubstanz erhalten werden soll. Vor diesem Hintergrund haben minimalinvasive Methoden auf Grundlage der Kunststofffüllungstechnik in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Unabhängig davon besitzen aber auch Füllungen aus Amalgam, Inlays aus Gold und Keramik, Onlays, Teilkronen und Kronen weiterhin ihre Bedeutung im Versorgungsalltag.

Was versteht man in der Zahnmedizin unter einem Inlay?

Streng übersetzt bedeutet Inlay Einlagefüllung. In der Vergangenheit wurde diese vornehmlich aus hochgoldhaltigem Edelmetall hergestellt. Aus ästhetischen Gründen können Inlays heutzutage ebenso aus Keramik, seltener aus Kunststoffen hergestellt werden. Inlays aus hochgoldhaltigen Edelmetallen werden vorwiegend im Seitenzahnbereich als sehr langlebige Alternativen zu Amalgamfüllungen eingesetzt. Sie erfordern allerdings eine sehr genaue Präparation, was unter Umständen dazu führt, dass im Gegensatz zu anderen Füllungstechniken mehr Zahnhartsubstanz geopfert werden muss. Inlays werden allerdings vorwiegend dann eingesetzt, wenn aufgrund der stärkeren Zerstörung der Zahnhartsubstanz andere Füllungsverfahren keine zuverlässigen Langzeitergebnisse versprechen. Nach der Präparation des durch Karies geschädigten Zahns werden anhand eines Abdrucks Modelle für die Herstellung des Inlays im zahntechnischen Labor hergestellt. Der Zahntechniker modelliert und stellt das Inlay auf diesen Modellen passgenau und entsprechend der Gegenkiefersituation her. In der Zahnarztpraxis werden die gefertigten Inlays nach Kontrolle der Passgenauigkeit und Nachbearbeitung der Kauebene einzementiert bzw. keramische Inlays mit Kunststoffen eingeklebt.

Moderne Verfahren der CAD/CAM-Technologie erlauben mithilfe von Mundkameras optische Abdrücke der Inlaypräparation im Mund des Patienten. Unter Umständen kann daraufhin in derselben Sitzung aus keramischen Werkstoffen sofort das Inlay hergestellt werden.

Was versteht man in der Zahnmedizin unter einem Onlay, Overlay oder einer Teilkrone?

Für die Herstellung dieser drei Restaurationsarten kommen die gleichen Methoden zur Anwendung wie bei einem Inlay. Der wesentliche Unterschied zu einem Inlay besteht darin, dass bei allen drei genannten Formen größere Teile der Kaufläche, einschließlich der kautragenden Höcker, teilweise oder vollständig einbezogen werden. Die Übergänge zwischen diesen Restaurationsformen sind fließend und nicht exakt abgrenzbar. Grundsätzlich werden diese Restaurationsformen angewendet, wenn Zähne stark zerstört sind, allerdings noch ausreichend Zahnhartsubstanz vorhanden ist, die keine vollständige Überkronung des Zahns erfordert. Sie erfüllen somit ebenso die Kriterien einer zahnhartsubstanzschonenden und minimalinvasiven Therapie.

Amalgam ist nicht mehr so stark in der Diskussion, wie noch vor einigen Jahren. Trotz allem besteht nach wie vor eine große Verunsicherung über seine Auswirkungen und der Wunsch vieler Patienten, bestehende Amalgamfüllungen zu ersetzen. Wie sinnvoll ist eine solche Maßnahme im Hinblick auf den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand?

Der weltweit existierende wissenschaftliche Kenntnisstand zum Amalgam zeigt auf, dass es keinerlei Grund gibt, intakte Amalgamfüllungen im Hinblick auf einen gesundheitsgefährdenden Aspekt durch andere Füllungen zu ersetzen. Amalgamfüllungen sollten jedoch bei einer nachgewiesenen Allergie, bei einer schweren Niereninsuffizienz und aus Gründen des vorsorgenden Gesundheitsschutzes während der Schwangerschaft nicht angewendet werden. Grundsätzlich ist allerdings festzustellen, dass Allergien auch gegenüber anderen Füllungsmaterialen, wie Kunststoffen, Gold oder Nichtedelmetallen, auftreten können. Amalgamfüllungen sind somit in der Zahnmedizin nach wie vor eine langlebige und preiswerte Alternative in der Füllungstherapie. Bedingt jedoch durch die frühzeitige Diagnostik einer Karies und der adhäsiven Kunststofffüllungstechnik ist ihre Anwendung in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Karies kann im Sinne eines minimalinvasiven und zahnhartsubstanzschonenden Vorgehens bei frühzeitiger Diagnostik ohne umfangreiche Füllungstechnik versorgt werden. Amalgamfüllungen werden grundsätzlich bei mittlerer Zerstörung der Zahnhartsubstanz angewendet. Im Bereich der Füllungstechnik im Milchgebiss werden heutzutage verstärkt Kunststofffüllungen und Glasionomerzemente angewendet. Nicht zuletzt besteht seitens des Patienten ein stärkerer Wunsch nach ästhetisch ansprechenden Versorgungen, wie Kunststofffüllungen und keramischen Versorgungen.