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Hochtechnologie für die Zähne

„Hauptsache gut verträglich und am besten im Mund gar nicht zu sehen!“ Diese Forderungen stellen immer mehr Menschen an ihren Zahnersatz. Erste Wahl in Sachen Ästhetik und Bioverträglichkeit sind Lösungen aus moderner Hightech-Keramik. Doch welche Zusammensetzung ist für die jeweiligen Defekte im Gebiss die richtige? Ein Gespräch mit Ihrem Zahnarzt schafft Klarheit.

„Von der Füllung bis zu Kronen und Brücken reicht das Spektrum keramischer Zahnersatzmaterialien – doch die Allround-Keramik für alle Fälle, die gibt es nicht“, stellt Dr. M. Oliver Ahlers, ProDente-Experte und Oberarzt am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, klar. Dem Zahnarzt stehen vielmehr zahlreiche keramische Werkstoffe zur Verfügung, aus denen er den geeigneten auswählen und fachgerecht einsetzen muss. Besonders gut geeignet ist Keramik für alle Menschen, die allergisch auf Metalle reagieren und aus diesem Grund auf einen metallfreien Zahnersatz setzen. „Aber auch Patienten ohne solche Allergien bevorzugen wegen der sehr guten Verträglichkeit und der Ästhetik zunehmend Lösungen ohne Metall“, schildert Dr. Ahlers seine Erfahrungen.

Zahnarzt und Zahntechniker Hand in Hand

Zahnarzt und Zahntechniker stellen gemeinsam teil- und vollkeramische Lösungen her – und müssen dabei sehr sorgfältig und Hand in Hand zusammenarbeiten. Denn von der Präzision ihrer Arbeit beim Präparieren des Zahns, bei der Werkstoffauswahl, bei Herstellung und Befestigung des Zahnersatzes im Mund hängt der dauerhafte Erfolg für den Patienten ab. Eine teilkeramische Krone oder Brücke besteht aus einem Metallkern, der mit einer ästhetisch ansprechenden und lichtdurchlässigen Keramik überzogen, „verblendet“ wird. Der Kern selbst ist jedoch nicht lichtdurchlässig. Ein natürlicherer Eindruck lässt sich mit einer vollkeramischen Versorgung erzielen. Sie ist im besten Fall gar nicht von den echten Zähnen zu unterscheiden. Zu den von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) wissenschaftlich anerkannten Indikationen für vollkeramische Restaurationen gehören adhäsiv befestigte (geklebte) Inlays und Teilkronen im Front- und Seitenzahnbereich und schließlich Keramik-Veneers. Hinzu kommen konventionell mit Zement befestigte Kronen aus neuen, besonders harten Keramiken.

Schöner Zahnersatz bei wenig Substanzverlust

Für Inlays, Onlays und Teilkronen setzt man heute auf die sogenannten Silikatkeramiken, die eine exzellente Optik bieten. Daher werden diese Keramikarten auch für die Anfertigung von Keramik-Veneers eingesetzt. Hierbei handelt es sich um hauchdünne transparente Keramikschalen, mit denen sich Verfärbungen und Fehlstellungen korrigieren und Zahnhartsubstanzdefekte der Frontzähne ausgleichen lassen. Für diese Behandlungsformen gilt, dass die Keramikrestauration mit dem Restzahn verklebt wird. Dies gewährleistet eine optimale Verbindung ohne Randspalten und ermöglicht sehr behutsame Präparationen unter minimalem Substanzverlust. So muss nur die Karies entfernt werden und nicht auch noch gesunde Zahnsubstanz.

„Dieser Vorteil macht sich gerade bei geklebten Teilkronen bemerkbar, und Keramik-Veneers wären ohne diese sogenannte Adhäsivtechnik gar nicht möglich“, so Dr. Ahlers, der sich in seinen Forschungsarbeiten an der Hamburger Universitätszahnklinik seit Jahren mit diesen Adhäsivsystemen beschäftigt. Die Silikatkeramiken sind ebenso für kleine, bis zu dreigliedrige Brücken im vorderen Gebissbereich geeignet. Geht es um Zahnersatz an den Seitenzähnen, die Tag für Tag einen enormen Kaudruck aushalten müssen, kommen besonders feste und dichte Keramikarten zum Einsatz: Aus speziellen Zirkonoxidkeramiken lassen sich Gerüste für Kronen und Brücken fertigen, die dann wiederum mit einer Silikatkeramik verblendet werden. „Solche vollkeramischen Kronen und Brücken werden schon heute vielfach mit Unterstützung computergesteuerter CAD/CAM-Verfahren hergestellt – mit sehr guten Ergebnissen“, weiß Dr. Ahlers.

Die Herstellung von Vollkeramik-Kronen und -Brücken ist allerdings sehr aufwendig: Die Keramik wird schichtweise auf das Gerüst aufgetragen und unter Vakuum gebrannt. So kann der künstliche Zahn seinen natürlichen Nachbarn in Beschaffenheit und Farbe angepasst werden. Ein so hochwertiger Zahnersatz hat natürlich seinen Preis: Bei einer Vollkeramik-Krone muss der Patient mit 1000.- Euro rechnen, die gesetzlich Versicherte in der Regel selbst bezahlen müssen. Auch deshalb ist eine gründliche Vorbesprechung mit dem behandelnden Zahnarzt wichtig.

Die Entwicklung geht stetig weiter

Keramische Werkstoffe sind aufgrund der sehr guten Bioverträglichkeit eine ideale Alternative zum Zahnersatz aus Metall. Vollkeramische Füllungen und Kronen haben inzwischen schon den Haltbarkeitsstandard erreicht, der früher nur dem Gold zugesprochen wurde. Doch auch mit Keramik gibt es keine Standard-Therapielösungen und nicht jedes Gebiss ist für eine Versorgung mit Vollkeramik-Kronen oder -Brücken geeignet. So spielen etwa die Platzverhältnisse im Mund des Patienten eine Rolle. Für kleinere Brücken im Front- und Seitenzahnbereich hat sich Keramik bereits bewährt, größere Gebisslücken sind mit solchen Lösungen aber zurzeit noch nicht zu versorgen. Allerdings ist die Entwicklung schon auf dem Weg dorthin: Für mehr als viergliedrige Brücken aus Vollkeramik liegen zwar kaum Langzeiterfahrungen vor, die ersten Ergebnisse sind aber vielversprechend. Besonders mit dem noch recht neuen und hoch belastbaren Werkstoff Zirkonoxidkeramik wachsen die Spannen, die sich mit Vollkeramik überbrücken lassen. Bedenkt man also, welche Fortschritte in den vergangenen zehn bis 15 Jahren mit keramischen Werkstoffen in der Zahnmedizin erzielt wurden, so ist von diesem Material auch in der Zukunft noch einiges zu erwarten.