Einzelansicht

Chirurgische Zahnbehandlung von A bis Z

Wer an Zahnbehandlungen denkt, dem fallen meist Bohrer, Spritzen, Füllungen und der Geruch von Desinfektionsmitteln ein. Neben dem Füllen von karieszerstörten Zähnen und dem Eingliedern von Kronen und Brücken gehören jedoch auch komplizierte chirurgische Eingriffe zu den täglichen Aufgaben eines Zahnarztes. Die chirurgischen Maßnahmen haben vielfältige Funktionen: Sie dienen zur Erhaltung zerstörter Zähne, bereiten den Weg für Zahnersatz oder stellen eine verloren gegangene Ästhetik im Mund wieder her.

Manchmal ist eine Wurzelspitzenresektion die einzige Möglichkeit, einen Zahn zu retten. Sie ist angezeigt, wenn sich bereits Eiter- oder Zystengewebe an der Wurzelspitze gebildet hat oder wenn stark gekrümmte Zahnwurzeln eine korrekte Wurzelkanalbehandlung verhindern. Die Wurzelspitzenresektion ist ein operativer Eingriff, der unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Dabei entfernt der Zahnarzt oder Kieferchirurg das infektiöse und entzündete Gewebe aus dem Knochenareal, das die Wurzelspitzen umgibt. Außerdem reinigt er die Wurzelkanäle, desinfiziert sie und dichtet sie mit einer Füllung ab. Mit einigen Fäden verschließt er das Zahnfleisch, damit das Gewebe schnell heilen kann. Nach ein paar Monaten bildet sich wieder neuer Knochen um das Ende der Wurzel.

Kieferknochen wird aufgebaut

Oft kommt jegliche zahnerhaltende Maßnahme zu spät und es bleibt nur noch eine letzte Möglichkeit: Der Zahn muss gezogen werden. Jetzt ist es wichtig, die Lücke so schnell wie möglich zu schließen, damit keine bleibenden Veränderungen im Gebiss entstehen. Eine Möglichkeit bilden Implantate, die sich als Anker für Brücken und Prothesen eignen. „Implantatgetragener Zahnersatz kommt der Natur am nächsten, deshalb fühlen sich die Patienten damit auch sehr wohl“, beschreibt Dr. Silke Liebrecht, ProDente-Expertin und Oberärztin im Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Köln, den Wert der künstlichen Zahnwurzeln für den Patienten.

Eine Voraussetzung für das erfolgreiche Einsetzen eines Implantats ist jedoch ein gesunder und starker Kieferknochen. Patienten, die über Jahrzehnte hinweg klassische Brücken und Prothesen getragen haben, verfügen meist über zu wenig Knochen rund um das Implantat. Hier „augmentieren“ die Spezialisten in leichteren Fällen. „Der Arzt entnimmt zum Beispiel in einem ambulanten Eingriff am Kinn oder im Mund im Bereich des hinteren Ober- und Unterkiefers Knochensplitter und fügt sie dort ein, wo das Implantat gesetzt werden soll“, erklärt Dr. Liebrecht. Der Zweiteingriff am Kinn oder im Kiefer ist in der Regel gefahrlos. Werden nur geringe Mengen Knochensplitter benötigt, können diese während der Implantation gewonnen werden, indem Knochenspäne beim Bohrvorgang mit speziellen Filtern aufgefangen werden.

Implantate werden in den Kiefer eingepflanzt

Ist genügend Knochen vorhanden, kann das Implantat eingesetzt werden. Die künstliche Zahnwurzel besteht in der Regel aus Titan und hat die Form einer Schraube. Die Einheilung dauert zwischen drei und acht Monate. Erst danach können der Implantatspfosten und die Krone eingesetzt werden.

Zahnfleisch wird rekonstruiert

Als ergänzende Maßnahme ist der Zahnarzt oftmals in ästhetischen Fragen als Chirurg gefordert. So kann er zum Beispiel zurückgewichenes Zahnfleisch rekonstruieren. Oft liegen infolge einer Parodontitis die Zahnhälse frei. Auch die kleinen Zahnfleischausbuchtungen in den Zahnzwischenräumen, die sogenannten Papillen, können sich zurückbilden. An den Zahnzwischenräumen erscheinen dann sogenannte „schwarze Dreiecke“. Um die Defekte zu decken, werden mikrochirurgisch kleine Gewebeanteile aus anderen Bereichen der Mundschleimhaut transplantiert. Ziel ist es, dem Patienten wieder zu einem strahlenden Lächeln zu verhelfen.

Seite: