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Er hat gebohrt!

Zucker und säurehaltige Lebensmittel sowie mangelnde Mundhygiene und Vorsorge machen den Kariesbefall der Zähne zu einer der Volkskrankheiten in Deutschland. Nahezu 100 Prozent der Bundesbürger im Erwachsenenalter hatten in ihrem Leben bereits eine Zahnkaries. Haben die Kariesbakterien den Zahnschmelz zerstört, kann nur noch der Bohrer helfen. Mit ihm trägt der Zahnarzt den erkrankten Bereich des Zahns ab und verhindert so ein Ausbreiten der Karies. Der Zahn wird anschließend gefüllt oder gegebenenfalls wieder aufgebaut, um seine Kauleistung erfüllen zu können.

Zahnbelag beherbergt Bakterien, die für die Entstehung der Karies verantwortlich sind. Er haftet fest am Zahn, ist klebrig und lässt sich nicht so einfach wegspülen. Nur mit den entsprechenden Hilfsmitteln wie Zahnbürste, Zahnpasta und Zahnseide können die Zähne regelmäßig davon befreit werden. Damit ein Zahn an einer Karies erkranken kann, müssen die den Zahn zahlreich besiedelnden Bakterien über eine ausreichend lange Zeit hinweg Nährstoffe – beispielsweise Zucker – zur Verfügung haben, die sich als Belag auf den Zähnen festsetzen. Die Bakterien verwandeln den Zucker in Säuren, die die Zahnsubstanz angreifen und zerstören.

Karies entfernen

Um den Zahn vor weiterem Schaden zu bewahren, ist in aller Regel eine zahnärztliche Behandlung unumgänglich. Mithilfe eines Zahnarztbohrers müssen die von der Zahnfäule betroffenen Stellen restlos entfernt werden, um ihr Ausbreiten zu verhindern und den Zahn zu retten.

Dafür wird zunächst ein geeigneter Zugang zur Karies durch gesunde Zahnhartsubstanz geschaffen. Dies geschieht meist mit schnell rotierenden diamantbeschichteten Bohrern, die wassergekühlt werden, um eine für den Zahn schädliche Hitzeentwicklung zu vermeiden. Zur möglichst volständigen Entfernung der bräunlichen und weichen Karies kommen dann unterschiedliche Methoden zur Anwendung:

Am häufigsten ist der Einsatz sogenannter Diamantschleifer. Diese „schaufeln“ die Karies bei geringer Drehzahl und ohne Wasserkühlung rotierend heraus. Mit Handinstrumenten –  sogenannten Excavatoren – kann bei kleineren kariösen Stellen die Karies wie mit einem kleinen Löffel herausgekratzt werden. Besonders bei kleinen Kindern, bei denen der Einsatz rotierender Instrumente wegen plötzlicher, unkontrollierter Bewegungen zu gefährlich wäre, kann ihr Einsatz sinnvoll sein.

Während der Behandlung wird der Zahn  mit einem Wasser-Luft-Gemisch (mindestens 50 ml Wasser/min) gekühlt und gleichzeitig gereinigt. Überschüssiges Wasser, Speichel und die ausgebohrte Karies entfernt die Zahnarzthelferin mit einem Absaugschlauch.

Schmerzlos bohren

Schmerzen beim Bohren entstehen durch den Druck, die rotierende Bewegung und die Hitze des Bohrers. Mit einer Spritze wird deshalb der betroffene Bereich während der Behandlung betäubt, sodass das Bohren schmerzfrei vonstattengeht.

Da sich die Zahnsubstanz anders als beispielsweise der Knochen nicht regenerieren kann, muss das gesäuberte Loch anschließend gefüllt werden, um das empfindliche Zahninnere zu schützen und die Kauleistung wiederherzustellen.

Neben der klassischen Behandlung mit dem Diamant- und oder Hartmetallbohrer werden zum Teil auch chemische Methoden wie Gel und Laserstrahlen zur Unterstützung der Kariesentfernung eingesetzt. Diese Methoden befinden sich zum Teil jedoch noch in der Entwicklungsphase und können zum jetzigen Zeitpunkt den herkömmlichen Bohrer noch nicht voll ersetzen.