Interview "Jeder Besuch ist ein Erfolgserlebnis"
Nach einer Untersuchung haben etwa zehn Prozent aller Menschen, die im Wartezimmer sitzen, eine regelrechte therapiebedürftige Phobie Phobie
Neurotische, unangemessene objekt- oder situationsbezogene Angst- und Vermeidungsreaktion, z.B. Zahnbehandlungsphobie, Klaustrophobie, Agoraphobie.
vor der zahnärztlichen Behandlung. Monika Bahr gehört zu diesen Zahnbehandlungsphobikern. Sie erlitt jahrelange Schmerzen und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, aus Angst mit ihren schlechten Zähnen unangenehm aufzufallen. In einem Interview mit proDente beschreibt Sie Ihre Ängste und den Weg in die Normalität.
Sie leiden unter massiver Zahnbehandlungsangst. Wie lange haben Sie sich vor dem gefürchteten Besuch beim Zahnarzt gedrückt?
In den letzten 20 Jahren war ich gerade einmal beim Zahnarzt. Und das auch nur, weil ich die Schmerzen nicht mehr ertragen habe.
Gibt es einen Grund für Ihre Angst vor dem Zahnarztbesuch?
Mit acht Jahren habe ich sehr schlechte Erfahrungen beim Zahnarzt gemacht. Der Zahnarzt bohrte mir ohne Betäubung auf dem Nerv herum. Obwohl ich stark blutete und heftige Schmerzen hatte, hörte er nicht auf. Seither bekam ich jedes Mal Schreikrämpfe, wenn meine Mutter mit mir zum Zahnarzt wollte.
Leiden Sie momentan unter Beschwerden?
Einige meiner Zähne sind kaputt. Ein Weisheitszahn und ein Backenzahn sind abgebrochen, außerdem habe ich vier Löcher. Seit einiger Zeit kann ich nur noch weiche Nahrung zu mir nehmen wie Nudeln, Suppen oder Brot ohne Rinde.
Hat der schlechte Zustand ihrer Zähne Konsequenzen auf ihr Verhalten in der Öffentlichkeit?
Natürlich ist es mir peinlich, wenn ich lache, und die Anderen blicken auf meine Zahnlücken. Fremden gegenüber fühle ich mich gehemmt, da ich Angst habe, dass meine Zähne einen schlechten Geruch verströmen.
Vor was genau haben Sie beim Zahnarztbesuch Angst?
Am meisten habe ich Angst davor, den Schmerzen ausgeliefert zu sein. Deshalb fürchte ich mich schon vor der Spritze.
Was haben Sie unternommen, um Ihre Ängste zu überwinden?
Da ich noch unter anderen Ängsten leide, habe ich eine Verhaltenstherapie gemacht. Es hat mir sehr geholfen, dass meine Ängste dort ernst genommen wurden. Ich habe dort gelernt, wie ich mit ihnen umgehe und wie ich den einsetzenden Kreislauf der ‚Angst vor der Angst’ durchbrechen kann. Wichtig waren für mich auch gute Freunde, mit denen ich offen über alles sprechen konnte. Trotzdem muss man den eigentlichen Schritt immer selbst tun. Ich habe mir schließlich übers Internet einen Zahnarzt gesucht, der sich auf Zahnbehandlungsphobiker spezialisiert hat.
Wie war ihr erster Besuch dort?
Es ist wichtig, von Anfang an zu sagen, dass man starke Angst vor der Behandlung hat. Mein Zahnarzt hat sich beim ersten Mal über eine Stunde Zeit für mich genommen. Er hat mir jedes Instrument in die Hand gegeben und mir alles genau erklärt. Er war sehr ruhig und sehr verständnisvoll, wodurch ich Vertrauen zu ihm aufgebaut habe. Als zweiten Schritt habe ich mir Zahnstein Zahnstein
Verhärteter Zahnbelag, der sich nur vom Zahnarzt mit Schaber oder Ultraschall entfernen lässt. Zahnstein entsteht aus bakterieller Plaque, die sich durch Einlagerung von Mineralien aus dem Speichel verhärtet. Die rauhe Oberfläche begünstigt weitere Auflagerungen des Zahnbelags und ist dadurch an der Entstehung von Entzündungen des Zahnfleischs beteiligt.
entfernen lassen. Obwohl ich immer noch Angst habe, habe ich schon den nächsten Termin, an dem mir zwei kaputte Zähne gezogen werden. Jeder weitere Besuch ist für mich ein Erfolgserlebnis, auf das ich sehr stolz bin.
