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Angst entsteht schon in der Kindheit

Als Leiter der Zahnärztlichen Angst-Ambulanz in Hamburg arbeitet Dr. Mats Mehrstedt bereits seit 1979 mit Patienten, die unter Zahnbehandlungsängsten leiden. Dass der Angstauslöser „Schmerz“ sich heute durch eine umsichtige Behandlungsweise vermeiden lässt, erläutert der Zahnarzt und Fachbuch-Autor („Ohne Angst zum Zahnarzt“) im Interview mit proDente.

Wie viele Menschen haben Angst vor dem Zahnarzt?

Das ist schwer zu sagen. Nach einer Untersuchung haben etwa zehn Prozent aller Menschen, die im Wartezimmer sitzen, eine regelrechte therapiebedürftige Phobie Phobie
Neurotische, unangemessene objekt- oder situationsbezogene Angst- und Vermeidungsreaktion, z.B. Zahnbehandlungsphobie, Klaustrophobie, Agoraphobie.
vor der zahnärztlichen Behandlung. Geht man davon aus, dass diese Menschen nur zum Zahnarzt gehen, wenn sie es vor Schmerzen nicht mehr aushalten, ist die Dunkelziffer sicher noch viel höher.

Woher kommen solche Ängste?

Oft haben die Patienten schlechte Erfahrungen beim Zahnarzt gemacht: dadurch, dass der Arzt sie grob behandelt hat, sie nicht ernst genommen hat oder nicht ausreichend für eine schmerzfreie Behandlung gesorgt hat. So darf beispielsweise ein Zahn Zahn
Fachausdruck: Dens. Dient der Nahrungszerkleinerung und beeinflusst die Lautbildung. Der Zahn besteht aus der Zahnkrone und der Zahnwurzel. Das Zahninnere nennt man Zahnmark (Pulpa); es ist von Zahnbein (Dentin) umschlossen. Das Dentin wiederum wird im Bereich der Zahnkrone von Zahnschmelz und im Bereich der Zahnwurzel von Wurzelzement umgeben. Im Milchzahngebiss sind 20 Zähne (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht Backenzähne) vorhanden. Mit ca. sechs Jahren beginnt der Zahnwechsel. Die Milchzähne werden durch die bleibenden Zähne ersetzt und weitere bleibende Zähne wachsen dazu, so dass im bleibenden Gebiss inklusive der Weisheitszähne 32 Zähne vorhanden sind (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht kleine Backenzähne (Prämolaren), zwölf große Backenzähne (Molaren)).
nicht behandelt werden, wenn er entzündet und damit nicht zu betäuben ist. Dann muss man erst dafür sorgen, das die Entzündung Entzündung
Gewebeschädigung durch mechanische (z.B. Fremdkörper), physikalische (z.B. Hitze, Kälte, UV-Licht), chemische (z.B. bakterielle Gifte, Säuren, Laugen) Reize oder Erreger (Mikroorganismen, Würmer, Insekten) mit den fünf typischen Symptomen: Rötung, Schwellung, Schmerz, Hitze und gestörte Funktion.
abklingt. Meist entstehen die Ängste schon im Kindesalter, deshalb ist ein behutsamer Umgang des Zahnarztes mit Kindern besonders wichtig. Sonst kommen diese Kinder vor lauter Angst möglicherweise gar nicht mehr in die Praxis.

Sind manche Personengruppen anfälliger für Phobien als andere?

Untersuchungen zeigen, dass Frauen eher betroffen sind als Männer, sozial Schwache eher als Wohlhabende, Jüngere eher als Ältere. Außerdem gibt es Zahnbehandlungsphobien eher bei Menschen, die ohnehin zu psychischen Problemen neigen und auch unter anderen Ängsten leiden.

Wie können Zahnärzte diese Ängste abbauen?

Neben Fortbildungen zum Umgang mit Angstpatienten kann jeder Zahnarzt seine Patienten vor allem ernst nehmen. Er kann zuhören und konkret nach Ängsten fragen. Der Patient sollte gründlich über die Behandlung aufgeklärt werden und sich selbst dazu entscheiden. Wichtig ist auch, dass der Zahnarzt immer schmerzfrei arbeitet. Denn jede zahnärztliche Behandlung ist ohne Schmerzen möglich.

Wie gehen Sie in der Angst-Ambulanz mit phobischen Patienten um?

Ich führe zuerst einmal ein Gespräch, in dem ich mit dem Patienten über seine Angst rede. Für viele Menschen ist es wichtig zu erkennen, dass ihre Angst nichts Ungewöhnliches ist und andere auch betroffen sind. In einer zweiten Sitzung kann man beispielsweise das Gebiss Gebiss
Gesamtheit der Zähne des Ober- und Unterkiefers. Das erste Gebiss, die Milchzähne, besitzt 20, das bleibende Gebiss 32 Zähne. Es besteht aus einem oberen und einem unteren -> Zahnbogen.
nur untersuchen. Beim dritten Mal könnte eine Röntgenuntersuchung stattfinden oder das entfernen von Zahnstein Zahnstein
Verhärteter Zahnbelag, der sich nur vom Zahnarzt mit Schaber oder Ultraschall entfernen lässt. Zahnstein entsteht aus bakterieller Plaque, die sich durch Einlagerung von Mineralien aus dem Speichel verhärtet. Die rauhe Oberfläche begünstigt weitere Auflagerungen des Zahnbelags und ist dadurch an der Entstehung von Entzündungen des Zahnfleischs beteiligt.
. Dann erst kommt es bei einem weiteren Termin zur ersten richtigen Behandlung. Wichtig ist, dass der Patient von Mal zu Mal mehr Vertrauen fasst und kleine Erfolgserlebnisse auf dem Zahnarztstuhl sammelt.