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Wenn das Lachen unterdrückt wird

Kein Witz: Lachen war nicht immer gesellschaftsfähig. „Mann“ lachte nur hinter vorgehaltener Hand. Noch schlechter erging es Frauen. Denn Frauenlachen war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verpönt. Frauen, die laut lachten, erschienen sogar als billige Prostituierte.

Ein Ergebnis des jahrhundertelangen Einflusses der Religion. Der christliche Glaube lehnte Sinnesfreuden ab. Doch auch die fehlende Mundhygiene wird ihren Beitrag dazu geleistet haben.

Der Schweizer Forscher Willibald Ruch ist überzeugt, dass die Fähigkeit zu lachen angeboren ist. Es gibt zwar Menschen, die mit einer Dosis Lachgas keine Miene verziehen, aber Wissenschaftler sind überzeugt, dass Lachen nicht erlernt werden muss. Kleinkinder können bis zu 400-mal täglich lachen. Erziehung und gesellschaftliche Zwänge vermindern das Lachen mit zunehmendem Alter.

Ästhetik kann ungezwungenes Lachen verhindern

Wer Maria F. heute gegenübersitzt, kann nicht glauben, dass sie vor zwei Jahren noch verunsichert und stellenweise gehemmt war. Die 29-jährige Versicherungsfachangestellte trägt glatte dunkle Haare und wirkt mit ihren dunklen Augen auf den ersten Blick eher südländisch. Zu ihrem frischen Teint gesellen sich ein voller Mund und ein gewinnendes Lächeln. Doch all diese Komponenten wurden über viele Jahre von lückenhaften und beschädigten Frontzähnen überlagert.

Nachlässigkeit in der Pubertät

„Angefangen hat alles mit meiner ersten Klammer“, berichtet Maria F. Kurz vor einem längeren Auslandsaufenthalt mit ihrer Familie zerbrach die herausnehmbare Klammer beim Spielen. Die Eltern der damals 13-Jährigen verpassten den rechtzeitigen Besuch beim Kieferorthopäden. Während des zweijährigen Aufenthalts geriet die Fehlstellung weiter in Vergessenheit. „Mir war diese Klammer auch immer etwas lästig, sodass ich über die Nachlässigkeit meiner Eltern keineswegs traurig war“, lacht Maria F. Schließlich blieb die Stellung der vier Frontzähne unbehandelt.

Fahrradunfall beschädigt Frontzahn

Vor fünf Jahren erlitt sie einen Unfall. „Ich habe einen Moment nicht aufgepasst und musste plötzlich mit meinen Rad bremsen“, berichtet die passionierte Mountainbikerin. Maria F. hatte im Moment der Bremsung nur die linke Hand auf ihrem Lenker. Dem Hindernis konnte sie nicht ausweichen. Sie reagierte schnell, bremste mit der einzig verbliebenen Hand auf der Lenkstange und drückte ausschließlich die Vorderbremse. „Natürlich bin ich im hohen Bogen über den Lenker geflogen“, grinst Maria F. Sie kam glimpflich davon, hatte anschließend aber dennoch unter einer Unfallfolge zu leiden. Ein Schneidezahn hatte ein Trauma erlitten. In der Folge wurde der Zahn immer dunkler.

Schleichende Hemmung zu lachen

Anfänglich nahm sie die Verfärbung gar nicht wahr. Doch der morgendliche Blick in den Spiegel weckte schon Monate später erste Hemmungen. Dennoch verdrängte Maria F. den Verlust der natürlichen Zahnfarbe und glaubte, auch ihre Familie und ihre Freunde würden die Veränderung nicht weiter wahrnehmen. Das Schlüsselerlebnis folgte bei einem Kinobesuch mit einer guten Freundin.

Beim anschließenden Besuch einer Altstadtkneipe frotzelten die beiden Frauen noch über die soeben gesehene Komödie. „Sag mal du lachst gar nicht mehr so herzlich wie früher, liegt das an deinem Zahn?“, unterbrach ihre Freundin plötzlich das Gespräch. So direkt hatte Maria F. noch nie jemand darauf angesprochen. Und in diesem Moment wurde ihr bewusst, dass sie unmerklich immer häufiger versucht hatte, eine Hand vor den Mund zu halten, weil sie ihre Frontzähne unansehnlich fand. Glück im Unglück: Ihre Freundin konnte ihr direkt einen Zahnarzt empfehlen, bei dem Maria F. schon wenige Tage später den ersten Termin hatte.