Einzelansicht

Interview "Gepflegt auf Jobsuche"

Laut einer texanischen Studie verdienen gut aussehende Menschen bei gleicher Qualifikation bis zu 5 % mehr als ihre durchschnittlich attraktiven Kollegen.

Es herrschen schwierige Zeiten auf dem Arbeitsmarkt. Da gilt es, sich gezielt vorzubereiten. Den Einstieg bildet natürlich eine erstklassige Bewerbung. Doch die nächste Hürde heißt Vorstellungsgespräch. Worauf es dabei ankommt und welche Rolle gepflegte Zähne spielen, erklärt der Managementberater Michael Lorenz im Interview. Lorenz war 12 Jahre Geschäftsführer und Partner bei der Unternehmensberatung Kienbaum Management Consultants.

Herr Lorenz, Sie sind Spezialist im Bereich Personalentwicklung, Beurteilung und Training. Welche Merkmale spielen, Ihrer Meinung nach, bei der Beurteilung der Attraktivität eines Menschen eine Rolle?

Unser Schönheitsideal hat sich im Laufe der Geschichte stark gewandelt. Denken Sie nur an die Leibesfülle von Frauen in der Barockzeit oder die klassischen männlichen Gesichtszüge aus der Antike. In unseren Beurteilungen unterliegen wir also dem herrschenden Zeitgeist. Im Moment sind Merkmale wie Körpergröße, jugendliches und vor allem gesundes Aussehen en vogue.

Welche Rolle spielen Zähne bei der Wirkung auf andere?

Wenn ein Mensch lächelt, entblößt er seine Zähne. Zeigt sich dann ein unschönes Bild, leidet natürlich der ursprünglich sympathische Eindruck. Der Gesprächsverlauf erhält womöglich eine negative Wendung. Ich habe auch schon oft beobachtet, dass Leute, die schlechte Zähne haben, sich sehr zurückhaltend verhalten. Sie lächeln weniger und nehmen sich in Gesprächssituationen gern zurück oder halten die Hand vor den Mund. Meine Erfahrung ist, dass schöne Zähne das Selbstwertgefühl eines Menschen steigern und durch ständiges positives Feedback der Mitmenschen eine natürliche Attraktivität entsteht.

Welche Konsequenzen hat ein attraktives Äußeres bei Vorstellungsgesprächen?

Never trust a pretty face. Ein weitverbreiteter Spruch in unserer Branche, an dem aus meiner Sicht auch viel Wahres dran ist. Dennoch glaube ich, dass man als Mensch, der andere Menschen beurteilen soll, unbewussten Eindrücken unterliegt, die das Urteil beeinflussen können. In den letzten fünfzehn Jahren hat bei den Personalberatern aber eine starke Professionalität eingesetzt. Es gilt, die Eignung eines Menschen für eine bestimmte Tätigkeit zu prüfen, unabhängig von seinem Aussehen. Nichtsdestotrotz gibt es immer noch Tätigkeiten, für die ein gutes Erscheinungsbild als Bestandteil der Jobqualifikation angesehen werden muss, wie am Empfang, im Kundenservice oder bei Messen.

Haben es Beautys tendenziell leichter?

Ein sympathisches und attraktives Äußeres ist natürlich eine tolle Eintrittskarte. Aber mehr auch nicht, denn im Beruf zählen Leistung und Durchsetzungskraft. Ich glaube also, Aussehen ist nur ein Bestandteil in dem ganzen Komplex.

Kommt ein offenes Lachen im Gespräch gut an?

Natürlich, eindeutig! Lachen ist ein wesentlicher Bestandteil der Entspannung und der Kommunikation. Die Geste kommt ja aus dem Tierreich und zeigt: Ich habe keine feindlichen Absichten.

Welche Signale setzen schlechte und ungepflegte Zähne?

Sie führen zur Annahme, dass dieser Mensch nachlässig mit sich selbst umgeht und möglicherweise so auch seine Arbeit erledigt. Vielleicht hat er übergroße Angst vor dem Zahnarzt und sein schlechtes Zahnbild schon komplett verdrängt. Es könnte auch jemand sein, dem die Wirkung auf andere absolut egal ist. Ich denke, man kann daran auf jeden Fall erkennen, dass sich dieser Mensch relativ selten auf öffentlichem Parkett bewegt. Andernfalls hätte er bestimmt schon Reaktionen auf seine Zähne erhalten.

Schauen Sie bei Frauen eher auf die Zähne als bei Männern?

Ich schaue bei Frauen und bei Männern immer zuerst auf die Hände und ins Gesicht, und damit zwangsläufig auf die Zähne. Ehrlich gesagt, kann ich nicht sagen, dass ich bei Frauen eher auf die Zähne schaue, als bei Männern.

Worauf sollte man bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch besonders achten?

Eine der Umgebung und Situation angepasste Kleidung ist wichtig. Dabei ist es leichter verschmerzbar, overdressed zu sein, als underdressed. Denn dem Bewerber fehlt oft die Information, wie der Dresscode in einem Unternehmen ist. Selbst in Firmen der New Economy, wo der Rollkragenpulli und die Jeans im Arbeitsalltag durchaus legitim sind, muss es das beim Vorstellungsgespräch nicht sein. Mit einem klassischen Outfit, sprich Anzug (schwarze Schuhe, dunkle Socken, weißes oder blassfarbenes Hemd) für den Herrn und Kostüm oder Hosenanzug für die Dame, hält man sich selbst alle Optionen offen.

Seite: