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Interview "Veneers sind mehr als Kosmetik"

Privatdozent Dr. Oliver M. Ahlers, Oberarzt am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, im Interview über den Einsatz von Veneers in der ästhetischen Zahnheilkunde.

Herr Dr. Ahlers, was genau ist eigentlich ein Veneer?

Veneer ist das englische Wort für „verhüllen“ oder „verdecken“ und wird in der ästhetischen Zahnheilkunde als Bezeichnung für eine Verblendschale aus Keramik verwendet, die adhäsiv – also an den Zahn geklebt wird.

Wann ist der Einsatz von Veneers empfehlenswert?

Anfangs hat man Keramik-Veneers nur aus kosmetischen Gründen angewendet, zum Beispiel bei hässlichen Zahnverfärbungen oder um Lücken zu verdecken. Inzwischen hat man festgestellt, dass moderne Keramik-Veneers viel mehr leisten können. So werden sie heutzutage auch bei abgebrochenen Zahnecken, bei Karies oder Frakturen, eingesetzt. Auch um das Kauvermögens wiederherzustellen können mit Veneers gute Erfolge erzielt werden. Studien belegen in allen drei Fällen eine lange Haltbarkeit.

Warum bestehen Veneers aus Keramik?

Keramik ist form- und farbbeständig und den Eigenschaften des natürlichen Zahns sehr ähnlich. Nachdem der Zahnarzt den Zahn vorbehandelt, sprich geschliffen hat, nimmt er einen Abdruck und gibt diesen ins zahntechnische Meisterlabor. Der Zahntechniker fertigt das Veneer auf dem Modell an und gibt es anschließend zum Einsetzen dem Zahnarzt. Sorgfältig wird der Zahn dann vorbereitet und das Veneer in einem speziellen neuartigen Verfahren fest eingeklebt. Im Gegensatz zur herkömmlichen „Zementierung“ auf den Zahn, wie zum Beispiel bei einer Krone, hat dies einen ganz klaren Vorteil. Denn es ermöglicht dünne Schichtstärken, was den betroffenen Zahn schont und besonders ästhetisch ist.

Wie lange hält ein solches Veneer?

Vorliegende klinische Langzeituntersuchungen belegen, dass innerhalb von sechs Jahren nur zwei Prozent der Keramik-Veneers verloren gehen. Diese positive Bilanz hat zur Anerkennung des Verfahrens durch die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) geführt.

Kann die Behandlung in der Zahnarztpraxis durchgeführt werden oder muss man dafür in die Klinik?

Die Behandlung mit Keramik-Veneers ist kein Grund, in die Klinik zu gehen, sondern in einer modernen Zahnarztpraxis durchaus möglich. Je nach Anzahl der Veneers dauern die Präparation und das Einsetzen jeweils eine bis mehrere Stunden. Allen, die grundsätzlich etwas ängstlicher sind, kann ich ruhigen Gewissens versichern, dass es eine besonders schonende Behandlung ist.

Gibt es aus medizinischer Sicht Einschränkungen für den Einsatz von Keramik-Veneers?

Generell stellt der Einsatz von Keramik-Veneers keine gesundheitliche Gefährdung dar, weil das Keramikmaterial eine sehr hohe Bioverträglichkeit hat. Probleme gibt es nur bei sehr massiv fluoridiertem Zahnschmelz. Zudem eignet sich diese Methode nicht bei Milchzähnen. Außerdem sollten „Zähneknirscher“, keine einzelnen klassischen Veneers erhalten, sondern ihre Behandlung sollte in ein funktionelles Gesamtkonzept zur Wiederherstellung der „Front-Eckzahn-Führung“ eingebettet werden.

Welche Vorteile haben Veneers im Gegensatz zu anderen Methoden, etwa einer Krone?

Die Keramik-Veneers haben den Vorteil, dass sie genau dort eingesetzt werden, wo es wirklich notwendig ist, und nur der tatsächlich betroffene Bereich und die unmittelbare Umgebung des Zahns präpariert werden muss. Für eine Krone dagegen muss zwei bis drei Mal so viel Zahnhartsubstanz abgeschliffen werden.