"Volksmund wissenschaftlich nicht belegt"
„Jedes Kind kostet einen Zahn“ oder „Nach jeder Mahlzeit schleunigst putzen“ – von klein an begleiten uns diese Weisheiten. Doch woher kommen sie und stimmen sie wirklich? Der Zahnarzt Dr. Dietmar Oesterreich gibt in einem Interview mit proDente Auskunft über die Entstehung und Folgen von Zahnmythen.
Wie entstehen Zahnmythen?
Ein Mythos entsteht sicherlich immer dann, wenn zu einer gegebenen Zeit, Entwicklungen und Erscheinungen an Zähnen und in der Mundhöhle Mundhöhle
Der Raum, der nach vorne durch die Lippen, nach oben durch den harten und weichen Gaumen, der sie von der Nasenhöhle trennt, seitlich durch die Wangen und nach unten durch den Mundboden begrenzt ist. Nach hinten geht die Mundhöhle in den mittleren Rachen über, der hinter den beiden Gaumenbögen liegt. Zwischen dem vorderen und dem hinteren Gaumenbögen liegt die Gaumenmandel, die zusammen mit den Rachenmandeln und der Zungenmandel einen lymphatischen Ring, den sogenannten Waldeyerschen Rachenring bilden. Mundhöhle ist die Mundspalte, die hintere die Schlund- oder Rachenenge. Die gesamte Mundhöhle ist mit Schleimhaut ausgekleidet.
nicht durch wissenschaftliche Erkenntnisse erklärt werden können. Dabei werden zum Teil irrationale und falsche Vorstellungen als Erklärung herangezogen. Als schwierig erweist es sich, diesen Mythen wissenschaftlich abgesicherte Erklärungen entgegen zu stellen. Oftmals halten sie sich nach wie vor hartnäckig in der Bevölkerung. Nicht selten dienen sie als individuelle Schutzfunktion gegenüber dem eigenen Verhalten.
Welche Zahnmythen sind am weitesten verbreitet?
Hier sind in erster Linie die Begleiterscheinung einer Schwangerschaft zu nennen. „Jedes Kind kostet einen Zahn“ ist beispielsweise sehr weit verbreitet. Aber auch der großzügige Umgang mit der Mundgesundheit von Kindern wie z.B. „Milchzähne Milchzähne
Sie bilden das erste Gebiss und brechen etwa ab dem 6. bis 7. Lebensmonat durch. Das Milchgebiss hat 20 Zähne, die zwischen dem 6. und dem 12. Lebensjahr ausfallen und durch die bleibenden Zähne ersetzt werden.
sich nicht wichtig und fallen sowieso aus“.
Viel benutzt wird auch das Sprichwort „Man muss sich durch’s Leben beißen“. Es bezieht sich auf das Funktionssystem der Kiefergelenke. Hier gilt, dass zuviel „Durchbeißen“, wie Knirschen Knirschen
Unbewusstes Reiben der Kauflächen der Oberkieferzähne gegen die Kauflächen der Unterkieferzähnen teilweise mit starkem Druck; in der Regel nachts beim Schlafen, stressbedingt. Folgen können Abnutzungserscheinungen an der Zahnhartsubstanz, Schäden am Zahnhalteapparat sowie Muskel- und Kiefergelenkschmerzen sein. Die Behandlung erfolgt symptomatisch mit einer Knirscherschiene.
und Pressen, eine bedeutende Rolle bei der Auslösung von ernsten Krankheitsbildern wie der Cranio-Mandibulären Dysfunktionen (CMD CMD
kranio-mandibuläre Dysfunktion: Funktionsstörung des Kopf-(kranio)/ Unterkiefer-. (mandibula) Bereichs; Sammelbezeichnung für eine Vielfalt von Erkrankungen des Kausystems mit Symptomen im Kopf-Hals-Nackenbereich.
) spielen kann.
Was halten Sie von dem Spruch: Jedes Kind kostet einen Zahn Zahn
Fachausdruck: Dens. Dient der Nahrungszerkleinerung und beeinflusst die Lautbildung. Der Zahn besteht aus der Zahnkrone und der Zahnwurzel. Das Zahninnere nennt man Zahnmark (Pulpa); es ist von Zahnbein (Dentin) umschlossen. Das Dentin wiederum wird im Bereich der Zahnkrone von Zahnschmelz und im Bereich der Zahnwurzel von Wurzelzement umgeben. Im Milchzahngebiss sind 20 Zähne (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht Backenzähne) vorhanden. Mit ca. sechs Jahren beginnt der Zahnwechsel. Die Milchzähne werden durch die bleibenden Zähne ersetzt und weitere bleibende Zähne wachsen dazu, so dass im bleibenden Gebiss inklusive der Weisheitszähne 32 Zähne vorhanden sind (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht kleine Backenzähne (Prämolaren), zwölf große Backenzähne (Molaren)).
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Unzweifelhaft ist die Schwangerschaft in der Lebensphase einer Frau eine besondere Situation, die nicht zuletzt auch Auswirkungen in der Mundhöhle Mundhöhle
Der Raum, der nach vorne durch die Lippen, nach oben durch den harten und weichen Gaumen, der sie von der Nasenhöhle trennt, seitlich durch die Wangen und nach unten durch den Mundboden begrenzt ist. Nach hinten geht die Mundhöhle in den mittleren Rachen über, der hinter den beiden Gaumenbögen liegt. Zwischen dem vorderen und dem hinteren Gaumenbögen liegt die Gaumenmandel, die zusammen mit den Rachenmandeln und der Zungenmandel einen lymphatischen Ring, den sogenannten Waldeyerschen Rachenring bilden. Mundhöhle ist die Mundspalte, die hintere die Schlund- oder Rachenenge. Die gesamte Mundhöhle ist mit Schleimhaut ausgekleidet.
zeigt. So zeigen neue wissenschaftliche Erkenntnisse, dass während der Schwangerschaft vorhandene Erkrankungen, insbesondere des Zahnfleisches und des Zahnhalteapparates, verstärkt werden können. Eine Parodontitis Parodontitis
Entzündung des Zahnbettes. Zu unterscheiden in Parodontitis apicalis, Parodontitis interradicularis, Parodontitis marginalis.
kann dann zu einer Frühgeburt oder einem Untergewicht des Säuglings führen.
Grundsätzlich ist die Aussage „Jedes Kind kostet einen Zahn“ jedoch falsch. Eine regelmäßige Vorsorge und eine optimale Zahn- Zahn-
Fachausdruck: Dens. Dient der Nahrungszerkleinerung und beeinflusst die Lautbildung. Der Zahn besteht aus der Zahnkrone und der Zahnwurzel. Das Zahninnere nennt man Zahnmark (Pulpa); es ist von Zahnbein (Dentin) umschlossen. Das Dentin wiederum wird im Bereich der Zahnkrone von Zahnschmelz und im Bereich der Zahnwurzel von Wurzelzement umgeben. Im Milchzahngebiss sind 20 Zähne (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht Backenzähne) vorhanden. Mit ca. sechs Jahren beginnt der Zahnwechsel. Die Milchzähne werden durch die bleibenden Zähne ersetzt und weitere bleibende Zähne wachsen dazu, so dass im bleibenden Gebiss inklusive der Weisheitszähne 32 Zähne vorhanden sind (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht kleine Backenzähne (Prämolaren), zwölf große Backenzähne (Molaren)).
und Mundhygiene Mundhygiene
Maßnahmen zur Entfernung von Zahnbelägen mit Hilfsmitteln wie Zahnbürste, Zahnpasta, Zahnstocher, Zahnseide und Wasserstrahlgeräte.
bietet die beste Voraussetzung für die Vermeidung von Munderkrankungen. Das Kariesrisiko kann eingedämmt werden, indem zuckerhaltige Speisen nicht zwischen den Hauptmahlzeiten verteilt über den Tag aufgenommen werden. Bricht die Schwangere häufig, sollten nach dem Erbrechen keinesfalls gleich die Zähne geputzt werden. Besser ist es, die Mundhöhle Mundhöhle
Der Raum, der nach vorne durch die Lippen, nach oben durch den harten und weichen Gaumen, der sie von der Nasenhöhle trennt, seitlich durch die Wangen und nach unten durch den Mundboden begrenzt ist. Nach hinten geht die Mundhöhle in den mittleren Rachen über, der hinter den beiden Gaumenbögen liegt. Zwischen dem vorderen und dem hinteren Gaumenbögen liegt die Gaumenmandel, die zusammen mit den Rachenmandeln und der Zungenmandel einen lymphatischen Ring, den sogenannten Waldeyerschen Rachenring bilden. Mundhöhle ist die Mundspalte, die hintere die Schlund- oder Rachenenge. Die gesamte Mundhöhle ist mit Schleimhaut ausgekleidet.
mit Wasser zu spülen und frühestens nach einer halben bis zu einer Stunde die Zähne zu putzen.
Was tun die Zahnärzte, um die Bevölkerung über die irrtümlichen Volksweisheiten aufzuklären?
Jeder Zahnarzt berät seine Patienten in erster Linie individuell. Die ausführliche Aufklärung über Befunde und Diagnosen, aber auch die regelmäßige Inanspruchnahme einer professionellen Zahnreinigung bieten hervorragende Gelegenheiten, mit diesen Irrtümern aufzuräumen. Darüber hinaus nutzen Zahnärzte mittels Veranstaltungen und öffentlichen Erklärungen zum Tag der Zahngesundheit immer wieder erneut die Chance, die breite Bevölkerung über die Ursache der Munderkrankung und deren Vermeidung aufzuklären.
Wichtige Erfolge sind bereits im internationalen Vergleich bei den Kindern und Jugendlichen erreicht worden. Ursache für diese Erfolge ist die weite Verbreitung von Fluoriden, die erfolgreiche Gruppen- und Individualprophylaxe Individualprophylaxe
Maßnahmen im Rahmen eines speziellen Vorsorgeprogramm zur Vorbeugung von Erkrankungen der Zähne und des Zahnhalteapparates. Zu den Maßnahmen gehören u.a. Information und Aufklärung des Patienten über die Zusammenhänge der Krankheitsentstehung, praktische Übungen zur Mundhygiene, Fluoridierung der Zähne, das Versiegeln von Fissuren und das Reinigen der Zähne. Diese Maßnahmen werden durch speziell ausgebildetes Personal - z.B. eine Prophylaxehelferin - durchgeführt.
und das verbesserte Mundhygienebewusstsein. Diese Erfolge setzen sich zunehmend auch in der erwachsenen und älteren Bevölkerung durch. Mit all ihren individuellen und breitenwirksamen Aufklärungsmaßnahmen stellt die Zahnärzteschaft die Prävention der Munderkrankung in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten.
