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Interview „Ohne beschleifen in einer Sitzung“

Viele Menschen scheuen einen zahnmedizinischen Eingriff, obwohl Sie die Schäden an ihren sichtbaren Zähnen schon seit Jahren als äußerst störend empfinden. Doch neue Behandlungsformen in der ästhetischen Zahnmedizin lassen jetzt hoffen. proDente sprach mit  Prof. Dr. Bernd Klaiber, Universität Würzburg, einem Experten für minimal- und noninvasive Maßnahmen in der Zahnmedizin über die Möglichkeiten der ästhetischen Zahnmedizin.

In der modernen Zahnmedizin werden Schäden an sichtbaren Zähnen auch ohne Beschleifen der Zahnhartsubstanz ästhetisch behandelt. In welchen Fällen ist eine solche Versorgung möglich?

Die durch Karies Karies
Zahnfäule: Entkalkung und Verlust von Zahnhartsubstanz durch Säuren, die von Mundhöhlenbakterien aus Zucker gebildet werden.
oder Unfall entstandenen Defekte an den Frontzähnen lassen sich mit Kompositen sehr gut restaurieren. Im Gegensatz zu Situation vor etwa 30 Jahren muss bei solchen Reparaturen fast keine gesunde Zahnsubstanz mehr abgeschliffen werden, weil sich das eingebrachte Füllungsmaterial Füllungsmaterial
Material zum Füllen eines Zahndefektes.
  dank  moderner Adhäsivtechnik Adhäsivtechnik
Klebetechnik, Säure-Ätz-Technik (SÄT): Angewandt bei Komposit-Füllungen und beim Zementieren von Keramikfüllungen/-kronen/-verblendschalen und Klebebrücken mittels Komposit. Das Prinzip besteht darin, dass ein dünnflüssiger Kunststoff (Haftvermittler) einen Verbund zwischen der Zahnhartsubstanz (Schmelz, Dentin) und dem entsprechenden Füllungsmaterial (z.B. einem Komposit) eingeht. Zunächst wird die Zahnoberfläche durch Aufbringung einer Säure (meist 30-40%ige Phosphorsäure: Ätzgel) aufgeraut. Die so entstandene Oberflächenvergrößerung ermöglicht eine bessere Benetzbarkeit für den Haftvermittler (Bond, Adhäsive), der in die aufgerauten Strukturen einfließt und nach der Lichthärtung eine sichere Verankerung bietet. Danach wird das eigentliche Füllungsmaterial (Komposit) aufgetragen, das mit dem Haftvermittler eine chemische Verbindung eingeht. Die Adhäsivtechnik ist sehr verarbeitungsempfindlich und benötigt eine sehr gute Trockenlegung in der Mundhöhle, daher wird in der Regel am zu behandelnden Zahn Kofferdam (Spanngummi) angelegt.
mikromechanisch mit dem Zahn Zahn
Fachausdruck: Dens. Dient der Nahrungszerkleinerung und beeinflusst die Lautbildung. Der Zahn besteht aus der Zahnkrone und der Zahnwurzel. Das Zahninnere nennt man Zahnmark (Pulpa); es ist von Zahnbein (Dentin) umschlossen. Das Dentin wiederum wird im Bereich der Zahnkrone von Zahnschmelz und im Bereich der Zahnwurzel von Wurzelzement umgeben. Im Milchzahngebiss sind 20 Zähne (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht Backenzähne) vorhanden. Mit ca. sechs Jahren beginnt der Zahnwechsel. Die Milchzähne werden durch die bleibenden Zähne ersetzt und weitere bleibende Zähne wachsen dazu, so dass im bleibenden Gebiss inklusive der Weisheitszähne 32 Zähne vorhanden sind (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht kleine Backenzähne (Prämolaren), zwölf große Backenzähne (Molaren)).
verbindet. Wenn nach einem Unfall das abgebrochene Zahnfragment noch vorhanden ist,  kann dieses  sogar mit gutem Langzeiterfolg   wieder ’angeklebt’ werden.

"Veränderung der Zahnform"

 

Neben diesen beiden häufigsten Anwendungen, bei denen die ursprüngliche Zahnform wiederhergestellt wird, gibt es aber noch viele Situationen, in denen sich ohne Beschleifen (nonivasiv) oder nur mit geringen Beschleifen (minimalivasiv)  das Erscheinungsbild der Frontzähne Frontzähne
Sind die je 4 Schneide- und 2 Eckzähne des Ober - und Unterkiefers; sprich die sichtbaren Zähne beim normalen Sprechen.
ganz erheblich verbessern lässt.  Zu diesen Maßnahmen gehören u.a. die  Veränderungen der  Zahnform und das Aufhellen der Zähne durch Bleichen.

"Ohne Beschleifen die Lücke schließen"

Als fast schon klassisches Beispiel für ästhetische Korrekturen lässt der Lückenschluss im Frontzahnbereich anführen. Wenn zwei benachbarte Zähne keinen Kontakt haben, so wirken die dadurch entstandenen Lücken als Dunkelräume, die in der Regel  als weniger schön empfunden werden. Bestehen mehrere Lücken und sind diese gar ungleichmäßig  verteilt, dann ist das  Erscheinungsbild des Frontzahnbereiches doch erheblich gestört. In früherer Zeit wurde ein solcher Zustand meist belassen, weil die Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation  zu aufwändig  und  mit zu hohem Risoko verbunden waren. Heute können die Zähne ohne Beschleifen mit Komposit Komposit
Zahnfarbenes, stabiles Füllungsmaterial, das sich aus mehreren Komponenten (Kunststoffe, in die besonders aufbereitete mikrofeine Glas- und Quarzteilchen eingelagert sind) zusammensetzt. Komposite werden vor allem im Frontzahnbereich, mit einigen Einschränkungen auch für Füllungen in Backenzähnen eingesetzt. Das Material wird mit dem Zahnbein und dem Zahnschmelz verklebt und in der Regel mit einem Speziallicht gehärtet.
verbreitert werden  und die Lücken geschlossen werden. Im Vergleich zu  Veneers Veneers
Hauchdünne, lichtdurchlässige Keramikschalen, die mit Spezialkleber auf die Zahnoberfläche - vor allem von Frontzähnen - aufgebracht werden.
(=geklebte Keramikschalen) bleibt bei dieser Technik die natürliche Oberfläche des Zahnes vollständig erhalten.

Manche Menschen leiden unter „schwarzen Dreiecken“ einer speziellen Form der Lückenbildung im Frontzahnbereich. Woher stammen diese Fehlstellungen?

Schwarze Dreiecke entstehen nach Rückgang  des Zahnfleisches zwischen den Zähnen.  Dieser altersbedingte Rückgang kann durch Zahnfleischerkrankungen massiv beschleunigt werden. Auch wenn die Zähne hier direktem Kontakt stehen,  gibt  es dennoch einen Dunkelraum, weil  die Bereiche, die früher mit Zahnfleisch Zahnfleisch
Siehe unter Gingiva.
ausgefüllt waren, jetzt den freien Blick in die dunkle Mundhöhle Mundhöhle
Der Raum, der nach vorne durch die Lippen, nach oben durch den harten und weichen Gaumen, der sie von der Nasenhöhle trennt, seitlich durch die Wangen und nach unten durch den Mundboden begrenzt ist. Nach hinten geht die Mundhöhle in den mittleren Rachen über, der hinter den beiden Gaumenbögen liegt. Zwischen dem vorderen und dem hinteren Gaumenbögen liegt die Gaumenmandel, die zusammen mit den Rachenmandeln und der Zungenmandel einen lymphatischen Ring, den sogenannten Waldeyerschen Rachenring bilden. Mundhöhle ist die Mundspalte, die hintere die Schlund- oder Rachenenge. Die gesamte Mundhöhle ist mit Schleimhaut ausgekleidet.
  ermöglichen. Die Größe dieser so genannten schwarzen Dreiecke wird von der Zahnform bestimmt. Bei eher dreieckigen Zahnformen, die sich von der Schneidekante zum Zahnhals Zahnhals
Leicht eingezogene Übergangsstelle zwischen dem sichtbaren Zahnschmelz und der Zahnwurzel. Beim gesunden Zahn überdeckt Zahnfleisch (Gingiva) den Zahnhals. Freiliegende Zahnhälse können Schmerzen durch süße, kalte und heiße Speisen sowie durch Berührung verursachen.
  hin stark verschmälern, sind diese schwarzen Dreiecke wesentlich größer und damit auch auffälliger aus als bei eher  quadratischen Zahnformen, die sich zum Zahnhals Zahnhals
Leicht eingezogene Übergangsstelle zwischen dem sichtbaren Zahnschmelz und der Zahnwurzel. Beim gesunden Zahn überdeckt Zahnfleisch (Gingiva) den Zahnhals. Freiliegende Zahnhälse können Schmerzen durch süße, kalte und heiße Speisen sowie durch Berührung verursachen.
nur wenig verschmälern.

Helfen adhäsive – also angeklebte Komposite – auch hier?

Diese schwarzen Dreiecke lassen sich sehr gut mit Komposit Komposit
Zahnfarbenes, stabiles Füllungsmaterial, das sich aus mehreren Komponenten (Kunststoffe, in die besonders aufbereitete mikrofeine Glas- und Quarzteilchen eingelagert sind) zusammensetzt. Komposite werden vor allem im Frontzahnbereich, mit einigen Einschränkungen auch für Füllungen in Backenzähnen eingesetzt. Das Material wird mit dem Zahnbein und dem Zahnschmelz verklebt und in der Regel mit einem Speziallicht gehärtet.
verkleinern oder gar verschließen, was zu einer erheblichen Verbesserung des Aussehens führt. Mit Fug und Recht kann man hier sogar von einer optischen Verjüngung sprechen.

Für viele Patienten sind derartige minimal Eingriffe in der Zahnmedizin neu. Was muss bei der Behandlung beachtet werden?

Für die Patienten ist die Behandlung  mit keinen großen Unannehmlichkeiten verbunden. Sie kann in der Regel einer Sitzung abgeschlossen werden. 

Häufig wird Zahnersatz Zahnersatz
Alle Formen zum Ersatz von Zahnteilen (z.B. Teilkrone), von verlorengegangenen Zähnen (z.B. Brücke) und/oder von Kieferanteilen (z.B. Totalprothese) aus künstlichen Materialien. Man unterscheidet festsitzenden (Kronen, Brücken) von herausnehmbarem Zahnersatz (Teilprothesen, Totalprothesen) sowie eine Kombination beider Formen.
aus Komposit Komposit
Zahnfarbenes, stabiles Füllungsmaterial, das sich aus mehreren Komponenten (Kunststoffe, in die besonders aufbereitete mikrofeine Glas- und Quarzteilchen eingelagert sind) zusammensetzt. Komposite werden vor allem im Frontzahnbereich, mit einigen Einschränkungen auch für Füllungen in Backenzähnen eingesetzt. Das Material wird mit dem Zahnbein und dem Zahnschmelz verklebt und in der Regel mit einem Speziallicht gehärtet.
mit Kunststoff gleichgesetzt. Ist das korrekt?

Leider wird dieser Fehler immer noch gemacht. In den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in geringem Umfang auch Füllungen aus Kunststoff gelegt.  Die Komposite in ihrer heutigen Form unterscheiden hinsichtlich Zusammensetzung und Eigenschaften ganz wesentlich von diesen  Füllungskunststoffen. Komposite  bestehen zu etwa 80 Gewichtsprozent aus fein gemahlenen Gläsern  und nur noch zu etwa 20 Prozent aus einer Kunststoffmatrix.

Bei Begriffen wie Kleber oder Komposit Komposit
Zahnfarbenes, stabiles Füllungsmaterial, das sich aus mehreren Komponenten (Kunststoffe, in die besonders aufbereitete mikrofeine Glas- und Quarzteilchen eingelagert sind) zusammensetzt. Komposite werden vor allem im Frontzahnbereich, mit einigen Einschränkungen auch für Füllungen in Backenzähnen eingesetzt. Das Material wird mit dem Zahnbein und dem Zahnschmelz verklebt und in der Regel mit einem Speziallicht gehärtet.
befürchten Patienten häufig allergische Reaktionen. Sind solche Überlegungen begründet?

Bedenkt man die Häufigkeit der Anwendung von Komposit Komposit
Zahnfarbenes, stabiles Füllungsmaterial, das sich aus mehreren Komponenten (Kunststoffe, in die besonders aufbereitete mikrofeine Glas- und Quarzteilchen eingelagert sind) zusammensetzt. Komposite werden vor allem im Frontzahnbereich, mit einigen Einschränkungen auch für Füllungen in Backenzähnen eingesetzt. Das Material wird mit dem Zahnbein und dem Zahnschmelz verklebt und in der Regel mit einem Speziallicht gehärtet.
und Klebern, sind allergische Reaktionen extrem selten. Hinsichtlich der Allergisierung besteht eher eine Gefahr für das zahnärztliche Team, wenn bestimmte Anteile des Klebers  häufig in direkten Hautkontakt kommen. Bei professioneller  Arbeitsweise  ist  ein direkter Hautkontakt aber in jedem Fall vermeidbar.

Noninvasive Eingriffe erfolgen häufig mit der Adhäsivtechnik Adhäsivtechnik
Klebetechnik, Säure-Ätz-Technik (SÄT): Angewandt bei Komposit-Füllungen und beim Zementieren von Keramikfüllungen/-kronen/-verblendschalen und Klebebrücken mittels Komposit. Das Prinzip besteht darin, dass ein dünnflüssiger Kunststoff (Haftvermittler) einen Verbund zwischen der Zahnhartsubstanz (Schmelz, Dentin) und dem entsprechenden Füllungsmaterial (z.B. einem Komposit) eingeht. Zunächst wird die Zahnoberfläche durch Aufbringung einer Säure (meist 30-40%ige Phosphorsäure: Ätzgel) aufgeraut. Die so entstandene Oberflächenvergrößerung ermöglicht eine bessere Benetzbarkeit für den Haftvermittler (Bond, Adhäsive), der in die aufgerauten Strukturen einfließt und nach der Lichthärtung eine sichere Verankerung bietet. Danach wird das eigentliche Füllungsmaterial (Komposit) aufgetragen, das mit dem Haftvermittler eine chemische Verbindung eingeht. Die Adhäsivtechnik ist sehr verarbeitungsempfindlich und benötigt eine sehr gute Trockenlegung in der Mundhöhle, daher wird in der Regel am zu behandelnden Zahn Kofferdam (Spanngummi) angelegt.
– werden also „angeklebt“ – wie kann man sich so etwas vorstellen?

Die Zahnoberfläche wird durch kurzfristige Säureeinwirkung angeätzt.  Dadurch entsteht eine raue poröse Oberfläche.   In diese poröse Oberfläche dringt der zunächst noch flüssige Kleber ein. Beim Erhärten  verkrallt sich dieser in der porösen Oberfläche. Der Kunststoffanteil des Komposits verbindet sich nun chemisch mit dem an der Zahnoberfläche  physikalisch haftendem Kleber.  Für diesen adhäsiven Verbund muss die Zahnoberfläche trocken gehalten, was im feuchten Mundmilieu großer Anstrengungen bedarf. 

Und wie lange halten diese Arbeiten?

Diese Arbeiten können über viele Jahre ihre Funktion erfüllen. Korrekturen und Ergänzungen sind ohne großen Aufwand möglich.

Sie sprechen manchmal vom Begriff der optischen Täuschung – was ist darunter zu verstehen?

Wenn zum Beispiel ein Zahn Zahn
Fachausdruck: Dens. Dient der Nahrungszerkleinerung und beeinflusst die Lautbildung. Der Zahn besteht aus der Zahnkrone und der Zahnwurzel. Das Zahninnere nennt man Zahnmark (Pulpa); es ist von Zahnbein (Dentin) umschlossen. Das Dentin wiederum wird im Bereich der Zahnkrone von Zahnschmelz und im Bereich der Zahnwurzel von Wurzelzement umgeben. Im Milchzahngebiss sind 20 Zähne (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht Backenzähne) vorhanden. Mit ca. sechs Jahren beginnt der Zahnwechsel. Die Milchzähne werden durch die bleibenden Zähne ersetzt und weitere bleibende Zähne wachsen dazu, so dass im bleibenden Gebiss inklusive der Weisheitszähne 32 Zähne vorhanden sind (acht Schneidezähne, vier Eckzähne, acht kleine Backenzähne (Prämolaren), zwölf große Backenzähne (Molaren)).
für den Lückenschluss verbreitert wird und diese reale Verbreiterung  nicht wahrgenommen wird. Dafür gibt es bestimmte Tricks, die einfach aber verblüffend in ihrer Wirkung sind.