Zahnarzt & Zahntechniker: Berufsbilder im Wandel

Der Zahnarzt als Manager der oralen Gesundheit
Der Zahnarzt als Manager der oralen Gesundheit

Wenn ein Patient zufrieden vom Zahnarztbesuch nach Hause kommt, haben gleich mehrere Berufsgruppen gute Arbeit geleistet. Zahnarzt, Assistentinnen und Zahntechniker bilden ein eingespieltes Team, welches sein umfangreiches Wissen einsetzt, um dem Patienten optimale Qualität in der zahnmedizinischen und zahntechnischen Versorgung zu bieten. In den letzten Jahren haben sich die Berufsbilder einem Wandel vollzogen. proDente spricht mit Thomas Lüttke, Zahntechnikermeister und Vorstand des Verbandes Deutscher Zahntechniker Innungen, und Dr. Dietmar Oesterreich, Zahnarzt und Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, über die Ursachen und Auswirkungen der Veränderungen auf den jeweiligen Berufsstand und auf die Patienten.

Herr Dr.Oesterreich, der Zahnarzt galt lange Zeit vorrangig als  „Sanierer“ oder „Reparateur“, um Schäden zu begrenzen. Trifft das heute noch zu?

Generell darf man heute feststellen, dass sich die Mundgesundheit der gesamten Bevölkerung in den letzten Jahren deutlich verbessert hat. Kinder und Jugendliche befinden sich im Hinblick auf die Zahngesundheit auf einem internationalen Spitzenplatz. Auch bei Erwachsenen und Senioren verzeichnen wir einen zunehmenden Zahnerhalt. Diese Erfolge konnten nicht unwesentlich durch eine konsequente Ausrichtung auf eine präventionsorientierte Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde erreicht werden. Prävention gehört heute zum Leistungsspektrum der überwiegenden Praxen. Schwerpunkte der Individualprophylaxe sind professionelle Zahnreinigungen, Fissurenversiegelungen, Aufklärung und Motivation sowie die Beratung über mundgesundes Verhalten. Das bedeutet, dass der Zahnarzt heute wesentlich mehr Manager der oralen Gesundheit als Reparateur ist. Auch bei der Therapie von eingetretenen Schäden wird heute wesentlich mehr die Zahn- und Gewebeerhaltung in den Vordergrund gestellt.

Inwieweit bietet das erweiterte Selbstverständnis des Zahnarztes  für den Patienten einen Qualitätsfortschritt in der Behandlung?

Die Ausrichtung auf die Prävention und der damit einhergehende Zahnerhalt bietet für den Patienten eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität. Qualität in der Zahnmedizin wird heute sehr viel  am Zahnerhalt gemessen. Durch moderne mikroinvasive Füllungstherapien, verbesserte Verfahren der Wurzelkanalbehandlung, mikroinvasive zahnerhaltende chirurgische Eingriffe, aber auch moderne Verfahren zum Zahnersatz ist der Zahnerhalt möglich. Darüber hinaus sind die Eingriffe für den Patienten heutzutage deutlich weniger belastend.

Zahnärzte haben ein mehrjähriges Universitätsstudium abgeschlossen, für Fachzahnärzte kommen noch einige Jahre der Ausbildung hinzu. Reicht das erworbene Wissen, um Patienten ein Leben lang nach höchsten Qualitätsstandards zu behandeln?

Unsere berufsethischen Auffassungen und das Berufsrecht verpflichten uns, sich lebenslang im Interesse der Qualitätsförderung fortzubilden. Repräsentative Studien belegen, dass  die Zahnärzte in Deutschland dies aus eigenem und innerem Antrieb heraus auf hohem Niveau tun. Dies ist der beste Beleg dafür, dass sich der Berufsstand der Tatsache bewusst ist, dass die in der Aus- und Weiterbildung erworbenen Kenntnisse zwar eine solide Grundlage bilden, aber langfristig nicht ausreichen, um die Patienten zukünftig auf höchstem Qualitätsstandard zu behandeln.

Herr Lüttke, wie ist das bei den Zahntechnikern? Wie reagiert Ihr Berufsstand auf die neuesten medizinischen und technischen Fortschritte?

Die Beurteilung der Zahntechnik als gefahrengeneigter Gesundheitsberuf erfordert die Meisterqualifikation als Zulassungsvoraussetzung für die Herstellung von Zahnersatz in Deutschland. Das  ist zugleich ein entscheidender Grund dafür, dass der hier hergestellte Zahnersatz weltweit höchste Anerkennung erfährt. Die gewerblichen, im Wettbewerb stehenden Meisterbetriebe sind der Garant dafür, dass neue medizinische und technische Erkenntnisse schnell und umfassend in die Versorgungspraxis Einzug finden können. Zahnärzte und Zahntechniker gelten zudem als ausgesprochen fortbildungsintensive Berufe.

Die fachlich-handwerkliche Beherrschung neuer Materialien und Technologien ist daher gleichsam ein Markenzeichen in der Entwicklung unseres Berufsstandes in Deutschland. Nur wer sich in der Zusammenarbeit mit dem Zahnarzt immer wieder neu „beweist“ und  mit dem Zahnarzt an besten Lösungen für den Patienten erfolgreich arbeitet, verkörpert echte Zukunftsfähigkeit.

Hat sich durch den Einsatz der modernen Geräte der Beruf des Zahntechnikers verändert?

Nichts ist beständiger als der Wandel und dies gilt auch für das fortschrittliche Zahntechnikerhandwerk. Die Dentaltechnik hat sich angesichts der permanenten Entwicklung neuer digitaler Mess- und Analyseverfahren und computergestützter Fertigung in den vergangenen Jahren nachhaltig verändert. Statt mit dem Wachsmesser arbeitet der Zahntechniker zunehmend am Computer. Die endgültige Fertigstellung des Zahnersatzes  erfolgt dann aber überwiegend in filigraner Handarbeit. Die technischen Weiterentwicklungen verändern zwar die Anwendung neuester Technologien, Materialien und Verfahren, nicht aber das Berufsbild des Zahntechnikers. Es geht immer darum,  zahntechnisches Wissen und Können für patientenindividuelle Versorgungslösungen optimal zu nutzen. Der Zahntechniker ist als Wissensexperte nicht durch veränderte Technologien zu ersetzen. Trotz neuer Herstellungsarten ist das notwendige komplexe Verständnis für jeden einzelnen Patientenfall unerlässlich.

Herr Dr. Oesterreich, der Zahnarzt trägt rechtliche die alleinige Verantwortung für den Patienten, auch was die Qualität des Zahnersatzes angeht. Steht der Zahntechniker an „zweiter Stelle“?

Es ist völlig richtig, dass der Zahnarzt mit der Eingliederung von Zahnersatz alleinig gegenüber dem Patienten in allen Belangen haftet. Da aber die Herstellung von Zahnersatz eine intensive Kooperation zwischen Zahnarzt und zahntechnischem Labor erfordert, muss nicht nur der Zahnarzt die Qualität des hergestellten Zahnersatzes prüfen, sondern sich dabei auch auf sein Labor verlassen können. Bei sehr aufwendigen und komplizierten Zahnersatztherapien ist sogar im Vorfeld eine Abstimmung und gemeinsame Festlegung der einzusetzenden Technologien sinnvoll, wenn nicht sogar  zwingend notwendig. Das erfordert oftmals die unmittelbare Abstimmung am Patienten, die gemeinsame persönliche Beratung, aber auch den intensiven persönlichen Kontakt. Hohe Qualität ist nur durch gegenseitige und zuverlässige Zuarbeit, sowie vertrauensvolle Zusammenarbeit zu erreichen. Der Zahntechniker ist somit ein sehr wichtiger Kooperationspartner des Zahnarztes.

Herr Lüttke, wie sehen Sie das?

Die alleinige Verantwortung des Zahnarztes für die Behandlung mit Zahnersatz ist hinlänglich beschrieben und auch richtig. Jedoch hat jüngst Professor Dr. Hans-Christoph Lauer, wissenschaftlicher Leiter des Kuratoriums perfekter Zahnersatz, folgendes gesagt: „Ich als Zahnarzt kann in den Zahnersatz nicht hineinschauen. Da ist es mir wichtig, dass ich mich hundertprozentig auf den Zahntechnikermeister verlassen kann“. Seine Worte zeigen, dass neben dem Zahnarzt nur der Zahntechnikermeister  die Unbedenklichkeit des Medizinproduktes Zahnersatz verantworten kann und muss. Qualität, Produktsicherheit und Patientenzufriedenheit in der Zahnersatzversorgung sind also immer nur das Ergebnis einer gut funktionierenden Partnerschaft von Zahnarzt und Zahntechnikermeister. Schließlich soll der Zahnersatz jahrzentelang im Mund eines Patienten unbedenklich sein.

Herr Dr. Oesterreich, welche Rolle spielen die Assistentinnen in der Zahnarztpraxis bei der erfolgreichen Behandlung eines Patienten?

Ausgehend von den gesetzlichen Grundlagen des Zahnheilkundegesetzes ist es möglich, dass der Zahnarzt unter seiner Verantwortung bestimmte Teile des Behandlungsgeschehens delegiert. Dies setzt voraus, dass seine Mitarbeiterinnen ein hohes Niveau in der Aus- und Fortbildung haben. Darüber hinaus muss sich der Zahnarzt regelmäßig über den Qualifikationsstand seiner Mitarbeiter vergewissern. Insbesondere in den Bereichen der Prävention besitzen fortgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte eine hohe Kompetenz und Patientenakzeptanz. Auch im Bereich des Praxismanagements und der Verwaltung gibt es wichtige Bereiche für die Delegation. Aber auch die zuverlässige Zusammenarbeit bei der Diagnostik und Therapie der Patienten zwischen Zahnarzt und Assistentin ist von großer Wichtigkeit für eine hohe Qualität zahnärztlicher Behandlung. So darf man mit Recht feststellen, dass zahnärztliche Betreuung heute im ureigenen Sinne Teamarbeit ist. Gerade kommunikative Kompetenzen der zahnärztlichen Mitarbeiterinnen sind entscheidend für eine hohe und positive Zahnarzt-Patienten-Bindung.

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