Lichtdurchlässig wie der echte Zahnschmelz

"Gerade im sichtbaren Bereich des Gebisses spielt die Ästhetik eine wichtige Rolle, damit sich der Patient mit seiner Füllung oder seiner Krone wohl fühlt."


Mit modernen Dentalwerkstoffen sind Zahnarzt und Zahntechnik gemeinsam der Natur auf der Spur. Damit den Patienten selbst dann nicht das Lachen vergeht, wenn die eigenen Zähne repariert oder ersetzt werden müssen, werden so naturgetreue Abbilder geschaffen, dass manchmal selbst der Zahnarzt zweimal hinsehen muss, um den Zahnersatz als solchen zu erkennen. Welche Materialien diese Perfektion erlauben, erläutert Dr. Rüdiger Butz im Interview mit der Initiative proDente.

 

Warum ist die ideale Optik künstlicher Zähe überhaupt so wichtig?

 

Gerade im sichtbaren Bereich des Gebisses spielt die Ästhetik eine wichtige Rolle, damit sich der Patient mit seiner Füllung oder seiner Krone wohl fühlt, sicher und selbstbewusst auftreten kann. Die moderne Zahnmedizin erlaubt heute exzellente Lösungen – und viele Patienten wollen diese Möglichkeiten dann auch nutzen und sich nicht mit weniger zufrieden geben.

 

Welche Materialien stehen dem Zahnarzt zur Verfügung, wenn er  einen möglichst natürlichen Ersatz schaffen möchte?

 

Grundsätzlich lässt sich der Zahnschmelz mit Kunststoffen und Dentalkeramiken nachahmen. Beide Werkstoffe sind zahnfarben und können der individuellen Farbnuance des jeweiligen Gebisses angepasst werden. Die verschiedenen Kunststoffe (Komposite) eignen sich vor allem zur Versorgung kleiner bis mittlerer Defekte, sowohl an den Front-, als auch an den Seitenzähnen. Das Material wird in mehreren Schichten mit einer speziellen Klebetechnik aufgetragen und ausgehärtet. Kunststoff kopiert die natürliche Zahnfarbe schon recht gut und ist im Vergleich zur Keramik die preiswertere Lösung. Allerdings erfüllen die keramischen Werkstoffe höchste ästhetische Ansprüche noch erheblich besser.

 

Worin liegt der Vorteil der Keramik?

 

Es werden je nach Anwendungsbereich verschiedene Keramikarten verwendet. Für Inlays und Teilkronen sowie zum Verblenden von Kronen und Brücken kommen die so genannten Silikatkeramiken zum Einsatz. Sie sind ebenso lichtdurchlässig wie der echte Zahnschmelz – und genau diese Transparenz sorgt für einen absolut natürlichen Eindruck. Aus Silikatkeramik sind beispielsweise auch Veneers, die hauchdünnen Keramikschalen, die wie künstliche Fingernägel auf die eigenen Zähne geklebt werden. Mit dieser Keramikart verblendete Kronen und Brücken haben allerdings einen Nachteil: ihren metallenen Kern. Durch ihn kann das Licht nicht hindurch scheinen, deshalb wirkt der Zahnersatz nicht ganz natürlich.

 

Gibt es denn eine Alternative zum Metallgerüst bei Kronen und Brücken?

 

Die gibt es: Das Optimum in Sachen Ästhetik sind vollkeramische Kronen und Brücken. Bei ihnen besteht das Gerüst aus einer besonders dichten und hochfesten Oxidkeramik. Da diese etwas weniger lichtdurchlässig ist, wird sie wiederum mit einer Silikatkeramik verblendet. So entsteht tatsächlich das perfekt natürliche Abbild. Die optischen Effekte der Lichtbrechung, die bei unterschiedlichem Lichteinfall auf der Zahnoberfläche entstehen, lassen sich mit der Kombination aus den beiden Keramikarten ganz lebendig imitieren. Wie beim echten Zahn dringt das Licht sogar bis ins das umgebende Zahnfleisch und lässt es gesund rosig schimmern. Solche vollkeramischen Lösungen sind sehr aufwändig in der Herstellung und entsprechend teuer – doch wer großen Wert auf höchste Ästhetik legt, wird sich für sie entscheiden.

 

(3363 Zeichen, Stand: November 2005)