Die Zähne raffiniert ins rechte Licht setzen
Die besonders „warme“ Farbe der Herbstsonne auf bunten Blättern, das diffuse Winter-Licht bei Schneewetter: Die Natur hält eine Vielfalt an Farbeindrücken bereit, die der Mensch über das Auge aufnimmt. Diesen natürlichen Eindruck auch bei der Fertigung von Zahnersatz zu erreichen, ist eine echte Herausforderung für Zahnarzt und Zahntechniker. Mit gezielten Effekten kreieren sie Füllungen und künstliche Zähne so perfekt, dass diese den „Echten“ ästhetisch in nichts nachstehen.
„Man muss die menschliche Wahrnehmung von Licht und Farbe verstehen, um sie erfolgreich kopieren zu können“, erklärt Dr. Dietmar Oesterreich von der Initiative proDente. Denn Farbe ist keine physikalische Eigenschaft, sondern vielmehr ein Sinneseindruck, der entsteht, wenn das von einem Gegenstand reflektierte Licht auf die Netzhaut des Auges trifft. „Je nach Wellenlänge des Lichts nehmen wir einen bestimmten Farbeindruck subjektiv wahr“, so der Experte. Will man das Aussehen eines Zahns so naturgetreu nachahmen, dass der Zahnersatz praktisch unsichtbar ist, muss man sich außerdem Aufbau und Struktur der echten Zähne zum Vorbild nehmen: „Der Zahnschmelz bildet die äußere Hülle des Zahns und ist lichtdurchlässig. Darunter liegt das dunklere Zahnbein (Dentin)“, beschreibt Dr. Oesterreich. Die eigentliche Zahnfarbe ist also eine Kombination aus unterschiedlichen Schichten und Schattierungen, in denen sich das Licht in einer ganz besonderen Weise bricht.
Schicht für Schicht zum perfekten Zahn
Um dieses Spiel von Licht und Farbnuancen nachzubilden, arbeiten die zahntechnischen Labors mit aufwändigen Verfahren und höchster Präzision. Denn jedes Inlay, jede Krone wird als individuelles Einzelstück gefertigt, das genau zum Gebiss des Patienten passen muss. Am besten lässt sich die Natur mit Hilfe der modernen keramischen Werkstoffe nachbilden. „Sie werden in einer raffinierten Technik auf das vom Zahnarzt abgeformte Modell aufgetragen und anschließend unter Vakuum gebrannt und glasiert“, erklärt Dr. Oesterreich das Verfahren.
Schicht für Schicht werden Keramikmassen von unterschiedlicher Dichte und Färbung aufgebracht, so dass am Ende eine möglichst naturgetreue Lichtbrechung erreicht wird. Keramikverblendete Kronen mit einem Metallgerüst sehen dem echten Zahn schon recht ähnlich, können durch den dunklen Metallkern aber matt und künstlich wirken, weil dieser die Lichtbrechung hemmt. Optimale Ergebnisse erreicht der Zahntechniker dagegen mit vollkeramischen Lösungen: Hier besteht auch das „Innenleben“ des Zahnersatzes aus Keramik, so dass das Licht absolut natürlich durchscheinen kann. Dadurch sieht nicht nur der Zahn, sondern auch das ihn umgebende Zahnfleisch rosig und gesund aus, denn das Licht wird durch die Keramik bis ins Zahnfleisch weitergeleitet.
Sorgfältige Vorarbeiten
Bevor der Zahntechniker mit seiner Filigranarbeit für das perfekte Inlay oder die Krone beginnt, muss der Zahnarzt die genaue Farbe für den Zahnersatz bestimmen. „Das ist eine Aufgabe, die viel Präzision erfordert“, betont Dr. Oesterreich. Denn natürlich ist auch die Farbwahrnehmung des Zahnarztes subjektiv, und so muss er bei der Farbbestimmung möglichst optimale Bedingungen schaffen, damit nicht Faktoren wie Beleuchtung, eine sehr farbintensive Umgebung oder auch die Ermüdung des Auges das Ergebnis verfälschen.
Zur Festlegung der Farbe für den Zahnersatz haben sich spezielle Farbringe als Vergleichmuster bewährt. „Inzwischen gibt es aber auch digitale Messgeräte zur möglichst objektiven Farbbestimmung“, erläutert Dr. Oesterreich. Doch die menschliche Wahrnehmung lässt sich nicht vollständig durch die Technik ersetzen. Deshalb sollte immer auch eine visuelle Bestimmung durch einen erfahrenen Zahnarzt gemacht werden. Bei schwierigen Fällen können Zahnarzt und Zahntechniker auch gemeinsam die beste Farbnuance festlegen.
(3778 Zeichen, Stand: November 2005)


